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Vor 2G-Entscheid

Ueli Mauer kritisiert Debattenkultur im Land

Der Hinwiler Bundesrat blickt besorgt auf die «Spaltung der Schweiz» und meint, dass man bestimmte «Dinge im Land nicht mehr laut sagen darf».

Redaktion
Züriost
Freitag, 17. Dezember 2021, 11:40 Uhr Vor 2G-Entscheid
Bundesrat Ueli Maurer kritisiert Corona-Regime in der Weltwoche.
Bundesrat Ueli Maurer übte gegenüber der Weltwoche Kritik am eigenen Regierungsgremium.
Foto: PD

«Im gestrigen Videotalk der «Weltwoche Daily» sprach der in Hinwil wohnhafte Finanzminister Ueli Maurer (SVP) mit Chefredaktor und SVP-Nationalrat Roger Köppel. Nur einen Tag vor dem fälligen 2G-Entschied der Landesregierung äusserte sich Maurer wenig überraschend erneut kritisch zur Corona-Politik des Bundesrates. Im kollegialen «Per-Du-Stil» vertraute Maurer dem Weltwoche-Chef seine Gedanken an.  

«Es gibt Dinge, die man nicht mehr laut sagen darf»

Im Video erwähnt Köppel die schweizweiten «Anfeindungen der Medien, dass Maurer mit seiner Haltung einen sogenannten Berset-lästerlichen Sakrileg begangen habe». Damit spricht er kritische Berichterstattungen an, die in den letzten Monaten in der Medienwelt kursierten.

Maurer wurde beispielsweise in einem Hemd der Massnahmenkritischen Freiheitstrychler in Wald abgelichtet – was medial als klares Statement gegen die Covid-Massnahmen seiner Kollegen Alain Berset & Co. gedeutet wurde.

Maurer erlebte diesen Rummel um seine Person hautnah mit. «Was mich beschäftigt: Es gibt Dinge, die man in unserem Land nicht mehr laut sagen darf. Sonst wird man sofort in eine Ecke gedrängt.»

Die Meinungsfreiheit werde somit in einem demokratischen Land eingeschränkt, meint er und fordert: «Es braucht hier Verständnis und gegenseitigen Respekt. Jemand der nicht impft verdient genauso meinen Respekt, wie jemand der impft.»

Es sei notwendig, dass man im Jahr 2022 wieder zu einer offenen Gesprächskultur im Lande zurückfinde und sagen dürfe, was man denke, so Maurer. «Das gilt nicht nur für mich, sondern für alle Leute.»

Er habe in seinem persönlichen Umfeld erlebt, dass Menschen stiller geworden seien und sich vom Staat «abkapseln» würden. Deshalb sei es wichtig, andere Meinungen nicht mehr zu verurteilen, sondern ihnen zuzuhören, betont er.

Maurer verlangt Aufstockung der Intensivbetten

Der Bundesrat habe vieles gut gemacht in der Corona-Krise, aber man dürfe ihn trotzdem kritisieren, so der Finanzminister. «Es gibt auch Dinge, die man noch besser machen könnte.» Auch bezüglich der Organisation über die Intensivstationen wählte Maurer eindringliche Worte.

«Der Bundesrat hat alles geregelt in dieser Covid-Krise, nur bei den Intensivbetten gar nichts. Wir schreiben offenbar vor, wie viele Leute am Weihnachtsfest in der Familie teilnehmen dürfen, aber haben uns nie zu den Spitalbetten geäussert.»

Man bräuchte mehr Reserven in dieser Zeit, dies müsse im Bundesrat nochmals diskutiert werden, sagt er und fügt an: «Der Bundesrat hat sich davor bisher immer gedrückt».

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