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Juckerfarm-Chef wehrt sich gegen CO2-Vorwürfe

Sein Hof verursacht viel Verkehr

Juckerfarm-Chef wehrt sich gegen CO2-Vorwürfe

Martin Jucker, Mitinhaber der Juckerfarm, setzt sich öffentlich für den Klimaschutz ein. Weil sein Hof aber viel Verkehr anzieht, werfen ihm Kritiker vor, selbst ein Klimasünder zu sein.

Andreas
Kurz
Montag, 18. März 2019, 05:45 Uhr Sein Hof verursacht viel Verkehr

Jetzt gerät auch der Juckerfarm-Chef in die Schusslinie. Nachdem Martin Jucker den Wetziker SVP-Stadtrat Heinrich Vettiger wegen dessen klimaskeptischen Äusserungen öffentlich zur Abwahl empfahl, wendet sich die Kritik nun gegen ihn. «Hier winkt meines Erachtens eindeutig der falsche Apostel mit dem Zaunpfahl», schreibt ein Kommentator auf «Züriost». «Ausgerechnet von den Juckers, die mit ihrem Betrieb für ein gewaltiges Verkehrsaufkommen mit den damit verbundenen Immissionen im schönen und sonst ruhigen Seegräben sorgen, hätte ich keine klimapolitischen Äusserungen erwartet.»

«Damit lockt er tausende Autos nach Seegräben»
Kell Peters, Leserbriefschreiber

Ein anderer Leser schlägt in einem Leserbrief in die gleiche Kerbe: «Ich wundere mich über die Aussagen von Martin Jucker», schreibt er. Der Juckerhof-Inhaber lasse indirekt sehr viel CO2 produzieren, indem er wolle, dass viele Leute seine Kürbisausstellung besuchten. «Damit lockt er tausende Autos nach Seegräben.»

Wer ist schuld am Verkehr?

Die kritischen Reaktionen stellte Jucker gleich selbst auf seiner Facebook-Seite zur Debatte. Die Frage sei berechtigt, schreibt der Obstbauer. Es gehe im Kern darum, wer für die Emissionen verantwortlich sei. Derjenige, der sie mit seinem Verhalten ausstösst – also die Autofahrer – oder die Destination, die er damit erreichen wolle. «Wenn ich es bin, darf ich dann auch die Einsparung all jener, die mit dem Velo, zu Fuss oder dem Öffentlichen Verkehr zur Kürbisausstellung kommen, auf mein ökologisches Gewissen buchen?», fragt Jucker. «Das wäre dann eine super Bilanz, denn das sind extrem Viele.» Der Juckerhof habe zudem fast keine Parkplätze – aber leider auch keinen brauchbaren ÖV.

«Selbst wenn wir wollten, können wir keine ÖV-Verbindung anbieten»
Martin Jucker, Mitinhaber Juckerhof

In den Reaktionen erhält Jucker Zuspruch. «In eurem Fall läge es in der Verantwortung der Politik, der geschaffenen Nachfrage nachzukommen», schreibt ein Facebook-Nutzer. Statt zu meckern sollten die Leute mit den Verkehrsbetrieben Zürichsee und Oberland zusammensitzen und sich dafür einsetzen, dass sie eine regelmässige Verbindung zwischen Wetzikon, Seegräben, Pfäffikon und Oberuster anbietet, meint ein anderer. «Da wäre sicher nicht nur der Juckerhof glücklich sondern auch die Leute die kein Auto haben und im gleichen Gebiet wohnen.»

«Gutes Marketing, Martin»

Dies sei allerdings nicht einfach, gibt Jucker zu bedenken. Der Staat habe beim öffentlichen Verkehr ein Monopol. «Das heisst: Selbst wenn wir wollten, können wir keinen anbieten. Bezahlen alleine wäre schon möglich, aber dann bezahlen wir alle Kosten und die Billetverkäufe gehen in die Staatskasse», sagt Jucker. «So können wir uns das niemals leisten.» Grundsätzlich sei der Zürcher Verkehrsverbund in der Pflicht. Die Gemeinde Seegräben habe dasselbe Problem wie der Juckerhof. «Sie müsste alles bezahlen.» Das könne sich die kleine Gemeinde nicht leisten. Auch zusammen sei das noch zu viel.

Seit dem Aufkommen der Klimaproteste veröffentlicht der Farmbetreiber auf seiner Facebook-Seite vermehrt Artikel über den Klimawandel und beteiligt sich auch rege an den entstehenden Diskussionen. Ein Nutzer schreibt deshalb: «Gutes Marketing, Martin. Bist ja mehr am Schreiben als am Produzieren.»

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Die SVP sollte sich langsam aber sicher zurück halten mit ihrem ständigen meckern. Genau diese angebliche Volkspartei stellt die Klimaveränderung in ihrem Parteiprogramm immer noch in Frage und verhöhnen die Jungen, die sich mit aller Kraft einsetzen und friedlich auf die Strasse gehen und demonstrieren. Ich hoffe, dass das Logo Sünneli der SVP unabhängig vom Klima an den Wahlen massiv an Strahlkraft verlieren wird!

Die armen pseudo-Umweltewussten! Es wäre sicher ein Riesen-CO2-Problem im Sinne des Wortes, wenn nur die Kürbisausstellung selbst a) 365 Tage im Jahr stattfinden würde u/o b) einzig und allein für den Mehrverkehr im sonst ruhigen Seegräben verantwortlich zeichnen würde. Ob die VZO - um eben diesen CO2-Ausstoss einschlägig zu minimieren - Elektrobusse anzuschaffen bereit wäre (wie sie die PostAuto z.B. in Sion testet), stünde meiner Meinung nach auf einem anderen Blatt. Und Heinrich Vettiger würde sich sicher länger als nur über die Dauer der Kürbisausstellung über den umständehalber kaum verzicht-baren Individualverkehr - nicht nur mangels Parkplätzen - mockieren.