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Er will sie flexibler haben

Wetziker Kantonsrat nervt sich über Lärmschutzverordnung

Liegt ein Gebäude an einer stark befahrenen Strasse, ist ein Wohnraum an jener Seite praktisch unmöglich. Architekt und Kantonsrat Stephan Weber (FDP) aus Wetzikon will das ändern.

David
Kilchör
Sonntag, 02. Februar 2020, 14:20 Uhr Er will sie flexibler haben

Die kantonalen Lärmschutzvorschriften sind hart. Selbst wenn das Fenster in einer Wohnung offen ist, dürfen die vorgeschriebenen Werte nicht überschritten werden. Den Wetziker Kantonsrat Stephan Weber (FDP) nervt das. Als Architekt weiss er, dass man damit praktisch keine Wohn- und Schlafräume mit Lüftungsfenstern gegen Strassen mehr ausrichten kann.

Deshalb will er dem Regierungsrat mittels Postulat eine Änderung des Regelwerkes abbedingen. Sein Plan: Künftig sollen Bauherrschaften ohne Ausnahmebewilligung bis zu einem Drittel der Wohn- und Schlafräume einer Wohnung auch gegen Strassenräume ausrichten können, auch wenn die Lärmgrenzwerte überschritten werden. Solche Räume müssten zwingend mit einer kontrollierten Lüftung ausgerüstet sein.

Ein lärmabgewandter Raum

Als Kompensation könnte er sich vorstellen, dass so gebaute Wohnungen zusätzlich über einen möglichst lärmabgewandten Raum verfügen sollen. Zudem sollten Ausnahmebewilligungen aus städtebaulichen Argumenten ermöglicht werden. Das Ziel: «eine flexiblere und klare rechtliche Grundlage».

Natürlich nimmt er damit die Perspektive des Gebäudeplaners ein. Allerdings führt er in seinem Postulat, das nebst ihm auch Christian Lucek (SVP, Dänikon) und Thomas Wirth (GLP, Hombrechtikon) unterschrieben haben, zusätzlich die Gestaltung des Strassenraums ins Gefecht. Die gegenwärtige Lärmschutzgesetzgebung lasse diesen «gestalterisch bedenklich verkümmern». Leblose Rückfassaden und Lärmschutzwände dominierten zunehmend diese Räume.

Elektromobilität könnte helfen

«Lärmschutz ist unbestritten wichtig für Wohnbauten und ein geöffnetes Lüftungsfenster bietet eine wesentliche Wohnqualität», hält Weber fest. Komfortlüftungen böten jedoch eine hochwertige Alternative und sollten zumindest für einen Teil der Wohn- und Schlafräume eine Ausrichtung gegen die Strasse ermöglichen.

Zudem hofft Weber - aufgrund der Elektromobilität -, dass künftig ein deutlich geräuschärmerer Verkehr auf den Strassen unterwegs sein wird. Bis dies jedoch soweit sei, würden noch viele weitere städtebaulich unbefriedigende Bauten erstellt.

Aus diesem Grund laden Weber und seine Mitunterzeichner den Regierungsrat nun ein, eine neue Verordnungsgrundlage für Baubewilligungen zu erarbeiten.

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