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Kampfjet-Entscheid

Schweiz müsste für die F-35 ihre Flugplätze umbauen

Ausserhalb der Kosten-Nutzen-Rechnung der Armee fallen für die F-35 Kosten in Millionenhöhe an. Australien zahlte alleine für eine Basis eine halbe Milliarde Franken.

Redaktion
Züriost
Mittwoch, 30. Juni 2021, 07:58 Uhr Kampfjet-Entscheid
Ein F-35-Kampfjet verlässt den Hangar in Payerne. Dieser Schweizer Luftwaffenstützpunkt müsste zum Schutz des Tarnkappenbombers für Hunderte Millionen Franken ausgebaut werden. Foto: Keystone/Peter Klaunzer

Kurz vor dem Kampfjet-Entscheid des Bundesrats vom Mittwoch gehen die Wogen in Bern hoch. Die Bundesräte tauschen im Gegensatz zu normalen Geschäften nur noch Informationen unter sich aus, gegen Unterschrift. Es gilt intern die höchste Geheimhaltungsstufe.

Im Wettbewerb stehen mit der F/A-18 Super Hornet von Boeing und der F-35 von Lockheed Martin zwei Kampfflugzeuge aus den USA. Hinzu kommen der Eurofighter (Deutschland, Spanien, Italien und Grossbritannien) sowie die Rafale von Dassault aus Frankreich.

Nun, da gemäss NZZ-Informationen die F-35 der Herstellerfirma Lockheed Martin Kronfavorit von Verteidigungsministerin Viola Amherd (Die Mitte) ist, verwerfen hinter den Kulissen die US-Mitbewerber von Boeing (Super Hornet) die Hände. Sie können nicht fassen, dass die gemäss US-Erfahrungswerten viel teurere F-35 ausgerechnet im prestigeträchtigen Schweizer Markt über die gesamte Lebensdauer billiger sein soll als in Amerika und in den ersten EU-Abnehmerstaaten Dänemark, Niederlande sowie dem Nato-Gründungsmitglied Norwegen.

500 Millionen für einen F-35-Hangar?

Recherchen dieser Redaktion entsprechen den Aussagen, über die auch die Westschweizer Zeitung «Le Temps» berichtete. Demnach haben die ersten europäischen Abnehmerstaaten Norwegen und Dänemark bisher Hunderte Millionen US-Dollar mehr bezahlt, als ihnen von US-Seite anfänglich in Aussicht gestellt wurde. Norwegen verbuchte 2019 Zusatzkosten von 1,9 Milliarden US-Dollar im Vergleich zu den anfänglich 2012 budgetierten Ausgaben für die F-35.

Massgeblich dazu beigetragen haben auch die von US-Behörden verordneten, teuren Sicherheitsanforderungen an einen Militärflugplatz, auf dem F-35-Flugzeuge stationiert werden dürfen. Davon betroffen wäre im Falle eines Zuschlags des Bundesrats auch die Schweiz.

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Die für Angriffskriege hochvernetzte, tarnkappengefärbte F-35 stellt auch an die Einstellgaragen in Payerne oder Meiringen neue Anforderungen. Sicht- und Spionageschutz kosteten im Beschaffungsfalle Millionen. Eine vergleichbare Basis, wie sie die Schweiz in Payerne betreibt, musste in Australien für satte 500 Millionen Franken aufgerüstet werden, um F-35-tauglich zu werden. Der neue Schutzgrad, der in Australien eine halbe Milliarde Franken kostete, wurde direkt von den zuständigen US-Behörden befohlen.

Die europäischen Konkurrenten von Lockheed Martin sowie Boeing bestätigen, dass für ihre Kampfjets keine derart teuren Anpassungen nötig wären. Auf Nachfrage sagen sie, dass die Infrastrukturkosten nicht Gegenstand einer Kosten-Nutzen-Rechnung innerhalb des Wettbewerbs gewesen seien. Das Verteidigungsdepartement von Viola Amherd dementiert dies.

VBS nennt tiefere Kosten

Das VBS sagt, bauliche Anpassungen von Flugplätzen für ein neues Kampfflugzeug erfolgten transparent im Rahmen der künftigen Immobilienbotschaft der Armee. Die mit dem neuen Kampfjet verbundenen Immobilienkosten seien im Rahmen der Evaluation analysiert worden.

Erforderliche Anpassungen bei den Immobilien würden im Rahmen der Immobilienbotschaft 2022 gleichzeitig mit der Beschaffung des neuen Kampfflugzeugs transparent aufgezeigt und dem Parlament beantragt. Das Verteidigungsdepartement geht derzeit von rund 100 Millionen Franken aus, die für die Aufrüstung von Flugplatzinfrastrukturen notwendig sein werden.

Der Bundesrat wird in seiner Sitzung vom Mittwoch über den Kampfjet diskutieren. Ob dabei der Typenentscheid fällt ist noch unklar. Für das VBS im Vordergrund steht gemäss Nachrichten von NZZ und SRF der US-Tarnkappenjet F-35.

Andere Departemente verlangen demgegenüber eine sorgfältige gesamtpolitische Abwägung, bei der einer der europäischen Jets mutmasslich bessere Chancen hätte: Entweder die Rafale aus Frankreich oder der Eurofighter von Airbus. (Beni Gafner)

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