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Ja-Komitee setzt weiter auf Fusion

Grüne fordern Untersuchung zum «Spital-Debakel»

​​​​​​​Die ersten Reaktionen auf die Verschiebung der Abstimmung über die Spitalfusion fallen heftig aus. Die Grünen fordern den Rücktritt des Ustermer Spital-Verwaltungsratspräsidenten.

Redaktion
Züriost
Mittwoch, 22. Juli 2020, 15:20 Uhr Ja-Komitee setzt weiter auf Fusion

Sie sind in der Vergangenheit die grössten Kritiker der geplanten Fusion der beiden Spitäler Uster und GZO Wetzikon gewesen. Nun sind sie die ersten, die auf die erneute Verschiebung der Fusions-Abstimmung reagieren: die Grünen des Bezirks und der Stadt Uster.

Im Fokus steht für sie allerdings das «Debakel» um das Spital Uster, wie sie in einer Medienmitteilung schreiben. Dieses habe sich angekündigt. «Erschreckend» sei, dass die Führung des Spitals Uster dazu selbst an der Delegiertenversammlung des Zweckverbandes im Juni 2020 kein Wort gesagt habe. Allerdings war das schlechte Jahresergebnis 2019 – elf Millionen Franken unter Budget – vom Spital bereits Ende März publik gemacht worden.

Zweifel an rascher Gesundung

Die Grünen bezweifeln nun, ob innert weniger Monate mittels strategischer Massnahmenpakete wieder ein Beteiligungsverhältnis von 50:50 erreicht werden kann. Sie führen in der Mitteilung an, dass einschneidende Sparmassnahmen auch zu Ertragsausfällen führen dürften.

«Der Vertrauensverlust in die Leitung des Spitals Uster, allen voran in den Verwaltungsratspräsidenten Reinhard Giger, ist riesig», schreiben die Grünen. So sei die schwierige finanzielle Situation des Spitals Uster zu lange negiert worden.

Ein ganzer Forderungskatalog

Mit Blick auf die künftige medizinische Gesundheitsversorgung stellen die Grünen gleich einen fünf Punkte umfassenden Forderungskatalog auf. Zunächst verlangen sie die vollständige Transparenz über die aktuelle finanzielle Situation und Bewertung des Spitals Uster. Dazu gehört für sie auch die Offenlegung des Businessplans 2035 – etwas, das sie schon bei früheren Gelegenheiten eingebracht hätten – sowie das Aufzeigen «aller strategischen Massnahmenpakete». Sollte es zu einem Personalabbau kommen, müsse ein «umfassender Sozialplan» ausgearbeitet werden.

Happig ist die Forderung nach einer externen Untersuchung «zu den Versäumnissen der bisherigen Spitalführung hinsichtlich der strategischen Positionierung  des Spitals Uster und dessen Finanzierbarkeit». Und weil sie das Vertrauen in die bisherige Führung erschüttert sehen, stellt sich für sie die Frage, «ob es nicht an der Zeit für einen sofortigen Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten Reinhard Giger wäre».

Obwohl sich die Grünen in den drei Parlamenten von Wetzikon, Uster und Dübendorf anfangs dieses Jahres trotz Vorbehalte für die Spitalfusion ausgesprochen haben - «die einzige Überlebenschance für beide Spitalstandorte» -, verlangen sie nun, dass Alternativen zur Fusion geprüft würden. Wie bei der Fusion solle dabei das Ziel sein, beide Spitalstandorte erhalten zu können.

«Aufgeschoben ist nicht aufgehoben»

Von solchen Alternativplänen hält das überparteiliche Komitee «Ja zur Spitalfusion» nichts. Das Komitee zeigt sich über die erneute Verschiebung der Abstimmung zwar «nicht sehr erbaut», wie es in einer Mitteilung festhält. Unter dem Motto «aufgeschoben ist nicht aufgehoben» ist das Komitee jedoch weiterhin der Überzeugung, «dass eine Fusion nicht nur sinnvoll, sondern für die zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung in der Region nötig ist.»

Die Komiteemitglieder zeigten sich zuversichtlich, «dass das Spital Uster die für ein ausgewogenes Beteiligungsverhältnis im fusionierten Unternehmen nötigen Massnahmen konsequent umsetzt». Der Entscheid, die Abstimmung zu verschieben, sei «richtig und auch ehrlich», heisst es in der Mitteilung. So wäre es nicht sinnvoll gewesen, das Volk an der Urne entscheiden zu lassen im Wissen darum, dass dessen Wille im Fusionsvertrag gar nicht umgesetzt werden könne, da die vergleichbaren Wertquoten zwischen den beiden Spitälern nicht mehr gegeben seien.

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