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Mehr als nur ein Bubentraum

Gockhauser will Rennfahrer werden

Mehr als nur ein Bubentraum

Der Gockhauser Julien Apothéloz ist einer von drei Finalisten im Nachwuchs-Förderprogramm «Young Driver Challenge». Der 17-Jährige überzeugte auf der Rennstrecke. Ob seine Karriere aber tatsächlich eine Starthilfe erhält, hängt nicht nur von seinem Speed ab.

Florian
Bolli
Mittwoch, 10. Oktober 2018, 08:24 Uhr Gockhauser will Rennfahrer werden

Es klingt nach einem Bubentraum: Julien Apothéloz will Profi-Rennfahrer werden. Dabei ist der Rennfahrer dem 17-jährigen Gockhauser auf den ersten Blick gar nicht anzusehen, als er zum Interviewtermin in einem Café in der Zürcher Innenstadt erscheint. Als er aber seinen Rucksack öffnet und zwischen seinen Schulsachen seine Sponsorenmappe und eine Autogrammkarte hervorzieht wird klar: Der Traum von Apothéloz ist weit über den Status eines Bubentraums hinaus. Er ist ein konkretes Ziel geworden.

Das Rennsportvirus hat Apothéloz sprichwörtlich im Blut, mitgegeben hat es ihm sein Vater, der einst selber Rennen fuhr. Schon als kleiner Knirps begleitete er ihn auf Rennstrecken. Ein Foto in seiner Sponsorenmappe zeigt ihn als kleinen Buben mit Rennoverall und Helm, als er als Beifahrer mit seinem Vater Runden drehen durfte. Das Lachen sieht man nicht, man kann es aber erahnen.

Das Highlight beim Debüt

Ohne Helm, aber dafür mit ganz breitem Lachen sieht man den Gockhauser in einem Video vor zwei Wochen. Soeben hatte er auf dem Hockenheimring den 9. Platz hinausgefahren in einem Rennen der Tourenwagenserie «ADAC TCR Germany». Es war sein erstes Rennwochenende überhaupt in einem Auto. Bisher kannte er nur Karts. Seine Tourenwagenerfahrung beschränkte sich auf einige Simulator-Sessionen.

YDC in Hockenheimring 2018

In diesem Video findest du eine Zusammenfassung des Rennwochenendes am Hockenheimring. Wir sind enorm stolz auf die tollen Leistungen unserer drei Finalisten! 👏😎 Retrouve dans cette vidéo un résumé du week-end à Hockenheimring, nous sommes extrêmement fiers de la prestation de nos 3 finalistes! 👏😎

Gepostet von Young Driver Challenge am Montag, 8. Oktober 2018

Gestartet ist der Gockhauser in Hockenheim im Rahmen der «Young Driver Challenge». Das Nachwuchs-Förderprogramm gibt es erst seit letztem Jahr, Apothéloz ist heuer einer von drei Finalisten. Dem Sieger winkt ein Preisgeld in der Höhe von 50’000 Franken für einen fixen Startplatz in der ADAC TCR Germany 2019.

Es wäre ein wichtiger Karriereschritt für Apothéloz, der als Neunjähriger in den Kartsport einstieg – wie sein drei Jahre älteren Bruder Cyril, der unterdessen aufgehört hat und den Fokus auf sein Studium legt. Julien Apothéloz hingegen sieht seine Zukunft vorerst im Rennsport. Das Talent dafür scheint er zu haben: In den vergangenen neun Jahren gewann der Gockhauser mit dem Kart Schweizer Meistertitel auf verschiedenen Stufen. Unterdessen ist er dort in der zweithöchsten Kategorie «OK Senior» angelangt, wo er heuer den vierten Gesamtrang belegte.
 

«Julien wird seinen Weg machen», glaubt Fredy Barth. Der Kindhauser Rennfahrer ist einer der Juroren der Young Driver Challenge, er betreute Apothéloz auf und neben der Strecke. Und Barth klingt durchaus beeindruckt, wenn er über das Rennen des Gockhausers in Hockenheim spricht. «Er zeigte eine absolute Glanzleistung».

Apothéloz’ Debüt wurde dadurch erschwert, dass es im Qualifying regnete – er musste sich also nicht nur an ein für ihn ungewohntes Auto, sondern auch ans Wetter anpassen. «Das hat er mit Bravour gemeistert», findet Barth, der den 17-jährigen als «angriffslustig, aber mit genug Respekt» beschreibt.

Mit Ruhe und Rennintelligenz

Die Angriffslust – sie ist kein typischer Charakterzug des 17-jährigen, im Gegenteil. «Ich bin eigentlich ein ruhiger Typ», sagt er über sich selber. Keiner, der sich kopflos in Positionskämpfe stürzt – «ich ging ihnen sogar lange eher aus dem Weg», sagt er.

Das mag auch mit seiner Rennintelligenz zu tun haben, die Barth als eine grosse Stärke des Gockhausers bezeichnet. «Julien teilt sich die Dinge sauber ein und überstürzt nichts. Und er hat während des Fahrens die Kapazität, zu überlegen.»

«Er hat während des Fahrens die Kapazität, zu überlegen.»
Fredy Barth

Noch ist der Rennsport für Apothéloz Hobby. Eines, das viel Zeit beansprucht und vom Realgymnasium Rämibühl, wo er in zwei Jahren die Matura machen wird, toleriert wird, solange seine schulischen Leistungen stimmen. Das tun sie – und wie er selber sagt ohne grossen Zusatzaufwand. Wichtig ist ihm dies nicht nur, um die Schule zufriedenzustellen, sondern auch für die eigene Zukunft.

Denn blauäugig ist Apothéloz nicht. «Es ist mein Ziel, Rennfahrer zu werden. Falls ich im Motorsport richtig Fuss fassen kann, wird ein Studium daneben unmöglich sein. Jedoch will ich mir die Möglichkeit auf ein Studium auf jeden Fall erarbeiten, sodass ich alle Möglichkeiten habe.»

Herausfordernde Sponsorensuche

Die Herausforderungen im Hinblick auf die nächste Saison sind insbesondere monetärer Natur. Denn auch wenn Apothéloz die Young Driver Challenge und damit die 50’000 Franken gewinnen sollte, muss er Geld auftreiben, um den Start in der Tourenwagenserie zu finanzieren. «Eine Rennsaison kostet mindestens 150’000 Franken», sagt er.

Auf Sponsorensuche zu sein – auch das fliesst in die Wertung der Young Driver Challenge ein. Für Apothéloz eine «Aufgabe, die für einen Rennfahrer dazugehört». Die Sponsorenmappe zu erstellen, eine eigene Webseite aufzuschalten, Werbung in eigener Sache zu machen – das machte ihm Spass. Mit diversen Absagen musste er schon leben. «Mit einigen kam ich aber auch ins Gespräch», sagt er. Barth sagt, Apothéloz sei «sehr engagiert. Mit seiner Art, sich zu präsentieren, punktet er bei den Leuten.»
 

Sponsorenmappe und Autogrammkarte: Julien Apothéloz arbeitet auf sein Ziel hin, Rennfahrer zu werden.

Wie gut der Gockhauser bei den Juroren der YDC punkten konnte, wird im November bekannt. Auf der Strecke fuhr er das beste Resultat der drei Finalisten heraus – doch das will noch nichts heissen. «Es geht um den Gesamteindruck», sagt Barth. «Wir beurteilen, wie sich ein Fahrer auf und neben der Strecke entwickelt, wie er sich präsentiert, wie er informiert.» Und habe man bei allen Finalisten Bedenken bezüglich der Zukunft, behalte man sich vor, gar keinen Sieger zu küren.

«Er wird seinen Weg ohnehin machen. Er hat eine gute Basis und ist bodenständig und reif für sein Alter.»
Fredy Barth

Wie Apothéloz’ Chancen stehen, will Barth natürlich nicht verraten. «Auch die beiden anderen können überzeugen. Es ist nur schon ein Qualitätsmerkmal, dass die drei überhaupt im Final sind.» Rund 1000 Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren nahmen das mehrstufige Ausscheidungsverfahren in Angriff, nun sind drei übrig geblieben. «Er wird seinen Weg ohnehin machen. Er hat eine gute Basis und ist bodenständig und reif für sein Alter.» Eben keiner, der einem Bubentraum nachrennt. Sondern ein Realist, der ein klares Ziel verfolgt.

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