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Was uns der Frauenstreik bedeutet

Statements aus Redaktion und Verlag

Was uns der Frauenstreik bedeutet

Vaterschaftsurlaub, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, keine sexuelle Belästigung: Mitarbeitende der Zürcher Oberland Medien AG darüber, welche gesellschaftlichen Forderungen sie anlässlich des nationalen Frauenstreiks stellen wollen – oder wieso sie Mühe haben, sich mit dem Frauenstreik zu identifizieren.

Redaktion
Züriost
Freitag, 14. Juni 2019, 11:02 Uhr Statements aus Redaktion und Verlag
Lila ist die Farbe des Frauenstreiks: Die Gründe, weshalb Gleichstellung wichtig ist, sind noch viel bunter.
Bild: journalistinnen.ch

Mirja Keller, Redaktorin
Der Diskurs zum Thema Gleichberechtigung ist wichtig. Welche Form wir wählen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen, ist individuell. Universell dagegen ist das Anliegen vom heutigen Tag. Ich wünsche mir, dass jedermann und jedefrau zumindest hinhört. Solange wir Menschen aufgrund unseres Geschlechts in unseren Möglichkeiten eingeschränkt werden, ist die Gleichstellung nicht erreicht.

 

Deborah von Wartburg, Redaktorin
Ich wünsche mir anlässlich des Frauenstreiks von den Politikern, dass Lohngleichheit nicht nur ein Satz in der Unternehmenskommunikation ist, sondern konsequent und gesetzlich durchgesetzt wird - zur Not mit Sanktionen. Ich wünsche mir Elternzeit statt Mutterschaftsurlaub, sowie in jeder Branche und auf jeder Positionsstufe die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit. Damit die Vereinbarkeit von Karriere und Familie für Menschen jedes Geschlechts gleich leicht wird!

 

Lea Chiapolini, Redaktorin und Leiterin Desk Pfäffikon
Beim Thema Gleichstellung gibt es keine Frauen- und Männerthemen, darum habe ich Mühe, mich mit einem Frauenstreik zu identifizieren. Aber es gibt viele Ungerechtigkeiten, die angepackt werden müssen. Dazu gehören neben gleichem Respekt und gleichen Chancen auch die gleichen Rechte und Pflichten für alle. Um dies zu erreichen, braucht es die Zusammenarbeit von Mann und Frau – sowohl in den eigenen vier Wänden als auch auf politischer Ebene.

 

Viviane Andres, Kundenberaterin
Der Frauenstreik ist und bleibt wichtig. Traurig zwar, dass wir Frauen im 21. Jahrhundert immer noch für gleiche Rechte und Bedingungen kämpfen müssen. Aber gerade die Lohnungleichheit spricht eine deutliche Sprache. Auch in Bezug auf Kinderbetreuung und Familienunterstützung muss in der Schweiz – im Vergleich zu skandinavischen Ländern – nach wie vor einiges getan werden, damit die Frau Beruf und Karriere zu kinderfreundlichen und erschwinglichen Bedingungen mit der Familie vereinbaren kann. 

 

David Kilchör, Redaktor und Leiter Desk Hinwil
Ich bin zwar der Meinung, die strukturelle Gleichberechtigung funktioniere in unserem Betrieb gut. Doch wenn mir meine Arbeitskolleginnen teils erzählen, wie Männer aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur – aus allen Schichten, Altersklassen, Interessengruppen – mit ihnen umspringen, sie von sexistisch abschätzig bis zu sexuell übergriffig behandeln, dann bin ich zutiefst schockiert. Der Weg zur Gleichbehandlung der Geschlechter ist noch beängstigend weit. Der Frauenstreik ist eine dringende Notwendigkeit.

 

Patrizia Legnini, Redaktorin
Ich finde es wichtig, mich heute mit den Frauen auf der ganzen Welt zu solidarisieren. Ausserdem möchte ich ein Zeichen setzen gegen die Lohnungleichheit und für Chancengleichheit und familienfreundlichere Strukturen. Wir Frauen geben alles, um Kinder und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Aber wir müssen für alles kämpfen – für faire Löhne, für neue Arbeitsverträge und geringere Pensen, um nach der Geburt eines Kindes nicht auf der Strasse zu landen, für flexiblere Arbeitszeiten und (subventionierte) Krippen-, Hort- und Mittagstischplätze. Geschenkt wird einem nichts. Der eintägige Vaterschaftsurlaub ist einfach nur lächerlich. Es ist Zeit, dass die Chefs endlich umdenken und die Politik diesbezüglich vorwärts macht.

 

Fabio Lüdi, Redaktor
Ich bin im Jahr des ersten Frauenstreiks geboren. Mein ganzes bisheriges Leben wurde also darüber gewerweisst, ob in der Schweiz wirklich alle die gleichen Rechte und dieselbe Repräsentanz geniessen dürfen. Das ist selbst für die langsam mahlenden Mühlen hierzulande peinlich. Ich hoffe, der Streik streut Sand ins Getriebe der geölten «Jetzt-ist-auch-mal-gut»-Maschinerie. Die Arbeiterschweiz ist kein demofreudiges Land. Es lohnt sich hinzuhören, wenn sie trotzdem auf die Strasse zieht. Ich habe nämlich keine Lust, mich an meinem Lebensende noch immer über den gleichen alten Zopf aufzuregen.

 

Laura Cassani, Redaktorin
«Ich wünsche mir anlässlich des Frauenstreiks, dass wir Journalistinnen und Journalisten noch mehr Acht auf unsere Sprache geben. Wir sollten uns stets überlegen, wie wir über Menschen – über Frauen und Männer, über Menschen mit Migrationsgeschichte oder Menschen am Rand der Gesellschaft – schreiben und wie wir diese Menschen ins Bild rücken. Ich wünsche mir zum Beispiel, dass wir gegen Stereotypen für Frauen und Männer anschreiben statt diese unhinterfragt zu übernehmen.»

 

Jrene Schweizer, Mitarbeiterin Telefonverkauf
Anlässlich des Frauenstreiks wünsche ich mir, dass die Frau auch einfach mal Mensch sein darf und nicht immer in allen Bereichen als Rundumalleskönner zu gelten hat. Das Ideal einer Frau: Sie sieht makellos aus, ist intelligent, ein handwerkliches Genie und obendrein ist sie noch eine hervorragende Mutter und Geschäftsfrau. Von diesem Bild wünsche ich mir, dass wir wegkommen. Frauen sind stark und unabhängig geworden – aber «nobody’s perfect». Das sollte meiner Meinung nach, wieder in Erinnerung gerufen werden.

 

Rico Steinemann, Redaktor
Braucht es wirklich einen Frauenstreik? Wenn du dir als Mann diese Frage stellst, solltest du dir Folgendes überlegen: Wärst du einverstanden, wenn du für die gleiche Arbeit weniger als deine weiblichen Kolleginnen verdienen würdest? Nein. Wurde dir je die Stelle gekündigt, weil du Vater wurdest? Nein. Musst du in deinem Berufsleben mit sexueller Belästigung rechnen? Nein. Die Liste liesse sich fortführen. Aber erlaube mir zum Schluss noch eine letzte Frage: Wünschst du dir nicht, dass deiner Mutter/Schwester/Tochter endlich nichts mehr im Weg steht?

 

Annette Saloma, Redaktorin
Ich wünsche mir, dass der Vaterschaftsurlaub für Männer selbstverständlich wird – genauso wie Teilzeitarbeit für Väter. Ich wünsche mir, dass nicht nur in der Politik, sondern auch in den Familien ein Umdenken stattfindet und Männer als gleichwertiges Elternteil in die Pflicht genommen werden und gleiche Rechte haben.

Tanja Bircher, Redaktorin
Vor dem Frauenstreiktag habe immer wieder gehört:
«Frauen sollen mit dieser Opferrolle aufhören» und  «Männer hätten im Fall auch viele Gründe, zu streiken». 1. Nein, wir nehmen keine Opferrolle ein, wenn wir von den Ungerechtigkeiten erzählen, die wir erleben. Im Gegenteil, wir raufen uns zusammen, organisieren einen friedlichen Streik, sprechen uns mit unseren Kollegen ab, damit der Laden weiterläuft, wir tun etwas. Neuste Zahlen zeigen übrigens: Jede fünfte Frau hat schon «sexuelle Handlungen gegen den eignen Willen» erlebt, jede zehnte Frau «Geschlechtsverkehr ohne Einverständnis». Eben weil wir Opfer sind, kämpfen wir für unsere Rechte. 2. Ja, das stimmt, ihr habt Gründe zu streiken. Tut es doch.

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