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Uster und Wetzikon wollen dennoch kooperieren

Frust nach dem Scheitern der Spitalfusion

Aus der geplanten Fusion der Spitäler Uster und Wetzikon wird nichts. Das Risiko sei zu gross, heisst es von den Verantwortlichen.

Christian
Brändli
Freitag, 11. Dezember 2020, 17:30 Uhr Uster und Wetzikon wollen dennoch kooperieren

«Der Verzicht auf die Fusion ist ein herber Rückschlag für die Vision einer medizinischen Grundversorgung des Zürcher Oberlandes und des Oberen Glatttals unter einem Dach. Frustration und Enttäuschung darüber sind gross, dass es nicht gelungen ist, Voraussetzungen und Vorstellungen in Einklang zu bringen.» Jörg Kündig, Präsident des GZO-Verwaltungsrates, ist über die gescheiterten Verhandlungen konsterniert. 

Dabei hatte es so gut begonnen. 2018 entstand die Vision von einem Spital an zwei Standorten. Und trotz gewisser Bedenken gelang es, alle Gemeinden hinter die Vorlage zu scharen. Die Abstimmung über die Fusion der beiden Häuser in Uster und Wetzikon hätte eigentlich am 17. Mai 2020 erfolgen sollen. Covid-19-bedingt musste der Termin verschoben werden. Vorgesehen wurde der September-Abstimmungssonntag. Allerdings wurde durch diese Verschiebung eine Neubeurteilung der Bewertungen im Hinblick auf die Ausfertigung des Fusionsvertrags nötig.

Und da wurde deutlich: Das Spital Uster befand sich in einer finanziellen Schieflage. Die angestrebte Werte-Parität zwischen den beiden Spitälern war nicht mehr gegeben. Alles sollte bis Anfang 2022 wieder ins Lot kommen, so dass im dritten Anlauf im Frühling 2022 an der Urne über die Fusion hätte abgestimmt werden können.

Fortsetzung als grösseres Risiko

Daraus wird nichts. Und das, obwohl die erforderliche Parität der beiden Spitäler mittlerweile habe plausibel gemacht werden können. «Laut den Wirtschaftsprüfern vom PWC ist die Parität Anfang November erreicht worden», hält Reinhard Giger, Verwaltungsratspräsident des Zweckverbandes Spital Uster fest. Doch mit der Einschätzung der Wirtschaftsprüfer war es noch nicht getan. Diskussionen habe es vor allem im Hinblick auf die Finanzierbarkeit der Bauvorhaben gegeben.

Die Verwaltungsräte seien sich einig geworden, dass die Entwicklungen im wirtschaftlichen, gesundheitspolitischen und gesellschaftlichen Umfeld derart mit Unwägbarkeiten belastet seien, dass ein Abbruch der Fusion schlussendlich weniger risikobehaftet sei als deren Fortsetzung.

Alle am Anschlag

Doch nicht nur die veränderte Risikobeurteilung spielte beim Entscheid eine Rolle. Die Führung und das Personal seien an ihre Grenzen gekommen, alle nötigen Abklärungen in der vorhandenen Zeit zu tätigen. Zwar sei bekannt gewesen, dass mit der Fusion ein «tiefgreifender Umbau von Prozessen, Infrastruktur und Organisation» hätte angepackt werden müssen. Dazu gehören etwa die IT, dann die grossen Bauvorhaben an beiden Standorten, aber auch die Führung. «Aber in der aktuellen Situation seien diese Aufgaben praktisch nicht zu stemmen», lassen die beiden Spitalpräsidenten verlauten.

Es sei gegenüber den Mitarbeitenden aller Stufen «kaum mehr zumutbar, den Prozess über ein weiteres Jahr oder noch länger fortzuführen». Die Mehrfachbelastung aus der täglichen Arbeit, verschärft durch die Zusatzbelastung aus Covid-19 und aus der fusionsbezogenen Projektarbeit sowie die anhaltende Unklarheit über die Zukunft, drohe die physischen und mentalen Ressourcen zu überdehnen.

Zusätzlich unter Druck geraten seien sie wegen einer Terminvorverlegung der Gesundheitsdirektion. So müssen die Bewerbungsunterlagen für die Spitalplanung 2023 bereits am 1. Juli 2021 eingereicht werden. «Bis dahin ein Abstimmungsergebnis über die Fusion herbeiführen zu können, ist völlig unrealistisch», betonen die Spitalverantwortlichen – obwohl ja ein nächster Termin für den Frühling angedacht worden war.

Aus der Fusion wird nichts. Damit ist auch das Erklärvideo Makulatur. (Video: PD)

Separat auf die Liste

Nun wollen die beiden Spitäler sich separat für die angepeilten Leistungsaufträge bewerben. Beide Häuser zeigen sich überzeugt, dass sie auch je alleine bestehen können. «Das Spital Uster ist auf dem Weg zum angestrebten Turnaround schon weit fortgeschritten. Wir sehen die ersten Erfolge», meint Giger.

Und Kündig ergänzt, dass jetzt, wo sich die strategische Neuausrichtung nicht umsetzen lasse, die eigene Strategie überprüft werden müsse. «Und wir werden auch andere Kooperationen prüfen.»

Trotzdem mehr Zusammenarbeit

Auch wenn das Fusionsprojekt nun ad acta gelegt wird, sehen die Beteiligten auch etwas Positives: So sei die Zusammenarbeit auf operativer Ebene verstärkt und konkretisiert worden. Hier wollen die beiden Spitäler einhaken. «Der intensive Austausch der vergangenen Jahre hat uns in der Meinung bestärkt, den Weg weiterhin gemeinsam zu bestreiten, indem wir gezielt Kooperationsmöglichkeiten nutzen», fügt Giger an.

In einem ersten Schritt werden die jeweiligen Kliniken Urologie und die beiden Frauenkliniken je unter einer Führung zusammengefasst. Und mit der Gründung der gemeinsamen Tochtergesellschaft Steriplus wird die Sterilisation zusammen organisiert. Hier hoffen die Ustermer und Wetziker, dass sie noch Drittkunden gewinnen können.

Reaktion von den Grünen

Das Scheitern der Fusion sehen die Oberländer Grünen, die zu den grössten Skeptikern der Fusion gehört haben, als «Chance für einen Neustart» in beiden Spitälern, wie sie in einer Mitteilung schreiben. Was sie darunter verstehen, ist in erster Linie ein Rücktritt von Reinhard Giger. Diese Forderung hatten sie schon im Juli erhoben, als die finanzielle Schieflage des Ustermer Spitals bekannt wurde. 

 

Bauvorhaben werden fortgesetzt

Von einer Fusion hatten sich die Spitalverantwortlichen auch Einsparungen bei den Bauvorhaben erhofft, die an beiden Standorten angelaufen sind. Von 100 Millionen Franken war mal die Rede.

«Mit unserem Bauvorhaben sind wir nun schon weit fortgeschritten. Im Moment liegen wir bei einem Investitionsvolumen von 265 Millionen Franken, wobei sich da noch etwas reduzieren lässt», erklärt der Ustermer Spitalpräsident Reinhard Giger.

Das Problem sei gewesen, dass das medizinische Modell für ein fusioniertes Spital noch nicht so weit gewesen sei, um die Auswirkungen auf das Bauvorhaben abzuschätzen. Gegenüber dem Stand von 2014 sei das Vorhaben nun um 90 Millionen Franken entlastet worden. Es habe sich im Rahmen der Vorabklärungen auch gezeigt, dass gewisse Einsparungen gar nicht so umsetzbar seien, wie dies angedacht war. Die zweite Bauetappe in Uster werde frühestens in der zweiten Hälfte 2022 angegangen. «Die Form der Finanzierung werden wir im nächsten Jahr klären.»

Beim Ausbau in Wetzikon ist gemäss Verwaltungsratspräsident Jörg Kündig mit Kosten von rund 200 Millionen Franken zu rechnen. Die zweite Etappe, bei der es um den Innenausbau gehe, müsse aufgrund der veränderten Ausgangslage nun nochmals überprüft werden.

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