×

Schweiz ist immer noch Hochpreisinsel

Die Schweiz ist nach wie vor eine Hochpreisinsel: Noch immer zahlen hiesige Konsumenten deutlich mehr für ihre Einkäufe als Kunden in den Nachbarländern. Besonders gross sind die Unterschiede bei den Nahrungsmitteln.

Donnerstag, 21. Oktober 2010, 09:00 Uhr

Für das Essen bezahlen die Schweizer 20 Prozent mehr als die Kunden in den angrenzenden Ländern. Bei Non- Food-Produkten ist der Unterschied deutlich kleiner, beträgt aber immer noch fünf Prozent. Alle Produktkategorien zusammengerechnet sind es elf Prozent mehr, welche Kunden in der Schweiz für Güter des täglichen Bedarfs ausgeben müssen. Dies zeigt eine Detailhandels-Studie der Konjunkturforschungsstelle BAK Basel Economics, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

 

Dass Schweizer Konsumenten tiefer in die Tasche greifen müssen, hat mehrere Gründe: Hauptgrund ist der Wareneinkauf auf dem Weltmarkt, der für Schweizer Detailhändler einiges teurer ist als für die Anbieter im Ausland. Ein Grossverteiler in Deutschland beispielsweise kann nur schon aufgrund seiner Grösse und somit der Bestellmenge 42 Prozent günstiger einkaufen als etwa Migros oder Coop. Zudem sind in der Schweiz die so genannten Vorleistungskosten viel höher, also etwa Ladenmieten oder Werbeausgaben.

Nur Osteuropäer sind produktiver

Keinen Einfluss auf die Preisunterschiede haben die vergleichsweise hohen Löhne. Zwar verdienen Schweizer Angestellte deutlich mehr als ihre Kollegen im angrenzenden Ausland - sie sind aber auch deutlich produktiver. Im Ausland müssen für die gleiche Arbeit somit mehr Leute angestellt werden. Nur Osteuropäer sind laut der Studie noch etwas fleissiger als die Schweizer.

 

Die Hochpreisinsel Schweiz ist aber am Bröckeln - sehr zum Vorteil der Konsumentinnen und Konsumenten: Die Preisunterschiede zum Ausland haben sich in den letzten vier Jahren nahezu halbiert. Mittlerweile gibt es sogar einige wenige Produktekategorien, bei denen die Schweizer besser wegkommen als die Kunden im Ausland, so etwa bei elektronischen Produkten und Computern.

Schwacher Euro lässt Schere grösser werden

Ob diese Entwicklung weitergeht, ist allerdings unklar. Die Studie wertet Zahlen von 2009 aus - hat den gegenwärtig schwachen Euro somit noch nicht berücksichtigt. Dieser bewirkt, dass die Preisunterschiede zwischen der Schweiz und dem Ausland wieder grösser werden. Wie gross die Unterschiede sind, kann laut BAK-Chef Urs Müller nicht genau beziffert werden. Um verlässliche Angaben zu erhalten, müsse man die nächste Studie im Jahr 2011 abwarten. (sda/ple)

Kommentar schreiben

Kommentar senden