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Eine Anfrage sorgte für lebhafte Diskussionen an der Gemeindeversammlung in der Turnhalle Rietwis. Beatrice Zogg

Erdgasheizungen sorgen für Unmut an der Gemeindeversammlung

Eine Anfrage brachte ordentlich Pfeffer in die Gemeindeversammlung Mönchaltorf. Verschiedene Votanten zeigten sich unzufrieden, dass der Gemeinderat noch an Erdgas festhält. Eine aktuelle Überbauung dient dabei als schlechtes Beispiel.

Eine Anfrage sorgte für lebhafte Diskussionen an der Gemeindeversammlung in der Turnhalle Rietwis. Beatrice Zogg

Veröffentlicht am: 22.06.2021 – 17.51 Uhr

Kurz vor der Mönchaltorfer Gemeindeversammlung ging ein heftiges Gewitter nieder und sorgte für Blitz und Donner über der Turnhalle Rietwis. Bald darauf entwickelt sich drinnen zwar kein Sturm aber dennoch eine steife Brise, die dem Gemeinderat in einer lebhaften Debatte entgegenschlug. Dafür verantwortlich war eine Anfrage von Versammlungsteilnehmer Urs Volken zum Thema Erdgasheizungen in Mönchaltorf. «Die Energieversorgung mit Erdgas ist Vergangenheit, die Zukunft sieht anders aus», sagte Volken.

Er forderte, dass die Zonen, welche für Erdgasversorgung ausgeschlossen sind, massiv vergrössert werden. «Dort sollen ausschliesslich nichtfossile, erneuerbare Energieformen zum Einsatz kommen.»

Volken nannte ein aktuelles Beispiel, das sich nur einen Steinwurf entfernt vom Gemeindeversammlungsort befindet: Die geplante Neu-Überbauung Aldeon im Rietwis-Quartier an der Wiesenstrasse, der am 26. Mai 2020 die Baubewilligung erteilt wurde. Die Aushubarbeiten sind derzeit im Gang. Künftig sollen hier drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 23 Eigentumswohnungen entstehen. Viele sind heute bereits verkauft. Im Projektbeschrieb ist aufgeführt, dass die Warmwassererzeugung und die Beheizung der Wohnungen mittels Gastherme erfolgen.

Ein rotes Tuch für Urs Volken. Der Ersteller werbe in den Verkaufsunterlagen mit dem Etikett Gastherme, sagte er. «Gastherme klingt doch echt gut, fast ein wenig nach Thermalbad und Spa. Dabei bedeutet es für die nächsten 50 Jahre eine umweltfeindliche und eigentlich überholte Heizungsform, also ein Etikettenschwindel.»

Bauherr wehrt sich

Bauherr des Projekts ist die in Stäfa ansässige Immoarte AG. Geschäftsleitungsmitglied Claude Keller relativiert am Dienstag auf Anfrage den Vorwurf. «Den Stockwerkeigentümern steht es frei, umweltfreundliches Biogas zu beziehen.» Dieses sei sehr wohl nachhaltig. Das System der Erdgasheizung bedinge zudem, dass auch die Aussenfassade besonders gut gedämmt werden müsse, was auch im aktuellen Projekt befolgt werde, sagt Keller.

Ein alternatives Heizungssystem, wie beispielsweise eine Erdwärmesonde, sei im Untergrund mit derart viel Wasser und Schlamm nahezu unmöglich zu bauen. Jede zusätzliche, für dieses Heizsystem nötige Bohrung könne später zu Wasserschäden führen. Und es sei unklar, wie sich eine Erdwärmesonde im schlammigen und instabilen Untergrund verhalte, sagt Keller.

Diese Bedingungen würden auch dafür sorgen, dass das ganze Fundament der Überbauung auf etwa 100 Pfählen abgestützt werden müsse. «Das ist schon jetzt der teuerste Aushub, den wir je hatten», sagt Keller.

Kritik an Energiepolitik

An der Gemeindeversammlung hatte Urs Volken aber nicht nur das zuständige Unternehmen im Visier, sondern auch die Behörden. Er erinnerte daran, dass sich der Gemeinderat noch im Herbst 2017 für einen Vertrag für die Verlegung von Gasleitungen entschied (siehe Box). Dies sei zu einem Zeitpunkt geschehen, als schon klare Vorzeichen für die energiestrategische Ausrichtung der Schweiz da gewesen seien.

Bruno Hösli, Mitglied der Kommission Energie der Gemeinde Mönchaltorf, pflichtete seinem Vorredner bei. «Es stimmt, dass die Gas-Erschliessung eigentlich energiepolitisch zu einer Unzeit gekommen ist.» In einer Zeit, in der andere Gemeinden und Städte ihre Gasnetze bereits zurückgebaut oder stillgelegt hätten. «Dass heute noch Neubauten mit Erdgas beheizt werden, bergreife ich nicht», sagte Hösli. Doch letztlich werde der Urnenentscheid zum kantonalen Energiegesetz richtungsweisend sein.

Gemeindepräsident Urs Graf (FDP) sah das auch so. Die rechtlichen Vorgaben würden klar geregelt, falls die Änderung des Energiegesetzes im Januar 2022 vom Volk angenommen werde.

In Mönchaltorf gebe es heute immer noch die Möglichkeit, Erdgasheizungen einzubauen, sagte Graf. Dies bestätigte er auf Nachfrage von Andreas Flückiger, Vorstandsmitglied der SP Mönchaltorf. Im Energieplan der Gemeinde seien Bereiche gekennzeichnet, wo dies erlaubt sei.

«Hochburg der Erdsonden»

Doch auch Graf machte klar, dass fossile Energien auslaufende Energieträger seien. In der Bau- und Zonenordnung der Gemeinde sei jetzt schon definiert, dass in gewissen Gebieten keine fossilen Energien eingesetzt werden dürfen. Als Beispiel nannte er Arealüberbauungen oder den Gestaltungsplan Silbergrueb.

Graf sieht die Gemeinde auf gutem Weg. «Mönchaltorf ist eine Hochburg für Erdsonden», sagte er. Die Gemeinde habe eine gute Geologie. «Wir können fast überall Erdsonden bewilligen, wo das gewünscht wird.»

Diskussionslos ging dagegen die Jahresrechnung 2020 der Gemeinde über die Bühne. Diese schliesst bei einem Aufwand von 26,5 Millionen Franken mit einem Plus von rund 4,1 Millionen. Die 37 Stimmberechtigten genehmigten die Rechnung deutlich.

 

Ein Entscheid für Erdgas mit Selbstkritik

Im September 2017 hatte der Mönchaltorfer Gemeinderat entschieden, mit der Firma EZO Erdgas aus Gossau einen Konzessionsvertrag abschliessen. Die Erschliessung des Gemeindegebietes mit Erdgas bringe seiner Meinung nach für die Mönchaltorfer eine zusätzliche Wahlmöglichkeit beziehungsweise einen zusätzlichen Energieträger, hiess es damals. Zudem sei Erdgas umweltfreundlicher als Heizöl.
Der Gemeinderat zeigte sich damals aber auch selbstkritisch: Ihm  sei bewusst, dass die Erschliessung mit Erdgas grundsätzlich der Energiestrategie der Gemeinde Mönchaltorf und dem 2017  in einer Volksabstimmung genehmigten eidgenössischen Energiegesetz 2050 widerspreche.


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