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4197 Neuansteckungen

BAG befürchtet Zunahme der Fallzahlen im Januar

Die Vertreter des Bundesamtes für Gesundheit haben am Dienstagnachmittag erneut Auskunft zur aktuellen Situation der Corona-Pandemie in der Schweiz gegeben. Züriost hat die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Agentur
sda
Dienstag, 29. Dezember 2020, 14:45 Uhr 4197 Neuansteckungen

Die Ziele von Bund und Kantonen für eine rasche Reduktion der Corona-Fallzahlen sind nach Angaben von Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht erreicht worden. Er befürchtet im Januar eine weitere Zunahme von Neuansteckungen mit dem Coronavirus, wie er am Point de Presse am Dienstagnachmittag ausführte. 

«Wir stellen eine Stagnation der Fallzahlen auf zu hohem Niveau fest», sagte Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG, vor den Bundeshausmedien. Der Druck auf die Spitäler und Altersheime bleibe gross.

«Eine zentrale Botschaft lautet: keine Kontakte, keine Übertragung», sagte er. Alle könnten dazu beitragen. «Denken Sie an das Abstandhalten, Maskentragen und bei Symptomen sich rasch testen zu lassen.»

«Verzichten Sie aufs Küsschen»

Der Reproduktionswert des Coronavirus liegt für die ganze Schweiz bei 1,13. Das bedeute eine Verdoppelung der Fallzahlen in knapp einem Monat, sagte Mathys. In der Innerschweiz bestehe sogar ein R-Wert von 1,2. Das heisse eine Verdoppelung der Neuansteckungen innerhalb von zwei Wochen.

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit am Dienstag innerhalb von 24 Stunden 4197 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden. Gleichzeitig registrierte das BAG 131 neue Todesfälle und 220 Spitaleinweisungen.

«Wir sind nochmals gefordert», sagte Mathys zum bevorstehenden Silvester. Anstossen sei erlaubt. «Zweimal eine Armlänge ergibt knapp eineinhalb Meter.» Jedoch solle auf das Küsschen verzichtet werden, meinte er weiter.

Armee-Einsätze in drei Kantonen

Bisher hat die Armee in der zweiten Pandemiewelle 26'000 Diensttage geleistet und dabei zahlreiche Freiwillige eingesetzt. Zurzeit leisten etwa 140 Armeeangehörige in Schaffhausen, in Basel und im Tessin Einsätze.

Dies gab Brigadier Raymond Droz, Stabschef Kommando Operationen der Armee, vor den Medien bekannt. Die Armee habe bisher 59 Einsatzgesuche erhalten und davon 30 positiv beantwortet. 24 Einsätze, namentlich in der Westschweiz, seien inzwischen beendet.

«Wir sind müde, aber aufrecht und wir leben. Aufgeben ist keine Option.»

Raymond Droz, Stabschef Kommando Operationen der Armee

Sieben der 59 Hilfsgesuche waren zurückgezogen worden. 22 Gesuche hatte die Armee abschlägig beantwortet. Bis Ende März stehe ein Dispositiv von bis zu 2500 Armeeangehörigen zur Verfügung. Sollten diese benötigt werden, sei es das Ziel, dass sie innert dreier Tage einsatzbereit seien.

Im sogenannten Assistenzdienst können Soldaten zum Beispiel beim Screening von Covid-19-Verdachtsfällen, bei Testabstrichen oder bei der allgemeinen Behandlung von Patienten zum Einsatz kommen. Der Einsatz wurde vom Parlament bis zum 31. März 2021 genehmigt. Auch bei der Verteilung von Impfstoffen ist die Armee im Einsatz.

Der Alltag der Armee sei nach wie vor und künftig stark geprägt von der Covid-19-Pandemie, sagte Droz. Der Marathon gehe aber weiter. «Wir sind müde, aber aufrecht und wir leben. Aufgeben ist keine Option.»

Taskforce-Präsdient Martin Ackermann appellierte ebenfalls an die Bevölkerung. (Foto: Keystone)

Die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce des Bundes hat im Kampf gegen das Coronavirus eine sofortige Reduktion der Fallzahlen und breit angelegte Tests in der Bevölkerung gefordert. «Wir müssen aus der Risikozone herauskommen und eine Sicherheitsreserve schaffen für den Fall weiterer erschwerender Faktoren», sagte Taskforce-Präsident Martin Ackermann.

Man müsse alles unternehmen, damit sich die Zahl der Infektionen alle zwei Wochen halbiere, sagte Ackermann. Zudem müssten die mutierten Virusvarianten schnell und gezielt eingedämmt werden. Dazu plädierte Ackermann etwa für breit angelegte Tests in den Regionen.

Als zusätzliche Massnahmen nannte Ackermann erneut ein «vermehrtes Homeoffice» und ein Hinauszögern des Präsenzunterrichts auf den 11. Januar nach dem Schulstart. Damit sollten Ansteckungen von den Feiertagen nicht in die Schulen geschleppt werden. Einzelne Kantone haben dies bereits verfügt.

Trauriger siebter Platz

Die Zahl der Neuansteckungen sei immer noch viel zu hoch, sagte Ackermann zur generellen Lage. In der Schweiz würden im Schnitt rund achtzig Personen pro Tag im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung sterben. Die Schweiz liege damit weltweit auf dem «traurigen» siebten Platz.

Die Taskforce geht aufgrund von Stichproben davon aus, dass die Verbreitung der hochansteckenden Virusvarianten aus Grossbritannien und Südafrika in der Schweiz derzeit wohl bei unter einem Prozent liege. Ein Blick nach London zeige aber, wie schnell sich diese hochansteckenden Varianten ausbreiten könnten. Dort habe sich etwa die Zahl der Hospitalisationen innerhalb einer Woche verdoppelt.

Der umstrittene R-Wert

Die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce des Bundes warnte zudem vor Automatismen rund um die Reproduktionszahl, weil diese ungenau sein könne. Der sogenannte R-Wert werde geschätzt, sei kompliziert und ungenau, sagte Martin Ackermann. Mit jedem konkreten Resultat könne der Wert nachträglich präzisiert werden.

Die Taskforce rät deshalb davon ab, die Reproduktionszahl für Automatismen bei politischen Entscheidungen hinzuziehen. Für Entscheide sollten verschiedene Faktoren berücksichtigt und Experten angehört werden.

Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person in einer bestimmten Zeit im Schnitt ansteckt. Liegt der Wert über 1, dann steigt die Zahl der Neuinfektionen, die Krankheit breitet sich also weiter aus. Ist sie kleiner als 1, gibt es immer weniger Neuinfektionen, die Epidemie ebbt ab.

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Diese Damen und Herren der Taskforce berichten aus meiner Wahrnehmung schon seit Monaten immer wieder in etwa das Gleiche nur jeweils wieder anders formuliert. Auf mich wirkt diese Taskforce darum alles andere als wissenschaftlich und schon gar nicht Vertrauen erweckend. Welcher Wert kommt als nächstes zur Begründung von angeblichen Schutzmassnahmen? (Mir gehen beim Zuschauen dieser Medienkonferenzen langsam aber sicher die Popcorn aus.)

"Der Reproduktionswert des Coronavirus liegt für die ganze Schweiz bei 1,13" steht da oben. Jetzt wurde doch gerade erst festgestellt, dass dieser Wert viel zu hoch war und inzwischen auf 1 korrigiert wurde. Liest der Herr Mathys denn die Nachrichten nicht oder will man einfach eine Rechtfertigung weitere Betriebe im Januar zu schliessen? Ich wünsche allen Lesern ein gesundes 2021 und schliesse mich den Worten von Ueli Maurer an. Habt Spass, hinterfragt und seit kritisch!!!

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