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Lieber analog als digital

Viele Wetziker beziehen den E-Coupon in Papierform

Der Stadtrat wollte mit einer E-Coupon-Aktion eigentlich einen Schritt in Richtung Digitalisierung machen. Doch jetzt zeigt sich: Zahlreiche Wetziker bevorzugen den 10-Franken-Gutschein auf Papier.

Andreas
Kurz
Dienstag, 13. April 2021, 13:59 Uhr Lieber analog als digital
Längst nicht alle Wetziker holen ihren Gutschein per «Ecoo»-App ab.
Archivfoto: Andreas Kurz

Es war als «Helikoptergeld» fürs Gewerbe gedacht. Mit einer «eCoupon-Aktion» wollte der Stadtrat die Bevölkerung und die lokalen Geschäfte in der Coronakrise unterstützen. Dazu sollte jeder der 25‘000 Einwohner Wetzikons einen digitalen Gutschein über 10 Franken erhalten.

Erhältlich ist der Gutschein über eine spezielle App auf dem Smartphone, die man vorgängig herunterladen muss. Der Coupon kann anschliessend bei den teilnehmenden Geschäften digital eingelöst werden. Für diejenigen, die kein Smartphone haben, stellte die Stadt Coupons in Papierform zur Verfügung.

Total 1542 Coupons

Die Aktion läuft bereits seit September. Doch bis jetzt scheinen die Wetziker nur wenig Interesse an den Gutscheinen zu haben: Bis Ende März sind erst 1542 E-Coupons bezogen worden. Dies gab Stadtpräsident Ruedi Rüfenacht (EVP) an der Parlamentssitzung vom Montag auf Fragen der SP- und AW/GLP-Fraktion bekannt. Wie viele davon auch eingelöst wurden, wisse man erst am Ende der Aktion, so Rüfenacht.

Was auffällt: Mehr als jeder Dritte Bezüger konnte sich offenbar nicht mit dem digitalen Angebot anfreunden. Gemäss Rüfenacht hätten 588 Personen, das sind 38 Prozent, die Möglichkeit der Papier-Coupons genutzt.

Aktion läuft bis Juni

Mittlerweile beteiligten sich 53 Firmen an der Aktion, so Rüfenacht. Dazu gehörten Restaurants, Blumenläden, Coiffeure, Textilläden. Die Bevölkerung hat bis Ende Juni Zeit, ihre Gutscheine einzulösen. «Hoffen wir, dass die Restaurants möglichst bald aufgehen und die Läden davon profitieren können, die jetzt geschlossen sind.»

«Uns ist wichtig, dass wir dann erfahren können, wie viel Geld in Wetzikon mit den Coupons wirklich umgesetzt wurde», sagte Rüfenacht. «Wir möchten gerne erfahren, wie gross die Einkäufe waren, die die Kunden gleichzeitig mit dem Einlösen der Coupons gemacht haben.»

Kosten höher als Gutscheinvolumen

Auskunft gab der Stadtpräsident auch über die Kosten der Aktion. Diese beliefen sich bisher auf ungefähr 16‘000 Franken. Also mehr als die Summe aller Gutscheine, die bis jetzt bezogen wurden. Bei den Kosten seien Marketingmassnahmen, etwa für einen Flyer, und Lizenzgebühren für die App enthalten, sagte Rüfenacht. Interne Personalkosten habe man nicht extra ausgewiesen.

Bei den Kosten sei aber auch zu berücksichtigen, dass es sich um ein Pilotprojekt handle. «Das heisst, die App-Entwicklerin gewährte uns sehr günstige Konditionen», so der Stadtpräsident. «Wir konnten damit wertvolle Erfahrungen sammeln zum Thema «Smart City», Digitalisierung und werden davon bei künftigen Projekten profitieren.» Aktuell sei geplant, Personen, die den Gutschein noch nicht eingelöst haben, mit einem SMS darauf hinzuweisen. Weitere Kosten seien hingegen nicht vorgesehen.

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