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Entscheid im Ustermer Gemeinderat

Ustermer Ruftaxis und –busse bleiben Utopie

ÖV-Nutzer, die nach Werrikon, aufs Trümpler-Areal und ins Pflegeheim Dietenrain wollen, müssen weiterhin in den sauren Apfel beissen. Der Ustermer Stadtrat will auf Ruftaxis und Rufbusse in diese Gebiete verzichten – das Parlament stimmte dem zu.

David
Marti
Dienstag, 15. Juni 2021, 15:03 Uhr Entscheid im Ustermer Gemeinderat

Es gibt sie noch, die ÖV Brachen in Uster. Diese hatte Gemeinderat Patricio Frei (Grüne) ausfindig gemacht und wollte die Gebiete mit einem Vorstoss zugänglich machen. Sein Postulat «Einführung von Rufbussen und Ruftaxis» wurde am Montagabend im Ustermer Parlament behandelt.

Bewohnerinnen und Bewohner von Werrikon, des Altersheims Dietenrain sowie Arbeiterinnen und Arbeiter auf dem Industrieareal Trümpler  sollen laut Postulatsschrift von einem Rufbus oder Ruftaxi profitieren können.

(Grafik: Stadt Uster/ Paulo Pereira)

Postulant Patricio Frei zeigte sich in der Sitzung beinahe schon begeistert, wie der Stadtrat seinen Vorstoss im Vorfeld bearbeitet hatte. «Wir Grünen sind beeindruckt mit welcher Akribie der Stadtrat sich der Fragestellung des Postulats auseinandergesetzt hat», sagte Frei. Der Stadtrat habe eine «Tour d’Horizon» über die Erfahrungen mit den mobilen Anbietern Pikmi, Buxi und Sowiduu von Chur über Bauma, Herzogenbuchsee bis Genf gemacht.

SVP tadelt nur soft

Ungewohntes Lob gab es für die Arbeit der Exekutive, bei der SP-Stadtrat Stefan Feldmann federführend war, auch von rechter Seite. Gemeinderat Markus Ehrensperger (SVP), der das Postulat als «weiteren Copy-Paste-Vorstoss der Grünen» betitelte, sagte: «Die Auslegeordnung des Stadtrates überzeugt. Die Abteilung Bau hat ganze Arbeit geliefert.» Ob sich Rufbusse oder Ruftaxis für einen Ort eigne, müsse jede Gemeinde separat abklären. Dies habe der Stadtrat gemacht.

Das Haar in der Suppe fand Ehrensperger aber doch noch. Der umfassende Bericht sei vielleicht gar etwas «too much». Gewisse Antworten könnten auch in geraffter Form dargestellt werden, sagte Ehrensperger. Dennoch plädierte er dafür, dem Bericht zuzustimmen ergo das Postulat abzuschreiben.

Bus oder Taxi?

Tatsächlich hatte der Stadtrat in seinem Bericht über mehrere Seiten Anwendungsbeispiele verschiedener Schweizer Orte und Transportsysteme aufgelistet. Als Fazit hält die Exekutive fest, dass ein Rufbus-System eines ÖV-Betreibers deutlich teurer ist und mit den Kosten der Einführung einer Buslinie ähnlich kommt. Ein Ruftaxi-System in Zusammenarbeit mit einem Taxiunternehmen sei dagegen deutlich günstiger, da nur die effektive Fahrt verrechnet werde.

Für Werrikon, das Trümpler-Areal  und das Pflegezentrum Dietenrain hat der Stadtrat zwei mögliche Partner für einen Rufbus oder ein Ruftaxi ausgemacht: die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) und das in Uster tätige Taxiunternehmen yourmile AG (Betreiber Heiniger Taxi). Nachdem er die beiden Betreiber konsultiert hatte, kam der Stadtrat zum Schluss, dass ein Ruftaxi für die kleineren schlecht erschlossenen Gebiete in Uster am sinnvollsten sei.

«Die entsprechenden Gebiete bleiben somit ohne Anbindung ans ÖV-Netz.»

Patricio Frei (Grüne), Gemeinderat Uster

Optimistisch betrachtet, könne für die drei Gebiete von zwei bis vier Fahrten ausgegangen werden, bei Kosten von 20 000 bis 40 000 Franken. Dies ergebe für die Stadt Uster Kosten von etwa 25 bis 30 Franken pro Fahrt.

Alles zu teuer

Mit horrenden Kosten müsse gemäss Stadtrat dagegen bei einer Lösung mit Rufbussen gerechnet werden: circa 250‘000 Franken im Jahr koste dieses Angebot. Letztlich sei aber auch das Ruftaxi nicht günstig und entspreche unter dem Strich subventionierten Taxifahrten. Der Stadtrat schätzt das Umlagerungspotential, das mit der Strategie Uster 2030 «Uster steigt um und entwickelt sich zur ÖV-freundlichen Stadt» angestrebt wird, als zu gering. Das heisst für die Exekutive: Die Abklärungen für das Angebot eines Rufbus oder Ruftaxi werden nicht weiterverfolgt.

Für Postulant Patricio Frei ist diese Schlussfolgerung «nachvollziehbar». «Aber das Problem ist damit nicht aus der Welt. Die entsprechenden Gebiete bleiben somit ohne Anbindung ans ÖV-Netz.»

Mit Rollator auf Trottinett

Frei war aber angetan, dass der Stadtrat bei der Lösungsfindung auch «einen Blick über den Tellerrand hinauswagt», wie er sagte. So finde er für Werrikon einen Mobility-Standort prüfenswert und beim Trümpler-Areal sieht er in E-Trottinetts eine mögliche Lösung.

«Sollen Personen mit Rollator und Krücken wirklich ein Elektrotrottinett benutzen?»

Ursula Räuftlin (GLP), Gemeinderätin Uster

Als wenig überzeugend betrachtete hingegen Ursula Räuftlin (GLP) die alternativen Lösungsvorschläge des Stadtrates. «Den Bus oder das Taxi nutzt man ja eventuell noch, weil man keinen Führerschein hat und somit ein Mobility-Auto keine Alternative ist». Von der Idee der E-Trottinetts hält sie aber wenig. «Sollen Personen mit Rollator und Krücken wirklich ein Elektrotrottinett benutzen?»

Dennoch stimmte Räuftlin dem Bericht des Stadtrates zu. Auch alle anderen Gemeinderäte folgten ihrem Beispiel und beschlossen, das Postulat mit 35 zu 0 Stimmen abzuschreiben.

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