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Alt Bundesrat Leuenberger gesteht Lüge

«Kommt eine Geisel frei, ist wohl meist bezahlt worden»

Moritz Leuenberger hat gestanden, dass die frühere Regierung bei der Zahlung von Lösegeldern für Geiseln gelogen hatte. Eine legitime Lüge, so der Alt Bundesrat.

Agentur
sda
Sonntag, 07. Februar 2021, 11:11 Uhr Alt Bundesrat Leuenberger gesteht Lüge
«Erklärt man dieses Verhalten der Öffentlichkeit, wird dies als legitime Lüge akzeptiert»: Alt Bundesrat Moritz Leuenberger. (Archivfoto: Peter Schneider/Keystone)

Der frühere Bundesrat hat laut Angaben seines ehemaligen Mitglieds Moritz Leuenberger bei Lösegeldzahlungen für Geiseln nicht die Wahrheit gesagt. «Kommt eine Geisel frei, ist wohl meist bezahlt worden», sagte der 74-Jährige Alt Bundesrat der «NZZ am Sonntag».

«Aber das steht nicht ‹Lösegeld› auf dem Einzahlungsschein, sondern da werden irgendwo Spesen abgebucht», sagte der Jurist und SP-Politiker. Er war von 1995 bis 2010 Mitglied der Schweizer Regierung, zweimal Bundespräsident und stand dem Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation vor.

Auf die Frage, wann er nicht die Wahrheit gesagt habe, antwortete Leuenberger: «Wir haben stets verneint, für die Befreiung von Geiseln Lösegelder bezahlt zu haben.» Dies sei aus gutem Grund geschehen, weil die Schweiz damit Nachahmer und weitere Geiselnahmen habe verhindern wollen.

Lüge ist «soziales Schmierfett»

«Erklärt man dieses Verhalten der Öffentlichkeit, wird dies als legitime Lüge akzeptiert», sagte Leuenberger. Lügen hätten einen Platz in der Gesellschaft. «Die Lüge ist ein soziales Schmierfett, oder sie kann berechtige Interessen von Dritten schützen. Stets auf die Wahrheit zu pochen, kann manchmal grösseren Schaden anrichten, als zu lügen», führte er weiter aus.

Offiziell hiess es bislang beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), dass die Schweiz kein Lösegeld zahle, um Geiseln freizubekommen. Gerüchte um Geldzahlungen gab es allerdings immer wieder, unter anderem 2009 im Fall der Befreiung zweier Schweizer Touristen, die von der Terrorgruppe «al-Qaida im islamischen Maghreb» zwischen Mali und Niger entführt worden waren, oder bei der Freilassung eines im Süden der Philippinen entführten Schweizer IKRK-Mitarbeiters im selben Jahr.

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