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Spitzensport ist und war schon immer politisch

Kommentar zur Doppeladler-Diskussion

Spitzensport ist und war schon immer politisch

Klartext von Redaktor Andreas Kurz über das Verhältnis zwischen Sport und Politik.

Andreas
Kurz
Mittwoch, 27. Juni 2018, 07:11 Uhr Kommentar zur Doppeladler-Diskussion
Olympische Spiele 1936 in Berlin: Das bekannteste Beispiel für die Vereinnahmung des Sports durch die Politik. (Foto: Bundesarchiv/Wikipedia)

Nach dem Doppeladler-Jubel war der Satz wieder zu hören: «Politik hat im Sport nichts verloren.» Erstaunlich, dass er ausgerechnet im Kontext einer Fussball-Weltmeisterschaft im autokratischen Russland fällt. Hätte das Turnier keine politische Dimension, würde es sich das Putin-Regime wohl kaum zig Milliarden kosten lassen.

Die Forderung nach einem politikfreien Spitzensport ist auch deshalb naiv, weil die offensichtliche Verbindung alles andere als neu ist. Das bekannteste Beispiel sind die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, die von den Nationalsozialisten als Propaganda­forum missbraucht wurden.

Im Grunde hat sich seit damals nicht viel geändert. Bis heute nutzen Staaten und Politiker Sportanlässe zur Imagepolitur und persön­lichen Profilierung.

Das denken Passanten in der Region über den Doppeladler-Jubel. Eine Umfrage am Pfäffiker Seequai, im Ustermer Stadtzentrum und in Wetzikon.

(Video: Simon Grässle)

Die Verknüpfung von Politik und Sport muss indes nicht nur schlecht sein: Die sogenannte Pingpong-Diplomatie etwa führte in den 1970er Jahren zu einer Annäherung zwischen China und den USA. Oder aktuell die Winterspiele in Pyeongchang, wo Nord- und Südkorea gemeinsame Eishockey-Teams stellten.

Auch die Schweiz gibt jährlich Millionen für den Spitzensport aus. Im Gegenzug profitiert das Land von der Strahlkraft ihrer Sportstars. Wie sagte alt Bundesrat Adolf Ogi doch einst: «Roger Federer ist der beste Botschafter der Schweiz.»

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