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Leiser Abschied von der «Gesundheitsstadt»

Ustermer Label

Leiser Abschied von der «Gesundheitsstadt»

Lange hat Uster versucht, ein Label für Städte zu etablieren, die sich besonders für die Gesundheitsförderung einsetzen. Vergeblich. Lieber hätte der Stadtrat wohl nicht viel zum Ende der «Gesundheitsstadt» gesagt – nun musste er eine Anfrage aus dem Gemeinderat beantworten.

Laura
Cassani
Donnerstag, 14. Februar 2019, 20:02 Uhr Ustermer Label

Auf manche Entscheidungen ist der Ustermer Stadtrat stolz – und kommuniziert sie gerne laut und deutlich. Bei anderen, die vielleicht ein weniger schmeichelhaftes Licht auf die Stadtregierung werfen, gibt man sich gerne etwas zurückhaltender.

Dass es die Zertifizierung «Gesundheitsstadt» seit letztem Frühsommer nicht mehr gibt, wurde im Juni 2018 in einem Stadtratsbeschluss mit unscheinbarem Titel kommuniziert. Darin stand, dass der Trägerverein, den die Stadt Uster 2011 zusammen mit der Stadt Thun gegründet hatte, aufgelöst wurde. Kaum jemand bemerkte es.

Offenbar auch BDP-Gemeinderat Ivo Koller nicht. Er erfuhr vom Ende des Labels, welches die Leistungen der Gesundheitsförderung einer Stadt messbar machen sollte, auf dessen Internetseite. Und wollte mehr darüber wissen. Deshalb reichte er im Dezember eine Anfrage an den Stadtrat ein.

Ein Blick auf die Website macht klar: Das Gesundheitsstadt-Label ist am Ende. (Screenshot: gesundheits-stadt.ch)

Wenig Motivation

Die Stadt Uster hatte die Gesundheitsstadt-Zertifizierung zusammen mit der Stadt Thun vor etwas mehr als sieben Jahren ins Leben gerufen. Die Städte erhielten zuerst das Bronze-Label verliehen, doch schon kurze Zeit später trat Thun wieder aus dem Verein aus – zu gross war der finanzielle und personelle Aufwand. Als einzige noch verbleibende «Gesundheitsstadt» liess sich Uster 2015 noch mit dem Silber-Label zertifizieren – ein Label, das die Stadt seither stolz trug.

«Es ist dem Verein nicht gelungen, weitere Städte für die Zertifizierung zu motivieren.»

Antwort des Ustermer Stadtrats

Sonst wollte sich aber keine andere Stadt zertifizieren lassen, wie aus der stadträtlichen Antwort auf Kollers Anfrage hervorgeht: «Es ist dem Verein Gesundheitsstadt trotz vielfältiger Anstrengungen nicht gelungen, weitere Städte für die Zertifizierung zu motivieren.» Das war dann auch der Grund, den Trägerverein aufzulösen.

Wie lange noch?

Der Stadtrat stellt sich nun, nach der Auflösung des Trägervereins, die Frage, «wie lange die Verwendung des Labels Gesundheitsstadt noch Sinn macht» – wenn doch eine Zertifizierung in Zukunft nicht mehr möglich sein wird.

An der Ustermer Gesundheitspolitik ändert die Label-Frage wohl wenig. Die Regierung betont, dass die Stadt «selbstverständlich» ihre gesundheitspolitischen Aktivitäten «weiterhin auf den während den Zertifizierungsprozessen gewonnenen Erkenntnissen und dem bereits Erreichten aufbauen» werde. Der Dialog zwischen den Verantwortlichen im Ustermer Gesundheitswesen werde weitergeführt. Und Anita Bernhard, Abteilungsleiterin Gesundheit, sagte bereits im Dezember gegenüber Züriost, das «Tagesgeschäft» sei von der Label-Frage nicht betroffen.

Wie viel kostete das Label?

Bleibt die Frage, die auch Gemeinderat Ivo Koller dem Stadtrat stellte: Wieviel kosteten die Bemühungen um das «Gesundheitsstadt»-Label, das öffentlichkeitswirksam lanciert wurde und nun, rund sieben Jahre später, leise verabschiedet wird?

Rund 156‘000 Franken (zwischen 2009 und 2018), geht aus der stadträtlichen Antwort hervor. Andere Beteiligte – Stadt und Spital Thun oder das Spital Uster etwa – wendeten insgesamt 44‘500 Franken auf. Hinzu kamen Zuwendungen von Sponsoren oder dem Bundesamt für Gesundheit in der Höhe von rund 19‘000 Franken. Von einem unverzinslichen Darlehen, das der Ustermer Stadtrat dem Trägerverein gewährt hatte, war nach der Liquidierung des Vereins letztes Jahr noch rund die Hälfte übrig. Die andere Hälfte, rund 23‘000 Franken, musste der Stadtrat abschreiben.

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