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Corona-Medienkonferenz im Stream

Bund setzt Spanien auf Liste der Risikoländer

In Spanien sind die Infektionszahlen in die Höhe geschnellt. Ferienrückkehrer müssen ab Samstag in Quarantäne – aber es gibt Ausnahmen.

Redaktion
Züriost
Mittwoch, 05. August 2020, 13:45 Uhr Corona-Medienkonferenz im Stream

Am Mittwoch gaben Fachleute des Bundes vor den Medien erneut Auskunft darüber, wo die Schweiz bei der Eindämmung des Coronavirus steht. Die Situation habe sich im Vergleich zur Vorwoche zwar leicht entspannt, sagte Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Es gebe allerdings keinen Grund, sorglos zu werden. Derzeit befänden sich 45 Infizierte auf Intensivstationen, 32 davon würden beatmet.

Die Kantone müssten wachsam bleiben und das Contact Tracing konsequent durchziehen, sagte Mathys weiter. Es sei aber «eine Illusion, dass wir jemals alle Ansteckungsorte kennen». Viele Menschen wüssten nicht, wo sie sich infiziert hätten.

Bevölkerung fast im Alltagsmodus

Mathys wehrte sich gegen Vorwürfe, wonach sich das Krisenmanagement in der Sommerpause verschlechtert habe. Die Verantwortung liege nun bei den Kantonen, die teils unterschiedliche Massnahmen träfen, sagte er. «Vielleicht sieht man derzeit die Limiten des Förderalismus. Deshalb diesen infrage zu stellen, geht aber zu weit.»

Laut Mathys ist die Bereitschaft der Bevölkerung, sich im Alltag weiter einzuschränken, kleiner geworden. «Sobald nicht wieder eine unmittelbare Bedrohung spürbar ist, wird das wohl so bleiben.» Tatsächlich nehmen die Mobilität und die Reiseaktivität der Schweizer Bevölkerung wieder zu. Das zeigt das Vollzugsmonitoring des Bundes.

Spanisches Festland neu Risikogebiet

Der Bericht kommt auch zum Schluss, dass die Maskentragpflicht im öffentlichen Verkehr und die Quarantäne für Einreisende aus Risikogebieten kaum einen Einfluss auf die Covid-19-Fallzahlen haben. Der Anstieg gehe hauptsächlich auf Veranstaltungen mit einer hohen Anzahl teilnehmender Personen zurück. Dazu zählten Diskotheken, Bars, Schul- und Kindergartenveranstaltungen.

Die Kompetenz, in diesen Bereichen Massnahmen zu ergreifen, obliegt den Kantonen. Diese kontrollieren auch stichprobenweise, ob sich etwa Rückkehrer aus Risikogebieten an die zehntägige Quarantänepflicht halten. Eine solche gilt ab Samstag auch für Rückkehrer aus dem spanischen Festland, wie das Eidgenössische Innendepartement (EDI) am Mittwoch bekanntgab. Ausgenommen sind die Balearen und die Kanaren.

Der Grund sei, dass die Inseln geographisch vom Festland getrennt und zudem die Passagierströme getrennt seien. Zudem seien die Infektionszahlen dort niedriger als im übrigen Spanien.

Auf Mallorca allerdings liegt die Infektionsquote bei 43 auf 100'000 Einwohner – ab 60 Fällen würde auch das beliebte Ferienziel auf die Quarantäneliste kommen, wie Mathys betont.

Auf der Risikoliste befinden sich neu 46 Länder und Regionen. Die aktualisierte Liste finden Sie hier.

Kanton Zürich geht in die Offensive

Eigene Wege bei der Durchsetzung der vorgeschriebenen Quarantäne bei Rückkehrern aus Risikogebieten geht der Kanton Zürich. Er erhält am Flughafen Zürich von den Fluggesellschaften die Kontaktdaten aller Passagiere, die aus Risikoländern einreisen. Diese Zusammenarbeit mit den Fluggesellschaften ist ein «eigentlicher Durchbruch», wie Regierungsrat Mario Fehr (SP) am Mittwoch sagte.

Beim Bund ist man weniger begeistert. Es gebe beim BAG Fragen in Bezug auf die Legalität, die noch geklärt werden müssten, sagte Mathys dazu. Die Konferenz der Gesundheitsdirektoren (GDK) hatte vor wenigen Tagen eine Empfehlung herausgegeben, dass die Kantone Massnahmen treffen sollten, wenn sich die Lage regional verschärfe.

Der Bund setzt Spanien auf die Quarantäne-Liste des Bundes. Ausserdem informierte er zum Erwerbsersatz. (Video: Keystone-SDA)

Schwangere gelten als Risikogruppe

Ab sofort werden schwangere Frauen vom BAG als «Risikogruppe» gelten. Mathys sagt, das sei eine reine Vorsichtsmassnahme, weil das Risiko, zu erkranken, bei infizierten Schwangeren leicht erhöht sei. 

Corona-Erwerbsersatz bei Quarantäne

Mit der Quarantänevorschrift kommt auch die Frage auf, ob der Lohn weiterhin gezahlt werden muss. Michael Schöll, Vizedirektor des Bundesamts für Justiz, stellt klar: Menschen, die unverschuldet in Quarantäne geraten sind, haben Anrecht auf Erwerbsersatz.

Wer also nach Spanien gereist ist, bevor Spanien auf die Quarantäneliste gekommen ist, muss nicht befürchten, keinen Lohn zu bekommen. Im Notfall kann man selbst oder auch der Arbeitgeber Corona-Erwerbsersatz beantragen. 

Das sagt der Bund zur Datenpanne

«Es war ein menschlicher Fehler», erklärt Patrick Mathys auf die Frage eines Journalisten zum Zahlen-Debakel. Man müsse nun Anpassungen vornehmen, damit das nicht mehr vorkomme, und schauen, wie die Abläufe verbessert werden könnten.

Das Bundesamt für Gesundheit hatte am Freitag Zahlen publiziert, wonach die Gefahr, sich mit dem Virus anzustecken, in Clubs und Restaurants am grössten sei. Tatsächlich stecken sich die meisten Personen aber innerhalb der Familie an, wie das BAG am Sonntag klarstellte.

Das sagt Patrick Mathys zur Daten-Panne des BAG. (Video: Keystone)

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