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Pressekonferenz des Regierungsrates

«Im Kanton Zürich ist jeder dritte Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen»

Im Kanton Zürich sind in den letzten Wochen die Neuanmeldungen auf den RAV und die Voranmeldungen von Kurzarbeit massiv angestiegen. Am Mittwochnachmittag informierte der Regierungsrat über den Stand der Dinge – und neue digitale Lösungen.

Lea
Chiapolini
Mittwoch, 15. April 2020, 15:10 Uhr Pressekonferenz des Regierungsrates
Regierungsrätin Carmen Walker-Späh informierte über die aktuellen Zahlen.
PD

«Jetzt gibt’s nur eins: Durehebe.» Regierungsrätin Carmen Walker-Späh appellierte an der Pressekonferenz vom Mittwochnachmittag an die Unternehmen, die Krise gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden anzupacken und keine Kündigungen auszusprechen.

Knapp 30‘000 Unternehmen haben bisher im Kanton Zürich Kurzarbeit angemeldet. Um diesen Berg an Arbeit zu bewältigen, werde der Kanton derzeit von Mitarbeitenden aus der eidgenössischen Steuerverwaltung unterstützt. 

2,8 Prozent Arbeitslose

Wie Andrea Engeler, Chefin Amt für Wirtschaft und Arbeit, ausführte, haben sich im März 11‘000 Personen neu auf dem RAV angemeldet – mehr als doppelt so viele als in den vergangenen Monaten. «Die Arbeitslosenquote ist um 0,5 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent im März und damit mehr als in der gesamten Schweiz angestiegen.» Vorstellig werden beim RAV vermehrt Berufseinsteigende im Alter von 20 bis 30 Jahren, während die älteren Stellensuchenden vorerst weniger zum Anstieg der Neuanmeldungen beitragen. Von Arbeitslosigkeit besonders betroffene Branchen sind neben anderen das Gastgewerbe und der Wirtschaftszweig Kunst, Unterhaltung und Erholung.

Auch die Kurzarbeitsgesuche stammen aus jenen Wirtschaftszweigen, dabei treffen 18 Prozent aller Anträge der Schweiz im Kanton Zürich ein. Das Amt für Wirtschaft hat bereits die Gesuche von 28'085 Betrieben bewilligt, die insgesamt 345‘460 Mitarbeitende angemeldet haben. «Im Kanton Zürich ist wegen der Corona-Pandemie jeder dritte Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen», sagte Engeler.

«Es herrscht noch viel Unklarheit, es ist viel Aufklärungsarbeit nötig.»

Andrea Engeler, Chefin Amt für Wirtschaft und Arbeit

Rund 3000 Anträge seien bereits abgerechnet und ausbezahlt worden, bei knapp 1000 seien noch Fragen zu klären. Angesichts des extremen Volumens an Voranmeldungen sei es aber nötig gewesen, eine digitale Lösung zur Bewältigung der Prozesse zu finden.

Das Amt für Wirtschaft und Arbeit der Volkswirtschaftsdirektion sowie das Amt für Informatik der Finanzdirektion haben darum im Einverständnis mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ein Webformular entwickelt. «So werden die zusätzlich eingesetzten Personalressourcen bald wieder in ihre regulären Arbeitstätigkeiten zurückkehren können», sagte Engeler.

30'000 Gesuche in 10 Tagen bearbeiten

Hansruedi Born, Chef des Amtes für Informatik (AFI) in der Finanzdirektion, erklärte das neue System noch etwas genauer. «Bisher wurden die Anfragen auf Papier per Post eingereicht, von einem Mitarbeiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit geprüft und erfasst», erklärte er. Neu erfolge dieser Weg digital und automatisiert. «Mit einem Webformular haben Unternehmen nun die Möglichkeit, die Anträge online zu erfassen.» Danach werde die Anfrage von einem Mitarbeiter geprüft und ans Seco übermittelt. «Mit diesem System können 30‘000 Gesuche innert 10 Tagen abgewickelt werden», sagte Born. Das Onlineformular steht ab Freitag allen Unternehmen zur Verfügung und könnte auch in anderen Kantonen zur Anwendung kommen.

In der anschliessenden Fragerunde führte Andrea Engeler aus, dass man bisher noch keine konkreten Hinweise auf Betrugsfälle entdeckt habe. «Aber es herrscht noch viel Unklarheit, es ist viel Aufklärungsarbeit nötig.»

Jüngere mit weniger stabilen Arbeitsverhältnissen

Eine weitere Frage eines Journalisten bezog sich auf die Altersgruppe der 20 bis 30-Jährigen, warum das RAV gerade bei dieser Kategorie derart viele Anmeldungen verzeichne. Als möglicher Grund wird hier vermutet, dass junge Arbeitnehmer sich in weniger stabilen Arbeitsverhältnissen bewegen, öfters temporär arbeiten und darum mehr Mühe haben, Anschlusslösungen zu finden.

Eine Lösung für Berufsgruppen wie Taxifahrer und Handwerker konnte Carmen Walker-Späh des Weiteren noch nicht präsentieren. «Hier sind wir nach wie vor im Kontakt mit dem Bund.»

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Die Gastro- und Handelsbranche war erst der Anfang.
Als nächstes kommt die Exportindustrie, dann der Bau und zum Schluss
bricht der private Konsum ein. Viel Spass der nächsten Generation beim Aufräumen.
Und für was war das ganze Chaos gut?