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Diskussion im Wetziker Parlament

Ideen für die Herberge Meierwiesen sind gefragt

An der Stadtratssitzung am Montag war wieder einmal die Herberge der Sportanlage Meierwiesen das Thema. Noch immer werden die 50 Betten kaum genutzt. Guter Rat ist teuer.

Michael
Kaspar
Montag, 05. September 2022, 23:20 Uhr Diskussion im Wetziker Parlament
Modernes Gebäude mit einem leeren Platz davor.
Kaum Gäste: Die Herberge in der Sportanlage Meierwiesen.
Archivbild: Seraina Boner

Irgendwie ist der Wurm drin in der Herberge. Das architektonisch beeindruckende Wurf ist Teil des polysportiven Zentrums, das in insgesamt vier Etappen bis Herbst 2013 saniert und um ein Mehrzweckgebäude mit Herberge und einem Sportcafé erweitert wurde.

2014 wurde die Herberge eröffnet. Mit elf Vierbett- und drei Zweibett-Zimmern hatte man Sportlerinnen und Sportler von Trainingslagern als Logiergäste im Visier. Aber die Rechnung ging nicht auf. Die Auslastung blieb stets unter zehn Prozent.

Bereits im März 2021 wollte das Parlament vom Stadtrat wissen, wie es denn nun mit der Herberge weitergehen soll. Dessen Bericht wurde im Januar allerdings abgelehnt, der Stadtrat musste nochmals über die Bücher. Am Montag legte er nach – und wurde neuerlich abgestraft. Das Postulat, das der ganzen Debatte zugrunde liegt, wurde erneut nicht abgeschrieben. Und zwar deutlich.

Das Problem ist, dass der Stadtrat an der Herberge festhalten will. Noch immer glaubt man daran, dass dereinst die Sportler die Zimmer bevölkern, aber so richtig dann doch nicht. In seinem Bericht hält der Stadtrat nämlich fest, dass eine Auslastung von über 10 Prozent» angestrebt wird. Deshalb hätte der Stadtrat gerne 144'000 Franken in Marketing-Aktionen investiert. Das Parlament aber nicht.

«Bei einer Auslastung von gerade mal 10 Prozent kann man wirklich nicht von einer Nachfrage sprechen.»
Brigitte Meier Hitz (SP)

Brigitte Meier Hitz sprach dem Parlament aus der Seele, als sie im Namen der SP Fraktion dem Stadtrat und den zuständigen Mitarbeitenden «ein paar kreative Anregungen für die Nutzung der Herberge» mit auf den Weg gab.

Sie wünscht sich, eine Umnutzung der Herberge, damit auch die Wetziker Bevölkerung etwas davon hat: Zum Beispiel ein Vereinszentrum mit Seminarräumen und Kurslokalen. Sie hofft, dass für die künftige Nutzung oder Umnutzung der Herberge auch die Bevölkerung mit einbezogen wird. Unterstützung erhielt sie von links bis rechts und das Geschäft bleibt weiter auf der Traktandenliste.

Die «Sparvariante» als verpasste Chance

Ein weiteres bekanntes Thema im Parlament ist das Ferienhaus Canetg. Dort ging es am Montag zwar nur um die Bauabrechnung für die Sanierung des Dachs und der Sanitäranlagen.

Aber in der Diskussion kam nochmals ein Thema hoch, das vor zwei Jahren die Debatte befeuert hatte: Die Frage, ob die Photovoltaikanlage auf dem Dach die ganze Fläche oder nur einen Teil bedecken sollte.

Das Parlament hatte sich für die «Sparvariante» entschieden und so um die 37'000 Franken gespart. Wir haben an diesem Abend nicht 37'000 Franken eingespart, sondern die Chance verpasst einheimischen Strom zu produzieren. Angesichts der aktuellen Stromdebatte musste es Advije Delihasani (SP) einfach loswerden: «Wir haben an diesem Abend im Mai 2020 nicht 37'000 Franken eingespart, sondern die Chance verpasst, einheimischen Strom zu produzieren.» Die Abrechnung schloss knapp 1000 Franken tiefer als budgetiert und wurde selbstredend genehmigt.

Florian Immler tritt zurück

Weiter hat das Parlament vom Rücktritt von Florian Immler (GLP) Kenntnis genommen. Ebenfalls wurde eine Interpellation von Philipp Zopp (SVP) überwiesen, in der vom Stadtrat Auskunft verlangt wird, wie man sich auf die Strommangellage vorbereitet, sowie eine Anpassung der Gebührenverordnung genehmigt. Zu guter Letzt wurde ein Postulat abgeschrieben, das die Vergabe von Mandaten an Exekutivmitglieder und Angestellte der Stadt auf die Amtszeit beschränken wollte.

Klimademo von der Tribüne...

Einen kurzen, aber durchaus aufsehenerregenden Auftritt hatten zwei junge Klimakativisten, die von der Zuschauertribüne herunter die Parlamentarier dazu aufrufen wollten, die Klimadiskussion ernst zu nehmen. Dazu hängten sie ein Plakat über die Brüstung und riefen lautstark mitten in die Debatte hinein. Das hatte natürlich schnell ein Ende, die jungen Demonstranten wurden flugs aus dem Saal geleitet. Da nützte auch ein beherzter Aufruf von Bigi Obrist (AW) nichts, man solle den Jungen doch zwei Minuten zuhören. Davon wollte das Parlament aber nunr gar nichts wissen. 

...und ein Aufruf zum Klimaschutz, wie es sich gehört


Ganz zu Beginn der Sitzung war das Klima ein Thema in der Fraktionserklärung der Grünen. Raphael Zarth erinnerte an den Sommer 2022, der zweitheisseste seit 1846. Auch in Wetzikon seien die Auswirkungen des Klimawandels und dieses Extremsommers spürbar. Weil zu wenig Grundwasser vorhanden war, musste Wasser aus dem Zürichsee bezogen werden. Und er fragte: «Reichen ein paar Pflanzen in Kübeln, um die Hitze zu bekämpfen? Wie lange werden neue Flächen noch versiegelt?» Er rief den Stadtrat auf, den Klimaschutz in den Legislaturzielen festzuhalten, und das Parlament, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen.

 

 

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