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«Swift» steuert seine Drohnen zum Sieg

Michael Isler aus Winterthur

«Swift» steuert seine Drohnen zum Sieg

Michael Isler aus Winterthur ist einer der besten Drohnenpiloten unseres Landes. Für sein Hobby opfert «Swift», wie er in der Szene genannt wird, den grössten Teil seiner Freizeit. Vor kurzem gewann er den Final der Swiss Drone League.

Michael
Hotz
Mittwoch, 21. November 2018, 16:54 Uhr Michael Isler aus Winterthur

Alles begann auf Youtube. «Ich sah ein tolles Video, in dem sich zwei Drohnen im Wald nachjagen», erzählt Michael Isler. Der Winterthurer dachte: «Das muss ich auch machen.»

Gedacht, getan. Vor rund drei Jahren begann er damit, sich mit Drohnen auseinanderzusetzen. Michael Isler begab sich für weiterführende Recherchen ins Internet, wo er sich zusätzliche Videos anschaute. Viele Tipps holte er sich auch beim Besitzer eines Modellbauladens an der Schaffhauserstrasse in Ohringen, mit dem er nun befreundet ist.

Distanz zum Begriff Drohnen

Mittlerweile zählt der 34-jährige Winterthurer zu den besten Drohnenpiloten unseres Landes, ja gar der Welt – wobei er die Bezeichnung FPV-Racing-Pilot bevorzugt. «Drohnen sorgen immer wieder für negative Schlagzeilen. Deshalb distanzieren wir uns von diesem Unwort.» Mit «wir» meint Michael Isler die Schweizer FPV-Racing-Szene, die sich über die Jahre formiert hat.

Vergleich: Quali-Lauf am SDL-Final in HD-Qualität und dem Finallauf in der Qualität der Videobrille. (Video: PD/Michael Hotz)

FPV Racing (englisch: First Person View Racing, frei übersetzt: Rennen aus der Ich-Perspektive) ist ein Motorsport, bei dem die Teilnehmer mit Quadcoptern Rennen fliegen. Auf der Drohne ist eine Kamera montiert, deren Bilder an die Videobrille des Piloten übertragen werden. Ziel ist es, die Strecke möglichst schnell zu absolvieren.

Siegreich an der St. Galler Automesse

Darin ist «Swift», wie sich Michael Isler in der Szene nennt, recht erfolgreich. Letztes Wochenende gewann er den Final der Swiss Drone League an der Automesse St. Gallen. Kürzlich weilte er an der WM im chinesischen Shenzhen. Dort war der Winterthurer mit Platz 32 bei 128 Teilnehmern bester Schweizer.

Letztes und dieses Jahr holte Michael Isler den Schweizer Vize-Meistertitel. «2017 fehlten mir nur 0,2 Sekunden zum Sieg», ärgert sich er immer noch. Ein Zeugnis seines Ehrgeizes.

Wer überlegt, der verliert

Michael Isler misst sich gerne mit Gegnern – und am liebsten gewinnt er. Dazu steht er auf Geschwindigkeit. «FPV-Racing ist der Rennsport fürs kleine Budget», sagt der Pilot. Deshalb investiert er «eigentlich zu viel Zeit» in sein Hobby, nämlich ziemlich jede freie Minute.

Ein Lauf von «Swift» an der WM in China. (Video: PD)

Dabei begibt sich «Swift» mit Freunden oder alleine auf Trainingsplätze wie etwa das Polofeld in Unterohringen oder ein gepachteter Reitplatz in der Region Schaffhausen. Dort stehen ihm selbst gebaute Elemente für den Aufbau einer Rennstrecke zur Verfügung. Im Winter kann er in zwei Hallen in Basel trainieren.

Das Ziel ist, die Steuerung der Copter möglichst zu automatisieren. «Wenn du während eines Rennens überlegen musst, hast du bereits verloren», begründet Michael Isler. Dafür sind die Drohnen viel zu schnell unterwegs. Sie beschleunigen in weniger als einer Sekunde von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde. Deshalb übt der Winterthurer unermüdlich. Viele seiner Bewegungen mit der Steuerung laufen fast unbewusst ab. Zusätzlich baut und programmiert er seine verschiedenen Copter selber, was sein Hobby zusätzlich so zeitintensiv macht.

Sponsoren finanzieren das Hobby

Die starke internationale Konkurrenz – zurzeit vor allem aus Deutschland und den USA  – machen den enormen Trainingsaufwand auch nötig. «Immer mehr junge Gamer drängen in die Szene.  Die haben das Talent, dich in Grund und Boden zu fliegen», betont «Swift».

Michael Isler ist aber so gut, dass er sein Hobby mit Sponsorengeldern finanzieren kann. Das war sein grösstes Ziel. Nun hat er ein neues Vorhaben: «Ich will die Drone Champions League gewinnen.» In dieser Rennserie, die Mitte Oktober in Rapperswil Halt gemacht hat, ist er mit dem Schweizer Team «Swiss Black Kites» unterwegs. Profi möchte der Berufspilot jedoch nicht werden. «Dafür ist mein Job zu geil.»

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