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«... damit wenigstens ein freisinniger Politiker die Sendung gut findet»

Gossauer Silberschmidt bei Michael Elsener

«... damit wenigstens ein freisinniger Politiker die Sendung gut findet»

Auftritt in der Höhle des Löwen: Der Gossauer Andri Silberschmidt lieferte sich mit Satiriker Michael Elsener einen unterhaltsamen Schlagabtausch.

Mike
Gadient
Montag, 18. Februar 2019, 07:00 Uhr Gossauer Silberschmidt bei Michael Elsener

Die gesamte Sendung «Late Update». Das Gespräch mit Andri Silberschmidt ab Minute 24. (Quelle: SRF)

Es hätte sicherlich einen einfacheren Zeitpunkt gegeben, um als Freisinniger in der Late-Night-Sendung von Michael Elsener Platz zu nehmen. Andri Silberschmidt wählte ausgerechnet jenes Wochenende, an welchem FDP-Präsidentin Petra Gössi eine klimapolitische Kehrtwende verkündete und von ihrer Partei eine grünere Politik forderte. Dies war parteiintern nur im engsten Kreis abgesprochen.

«Das klingt nach Windfahne

Michael Elsener zu Andri Silberschmidt

Elsener sprach Silberschmidt in der Folge zwar nicht auf die Parteichefin an, sondern auf eine eigene Aussage aus der Vergangenheit. Der in Gossau aufgewachsene Silberschmidt habe einst gesagt, dass es in der Klimapolitik keine neuen Regelungen brauche. Letzte Woche äusserte er jedoch gefallen an der Gletscher-Initiative. «Das klingt nach Windfahne», stichelte der Satiriker.

Silberschmidt reagierte gelassen. Er habe vor der Sendung noch gegoogelt und gelesen, dass die Grünen 1983 gegründet wurden. Zwei Jahre zuvor sei dank der Initiative des Freisinnigen Hans Künzi im Kanton Zürich ein reines S-Bahn-Projekt zur Abstimmung vorgelegt worden.  «Die FDP hat demnach grüne Politik gemacht, bevor es die Grünen überhaupt gegeben hat.»

30 Sekunden Zeit

Der in wenigen Tagen seinen 25. Geburtstag feiernde Silberschmidt verlor seine Schlagfertigkeit während des gesamten Interviews nicht («Wenn ich viel um die Ohren habe, gehe ich meistens zum Coiffeur.»). Die ruhige und eloquente Art könnte sich auch auf den Moderator ausgewirkt haben, denn Elsener wirkte im Gegensatz zu früheren Sendungen wesentlich weniger hektisch im Gespräch.

Clever von Elsener war, Silberschmidt nur 30 Sekunden zur Verfügung zu stellen, damit dieser erklären konnte, wie die Altersvorsorge für die Generation der Millennials noch zu retten sei. Für die Antwort beanspruchte der Zürcher Oberländer sogar weniger Zeit: «Wir müssen den Anreiz so setzen, dass wir länger arbeiten wollen. Wir sollen selber einen Beitrag leisten können, damit wir auch eine Rente erhalten.»  
 

Markwalder zum Lachen bringen

Diese Selbstsicherheit musste Silberschmidt auch ausstrahlen. Denn der Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz befand sich sozusagen in der Höhle des Löwen. Wie Elsener in seiner ersten Ausgabe von «Late Update» auf Kosten der FDP Witze machte (Pierre Maudet, #fucktheplanet), machte hauptsächlich dank der Reaktion von Nationalrätin Christa Markwalder Schlagzeilen.

Wegen dieser Vorgeschichte stellte Silberschmidt zu Beginn klar: «Ich bin hier, damit wenigstens ein freisinniger Politiker in diesem Land die Sendung gut findet.» Seine grösste Herausforderung sei es heute, dass Christa Markwalder einmal lachen müsse.

Wenn sie sich das Gespräch angeschaut hat, dürfte sie dies bestimmt.

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