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Debatte um Baustoff

Holzherkunft für Hittnauer Gemeindehaus nicht zweifelsfrei belegbar

Für den Bau des Hittnauer Gemeindehauses wurde Schweizer Holz bestellt, und Schweizer Holz wurde eingekauft. Ob genau dieses Holz für die Konstruktion verwendet wurde, kann indessen nicht zweifelsfrei belegt werden.

Redaktion
Züriost
Montag, 04. Oktober 2021, 11:00 Uhr Debatte um Baustoff
Die Bauarbeiten am neuen Hittnauer Gemeindehaus laufen auf Hochtouren.
Foto: Simon Grässle

Holz aus Schweizer Wäldern, das sollte der Hauptbestandteil des neuen Hittnauer Gemeindehauses sein. Im Zusammenhang mit der Anlieferung der Holzelemente für die Aufstockung des Werkhofs war in der Bevölkerung da und dort die Frage aufgetaucht, ob es sich nun wirklich – wie von der Bauherrschaft in Aussicht gestellt – um Schweizer Holz handle. So hatte der Hittnauer Förster Ralf Krummenacker im Frühling dieses Jahres kritisiert, dass das Holz gar nicht aus der Schweiz stammen könne

Die Antwort auf die Herkunftsfrage sei mit etlichen Tücken verbunden, wie eine sorgfältige Überprüfung der Angelegenheit von Seiten der Gemeinde zeigte. Dies beginne mit der Definition, welche Bedingungen Holz erfüllen müsse, damit es als Schweizer Holz gelte, wie die Gemeinde in ihrem Mitteilungsblatt schreibt.

Eine mögliche Antwort gibt das «Herkunftszeichen Schweizer Holz»: Das Holz an sich muss in der Schweiz gewachsen sein, die Auslagerung eines gewissen Verarbeitungsanteils ist jedoch erlaubt. Von der gesamten Wertschöpfung muss mindestens 60 Prozent in der Schweiz anfallen.

Verarbeitungsschritte im Ausland

Fest steht: Im Zuge der Projektierungsarbeiten entschied sich der Gemeinderat Hittnau als Bauherrschaft für eine Holzkonstruktion und sprach sich für die Verwendung von Schweizer Holz aus. Dies wurde in der Folge gegenüber der Öffentlichkeit entsprechend kommuniziert, ohne sich jedoch auf ein bestimmtes Label oder Zertifikat festzulegen.

«Bei der Bearbeitung des Angebots hätte das Vorliegen aller geforderten Dokumente penibler überprüft werden müssen.»

Gemeinde Hittnau

Im Zuge der Ausschreibung der Arbeitsgattung wurde Schweizer Holz als Bedingung aufgeführt, und seitens eines der Lieferanten wurde eine schriftliche Bestätigung erbracht, dass im gleichen Umfang Schweizer Holz eingekauft werde, wie für den Bau nötig sei. Auch auf Bestellungen und Rechnungen ist Schweizer Holz aufgeführt. Ein Teil der Verarbeitung (sägen, verleimen) erfolgte im Ausland.

Laufweg nicht zweifelsfrei belegt

Ob nach diesen Verarbeitungsschritten ausnahmslos dasselbe Holz, das zuvor in der Schweiz eingekauft wurde, wieder in die Schweiz – und damit nach Hittnau – zurückgeführt wurde, lasse sich indessen nicht belegen. Die Verarbeitungskette könne im Detail nicht entsprechend nachverfolgt werden. Korrigieren lasse sich dies im Nachhinein nicht mehr. «Dies ist sehr unschön, aus Sicht der Bauherrschaft aber qualitativ kein Nachteil fürs Gebäude», wie die Gemeinde schreibt.

Angelegenheit gütlich bereinigt

Tatsache bleibe aber, dass der Holzlieferant die vertraglichen Bedingungen bezüglich Schweizer Holz nur teilweise erfüllt habe. Seitens der Gemeinde müsse eingestanden werden: «Bei der Bearbeitung des Angebots hätte das Vorliegen aller geforderten Dokumente penibler überprüft werden müssen. Im Sinne einer gütlichen Bereinigung der Angelegenheit konnten sich Gemeinde und Lieferant auf einen Preisnachlass in der Schlussabrechnung einigen.»

(erh)

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