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Spitalausbau bedeutet das Aus für seltene Algier-Tanne

Spitalausbau bedeutet das Aus für seltene Algier-Tanne

Entweder genügend Parkplätze für Patienten und Mitarbeiter oder der Erhalt der Bäume, sagt die Leitung des Spitals Uster. Anwohner Max Bandle zweifelt an dieser Argumentation – und fühlt sich vom Kanton gestützt.

Mittwoch, 27. Januar 2016, 17:32 Uhr

Hundertprozentig sicher ist sich Bernhard Hirzel nicht, ob es sich bei der Tanne im Ustermer Spitalpark tatsächlich um eine Algier-Tanne handelt. «Es sprechen aber sehr viele Zeichen dafür», sagt der Obergärtner des Bota­nischen Gartens der Universität Zürich. Etwa die Nadelstellung am Trieb, die Knospen oder der Duft der Nadeln. Trifft seine Einschätzung zu, ist für Hirzel klar: «Ein solch seltener, vom Aussterben bedrohter Baum ­gehört unbedingt geschützt.» ­Zudem sei die Tanne in sehr ­gutem Zustand und habe noch eine hohe Lebenserwartung. «Gestalterisches Element» Dieser Meinung ist auch Max Bandle. Der Ustermer kennt die Tanne gut. Als Anwohner kommt der pensionierte Apotheker immer wieder in den Park, verweilt auf den Sitzbänken unter dem Baumdach, geniesst den Blick über die Stadt. Dass die Tanne wie auch die benachbarte Kaukasus-Fichte für den Umbau des Spitals gefällt werden soll, macht den 60-Jährigen traurig. «Das wäre für viele ein Verlust.» So aber sieht es der Gestaltungsplan zum Spitalausbau vor, der momentan beim Ustermer Gemeinderat zur Bearbeitung aufliegt. Wohl im Sommer stimmt die Ustermer Bevölkerung darüber ab. «Ich will die geplante Fällung der Bäume zumindest zum Thema machen», sagt Bandle. Dem Hobby-Naturfotografen ist bewusst: Auf ihn als Anwohner fällt schnell der Verdacht, er würde mit seinem Einsatz für die Bäume noch andere Ziele ver­folgen. Darum hält er fest, das er nicht gegen den Ausbau des Spitals sei. «Die beiden Nadelbäume sollten aber als gestalte­risches Element für den neuen Spitalpark erhalten bleiben.» Neuer Park wird grösser Seitens des Spitals ist die Sache klar. «Die beiden Bäume stehen dort, wo das Parkhaus geplant ist. Sie sind zu gross, als dass man sie an einen anderen Ort versetzen könnte», sagt Spital­direktor Andreas Mühlemann. Man sei sich bewusst, dass es sich bei der fremden Algier-Tanne um eine seltene Baumart handle. Den Zustand der Tanne beurteilt er jedoch anders als Gärtner Hirzel. «Dem Baum geht es schlecht, da vor einigen Jahren ein Blitz in die Krone einschlug.» Der Direktor gibt zudem zu bedenken, dass durch den geplanten Umbau der Spitalpark vergrössert und aufgewertet werde. «Er wird um einen Drittel grösser sein als bisher, und es werden neue einheimische Bäume gepflanzt.» Vorgesehen ist, dass das neue Parkhaus im Untergrund des Parks zu stehen kommt. «Die Detailplanung des Parks erfolgt aber erst, wenn wir das Bau­gesuch ausarbeiten.» Nur 300 Parkplätze nötig? Max Bandle hingegen plädiert für ein kleineres Parkhaus. Auf Nachfrage beim Spital habe man ihm gesagt, dass für den Erhalt der beiden Tannen 90 Parkplätze geopfert werden müssten. «In meinen Augen ist das verkraftbar», sagt er. Dabei stützt er sich auf einen Bericht des kantonalen Amts für Raumentwicklung, der auch «regio.ch» vorliegt. Darin empfehlen die Gutachter, vom gängigen Schlüssel für die Berechnung von Parkplätzen abzuweichen, der 1,5 Parkplätze pro Klinikbett vorsieht. Aufgrund der guten ÖV-Anbindung in Uster könne man 40 bis 60 Prozent der Normzahl abziehen, heisst es darin. Das ­ergäbe bei den 400 Betten, die das Spital Uster künftig haben soll, 240 bis 360 Parkplätze – statt 450, wie es der Gestaltungsplan vorsieht. «Es wäre also möglich, die Bäume zu erhalten und trotzdem genügend Parkplätze zur Verfügung zu stellen», sagt Bandle. Spitaldirektor Mühlemann stellt jedoch klar, dass es sich beim Bericht des Kantons lediglich um eine Empfehlung gehandelt habe. Die Architekten des Spitalprojekts hätten ein detailliertes Verkehrskonzept erstellt, das einen Bedarf von 450 Park­plätzen ergab. «Das Parkhaus braucht diese Kapazität, um den Verkehr aus dem Quartier herauszuhalten.»

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