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Wetzikon professionalisiert die Freiwilligenarbeit

Stadtrat spricht 50‘000 Franken

Wetzikon professionalisiert die Freiwilligenarbeit

Der Stadtrat Wetzikon hat zusätzliches Geld gesprochen, um die Freiwilligenarbeit zu fördern. Neu sind sogenannte Zeitgutschriften möglich: Wer heute Alten hilft, kann im Alter selbst Hilfe beziehen.

Andreas
Kurz
Mittwoch, 15. Mai 2019, 06:58 Uhr Stadtrat spricht 50‘000 Franken
Seit zwei Jahren fahren Freiwillige das «Nachbarschaftsauto» durch Wetzikon.
Archivfoto: Fabienne Würth

Der Wetziker Stadtrat investiert in die Freiwilligenarbeit. Kürzlich hat er einen Beitrag von jährlich 50’000 Franken für ein «Kompetenzzentrum für Freiwilligenarbeit» bewilligt. Das Angebot mit dem Namen Zeitwerk beinhaltet unter anderem die Schaffung einer 60-Prozent-Stelle. Für Rahel Würmli, Leiterin der Fachstelle Alter und Gesundheit, ist es kein Widerspruch, wenn die Freiwilligenarbeit dadurch professionalisiert wird. «Es geht darum, die Strukturen zur Verfügung zu stellen, damit die Leute zueinander finden.» Es gebe Viele, die Hilfe anbieten oder beziehen wollten.

Bereits heute unterstützt die Stadt den Verein Nachbarschaft Wetzikon und Seegräben mit jährlich 14’500 Franken. Der Verein habe seine Angebote Nachbarschaftshilfe, Besuchsdienst und Nachbarschaftsauto in den letzten Jahren aufgebaut und etabliert, schreibt der Stadtrat in einer Mitteilung. Dies sei in enger Zusammenarbeit mit den Kirchen, der politischen Gemeinde Seegräben und der Stadt Wetzikon geschehen. Eine Projektgruppe hat nun das Thema «Wohnen im Alter – ambulant vor stationär» vertieft studiert und Massnahmen zur Förderung von Freiwilligenarbeit vorgeschlagen.

Selbstbestimmtes Wohnen ermöglichen

Das Ergebnis: In der Genossenschaft Alterssiedlung soll ein Zentrum für Freiwilligenarbeit namens Zeitwerk entstehen. Die bestehenden Angebote des Vereins Nachbarschaft werden unter dem neuen Namen weitergeführt, professionalisiert und ausgebaut. Die dafür geschaffene 60-Prozent-Stelle teilen sich Philippe Caviezel, bisheriger Leiter der Vermittlungsstelle und Marianne Marchello, die über Erfahrung in Freiwilligenarbeit und Zeitvorsorge verfügt. Die Mitarbeiter sollen die Nachbarschaftshilfe vermitteln und den Besuchsdienst begleiten. Zudem sollen sie sich mit Akteuren wie Pro Senectute, Spitex, Alterswohnungen oder Heimen vernetzen.

Laut Würmli gehe es hauptsächlich darum, im Alter das selbstbestimme Wohnen zu Hause zu ermöglichen und so die Lebensqualität zu erhöhen. Das Angebot bietet auch die Möglichkeit von Zeitgutschriften an. Dabei kann geleistete Zeit angerechnet und zu einem späteren Zeitpunkt – wenn man selber Dienstleistungen beansprucht – bezogen werden.

Kirchen sollen mitziehen

Neben der Stadt Wetzikon sollen auch die Gemeinde Seegräben sowie die reformierte und die katholische Kirchgemeinde mitziehen. Von den beiden Landeskirchen von Wetzikon seien laut Stadt je 7’000 Franken zu erwarten. Die Gemeinde Seegräben plane, neben dem jährlichen Beitrag von 1’500 Franken, eine Anschubfinanzierung von 6’000 Franken zu sprechen. Mit zusätzlichen Beiträgen von Organisationen, Gönnern und Vereinsmitgliedern soll ein Budget von gut 80’000 Franken erreicht werden.

«Wir wollen bestehende Angebote ausbauen und neue ermöglichen», sagt Würmli. Die Investition in die Freiwilligenarbeit zahle sich auf alle Fälle aus, sie sei jedoch schwierig in Franken zu beziffern. «Zivilgesellschaftliches Engagement kann man nicht in Geld umrechnen.»

Der Wetziker Stadtrat Remo Vogel (CVP) freut sich über den zusätzlichen Beitrag. Er sei eine Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements der Bevölkerung. Die Unterstützung der Freiwilligenarbeit trage dazu bei, die Sozialausgaben finanzierbar umzusetzen.

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