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Rettungsdienste kommen näher zu Patienten

Rettungsdienste kommen näher zu Patienten

Zusätzliche Stützpunkte errichten und Notärzte als «Voraushelfer» einsetzen: so lautet das neueste Rezept der im Oberland aktiven Rettungsdienste. Dank dieser Strategieänderung sind die Helfer im Notfall nun noch schneller beim Patienten.

Dienstag, 26. August 2014, 19:51 Uhr

Die Spitalstandorte im Zürcher Oberland wurden vor Jahren radikal reduziert – und damit immer auch ein Standort eines Rettungsdienstes. Das sorgte in der Bevölkerung für grosses Unverständnis, denn in mehreren Gemeinden musste man nun länger auf eine Ambulanz warten. Doch jetzt, im Jahr 2014, schlägt das Pendel genau auf die andere Seite aus: die zentralisierten Rettungsdienste dezentralisieren sich quasi und rücken durch diesem Schritt wieder näher zu ihren Kunden.

Uster geht nach Dübendorf

Zur wahrscheinlich bedeutendsten Änderung kommt es im Zuständigkeitsgebiet des Spitals Uster. Der dortige Rettungsdienst wird ab November im Zentrum von Dübendorf rund um die Uhr einen Stützpunkt betreiben. Das bedeutet, dass die Helfer in Notfällen schneller in Dübendorf, Dietlikon, Wangen-Brüttisellen und Fällanden sind. In diesen vier Orten fallen 28 Prozent der Einsätze des Rettungsdienstes Uster an, wie dessen Leiterin Barbara Henzen sagt.

Zürich nach Zollikerberg

Bereits ab Oktober wird zudem Schutz & Rettung Zürich (SRZ) beim Spital Zollikerberg eine Filiale betreiben. Das dort stationierte Rettungsteam wird – im Gegensatz zur Lösung in Dübendorf – laut einem SRZ-Sprecher aber nur tagsüber zwischen 7.30 und 17.30 Uhr arbeiten. Zollikerberg ist nebst dem Neumühlequai und dem Triemli-Spital in Zürich sowie dem Flughafen in Kloten der vierte Standort von Schutz & Rettung.

Profitieren von diesem neuen Standort werden primär Küsnacht, Zollikon, Zumikon und der Osten der Stadt Zürich. Bei dringenden Fällen dürfte das Einsatzfahrzeug vom Zollikerberg aber auch ins benachbarte Gebiet des Rettungsdienstes Uster, beispielsweise nach Maur, geschickt werden, wenn gerade kein Ustermer Wagen verfügbar ist.

Winterthur nach Kemptthal

Eine Dezentralisierung bereits umgesetzt hat der Rettungsdienst Winterthur. Er ist seit dem April mit einer Filiale auf dem Firmengelände der Aroma- und Duftstoffherstellerin Givaudan AG in Kemptthal vertreten. Das dort stationierte Team rückte bislang nur zwischen 7 und 19 Uhr aus. Ab dem September jedoch wird auch hier ein 24-Stunden-Betrieb durchgezogen, wie Jann Rehli, Leiter des Rettungsdienstes, auf Anfrage bekanntgab.

Nutzniesser des neuen Stützpunkts sind vor allem Illnau-Effretikkon, Lindau, Weisslingen, Kyburg und Brütten. Illnau-Effretikon spielt für den Rettungsdienst Winterthur eine grosse Rolle: nach der Eulachstadt ist es derjenige Ort, in den am zweithäufigsten ausgerückt wird.

Notarzt als Profi-Ersthelfer

Sogar schon seit über einem Jahr läuft eine weitere Neuerung zur schnelleren Versorgung von Notfallpatienten: der Notarzt der Regio 144 aus Rüti agiert auch als Rapid Responder. Ein Rapid Responder ist ein Notfallprofi, der als Ersthelfer losgeschickt wird, wenn gerade kein Rettungswagen verfügbar ist oder wenn dieser eine längere Anfahrtszeit hat, als sonst üblich; beispielsweise, weil zuerst noch in einem Spital in Zürich ein Patient ausgeladen werden muss.

Alleine im St. Galler Zuständigkeitsgebiet der «Regio» wurde der Notarzt im vergangenen Jahr 127 Mal als Rapid Responder aufgeboten. Meistens rückte er ab dem Spital Linth in Uznach aus. Der für den Zürcher Teil des Regio-144-Einsatzgebietes verantwortliche Notarzt hingegen kommt im Grossteil der Fälle aus Wetzikon, Uster oder Rüti. Mediziner als hochqualifizierte Ersthelfer einsetzen, das sei ein System, dass nicht nur schnelle Unterstützung im Notfall garantiert, sondern auch den Vorteil bietet, «dass die vorhandenen Ressourcen in Form unserer zwei rund um die Uhr einsatzbereiten Notärzte besser genutzt werden», wie «Regio»-Betriebsleiter Heinz Wagner sagt.

Bevölkerung profitiert

Ausser beim Rettungsdienst Uster, wo wegen des Stützpunktes in Dübendorf neue Stellen geschaffen wurden, verursachte die Filialisierung laut Auskunft der Verantwortlichen kaum grosse Mehrkosten. Überall wird zudem betont, dass die Zusatzstandort nicht ins Leben gerufen wurden, weil man die vorgegebenen Hilfsfristen nicht einhalten würde, sondern weil man im Notfall einfach noch schneller bei den Kunden sein möchte. Oder wie es Barbara Henzen aus Uster stellvertretend für die anderen Rettungsdienste formuliert: «Durch die Neuerungen wird unsere Dienstleistung für die Bevölkerung wirklich optimiert».

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