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Drei Rentner für ein SP-Hallelujah

Ustermer Sozialdemokraten mit neuer Spitze

Drei Rentner für ein SP-Hallelujah

Nach elf Jahren tritt Matthias Stammbach als Präsident der SP Uster zurück und macht einem Dreiergremium Platz. Grund dafür seien weniger personelle Querelen gewesen als eine heikle Konstellation.

Benjamin
Rothschild
Freitag, 14. Juni 2019, 08:38 Uhr Ustermer Sozialdemokraten mit neuer Spitze

Sucht man nach Gemeinsamkeiten zwischen den drei Mitgliedern der neuen Leitung der SP Uster, so sticht insbesondere eine Parallele ins Auge: Sowohl Lennie Grob, Rolf Graf als auch Peter Mathis sind allesamt 65 Jahre oder älter und pensioniert. Mathis (65) sagt dann auch selbst: «Wir hätten gerne jemand Jüngeres in der Parteiführung gesehen, aber am Ende stehen wir vor einer ähnlichen Ausgangslage wie viele Vereine: Es ist schwierig, geeignete junge Menschen zu finden, die Lust auf und Zeit für ein solches Amt haben.»

Das Dreiergremium, das der SP seit der Generalversammlung vom Mittwoch per sofort vorsteht, soll dann auch eine Übergangslösung sein – wobei es keinen Zeitplan für eine Ablösung durch ein aufstrebendes Jungmitglied gibt. «Wir rechnen damit, dass die Parteileitung für die nächsten zwei, drei Jahre in dieser Zusammensetzung bestehen bleibt», sagt Mathis.

«Ich war immer der Meinung, dass diese Konstellation schwierig ist.»

Matthias Stammbach, ehemaliger Präsident SP Uster

Sein Vorgänger Matthias Stammbach ist zehn Jahre jünger und kann dennoch als ein Urgestein der SP Uster bezeichnet werden. Seit über 20 Jahren gehört er der Partei an. 17 Jahre sass er in deren Vorstand, davon elf als Präsident. Sein nun verkündeter Rücktritt sei für ihn schon im April 2018 beschlossene Sache gewesen, was er auch intern kommuniziert habe. Damals wurde seine Ehefrau Barbara Thalmann für die Sozialdemokraten zur neuen Ustermer Stadtpräsidentin gewählt. «Ich war immer der Meinung, dass diese Konstellation schwierig ist. Der SP-Parteipräsident als Ehemann der SP-Stadtpräsidentin? Das könnte Probleme geben», so Stammbach. Probleme, die es bis zu seinem Rücktritt aber «glücklicherweise nicht gegeben» habe.

Prominentes Ustermer SP-Ehepaar: Matthias Stammbach und Stadtpräsidentin Barbara Thalmann.
GUTZWILLER

Ein weiterer Grund für seinen Abschied von der Ustermer SP-Spitze: «Nach so vielen Jahren in dieser Funktion war ich der Ansicht, dass eine Blutauffrischung der Partei gut tut», so Stammbach. Amtsmüde sei er aber keinesfalls gewesen.

Gesicht des «Linksrutsches»

Und welche Rolle spielten bei seiner Entscheidung die jüngsten Parteiaustritte beziehungsweise -wechsel? Da war zum einen der viel beachtete Übertritt des Ustermer SP-Nationalrats Daniel Frei und seiner Lebenspartnerin, der ehemaligen Ustermer SP-Gemeinderätin Claudia Wyssen, zu den Grünliberalen. Und dann war da im letzten Dezember der Parteiaustritt von Ludi Fuchs, ehemaliger SP-Stadtrat und Koryphäe der Ustermer Sozialdemokraten. Fuchs fühlte sich nach einer Strafanzeige sowie einer Aufsichtsbeschwerde gegen seine Person im Zuge der Affäre Federas von der Parteiführung zu wenig unterstützt. Beide Fälle – der Fall Frei/Wyssen und der Fall Ludi Fuchs – hätten keinen Zusammenhang mit seinem Rücktritt, betont Stammbach.

Matthias Stammbach (rechts) mit dem Ustermer Nationalrat Daniel Frei, damals noch SP-Mitglied, heute Grünliberaler.

Als Tiefpunkte nennt er im Rückblick dann auch nicht personelle Turbulenzen innerhalb der SP, sondern Abstimmungs- und Wahlniederlagen: Die verlorene Abstimmung über die Villa am Aabach im Herbst 2006 zum Beispiel oder die Sitzverluste im Gemeinderat bei den Kommunalwahlen 2010.

Auf der Erfolgsseite stehe etwa die erstmalige Eroberung des dritten Stadtratssitzes 2006. Entsprechende Ambitionen der SP wurden im Vorfeld der damaligen Wahlen als «Illusion» oder «Übermut» abgekanzelt – umso grösser sei im Nachgang die Genugtuung gewesen, so Stammbach. Und auch die Rückeroberung des Stadtpräsidiums im letzten Jahr inklusive einer linken Mehrheit im Stadtrat sowie weitere Zugewinne im Parlament lässt er nicht unerwähnt.

Fokus auf internen Umgang

Aufgrund dieses «Linksrutsches» in Uster und den jüngsten politischen Erfolgen sehen Stammbachs Nachfolger dann auch wenig Grund, etwas am Kurs der SP Uster zu ändern. «Es gilt Kontinuität zu wahren, Matthias Stammbach hat gute Arbeit geleistet», sagt etwa die frühere Heilpädagogin Lennie Grob (69), die seit rund 20 Jahren der SP angehört und von 2002 bis 2010 Mitglied des Ustermer Gemeinderats war.

«Vielleicht wurde das eine oder andere vernachlässigt.»

Peter Mathis, Geschäftsleitungsmitglied SP Uster

Und auch Peter Mathis – er sass für die SP Uster von 1998 bis 2006 im Stadtparlament – sieht Optimierungsbedarf weniger in der politischen Ausrichtung als im internen Umgang: «Wir müssen den Übertritt Claudia Wyssens, den Fall Ludi Fuchs und andere Parteiaustritte aufarbeiten. Vielleicht wurde da das eine oder andere vernachlässigt.»

Ludi Fuchs, Ex-Stadtrat und lange das Gesicht der Ustermer SP, fühlte sich von der Partei im Regen stehen gelassen.

Als Kritik an die Adresse seines Vorgängers Stammbach will Mathis diese Aussage nicht verstanden wissen, da man «im Nachhinein immer schlauer» ist. Mathis will vermehrt den Austausch mit der Basis und den Ustermer SP-Amtsträgern suchen.

Die Flügel-Frage

Während der Staatsanwalt Matthias Stammbach sich dem «moderaten SP-Flügel» zuordnet, sagt der ehemalige SBB-Lokführer Mathis von sich, dass er dem gewerkschaftlichen – und damit eher linkeren Flügel – angehöre. Lennie Grob wiederum sieht sich dem sozialliberalen Daniel Jositsch näher als dem prononciert linken Fabian Molina. Und der dritte im Bunde, der frühere Buchhalter und Controller Rolf Graf (65, von 1998 bis 2011 Gemeinderatsmitglied), ordnet sich in der «goldenen Mitte» ein.

Die Rollenteilung innerhalb des Gremiums haben Mathis, Grob und Graf noch nicht festgelegt. Gesichert dürfte sein, dass Graf sein bisheriges Amt als Kassier behalten und weiterhin für die Finanzen der SP Uster zuständig sein wird.  Und eine Aufgabe wird sich die neue Ustermer SP-Troika wohl teilen: Die Suche nach einem jüngeren, geeigneten Nachfolger.

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