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Per Tastendruck zur Rennmaschine

Hyundai i30 N

Per Tastendruck zur Rennmaschine

Der neue Hyundai i30 N könnte gegensätzlicher nicht sein. Aus dem ruhig dahingleitenden Kompaktwagen wird mit nur einem Tastendruck eine Hochleistungs-Rennmaschine. Die Emotionen gehen hoch, Racing Feeling kommt auf, der Adrenalinspiegel steigt. Hyundai hat entdeckt, dass Autofahren mehr ist, als nur von einem Ort zum andern zu gelangen. Dieser Wagen begeistert, keine Frage.

Gerold
Schmid
Montag, 19. Februar 2018, 14:02 Uhr Hyundai i30 N

Autofahren ist hoch emotional. Autofahren ist mehr als unterwegs sein von A nach B. Genau das hat nun Hyundai in seinen i30 N einfliessen lassen. Dieser Wagen weckt Emotionen und könnte in sich nicht gegensätzlicher sein.

Auf dem Nürburgring getestet

Den Unterschied zum i30 der dritten Generation macht ein einziger Buchstabe: N. N steht für das koreanische Entwicklungszentrum Namyang und für Nürburgring: in Namyang entwickelt und auf dem Nürburgring getestet. N bedeutet bei Hyundai das, wofür M bei BMW und AMG bei Mercedes steht. Apropos BMW M, Hyundai hat für das Projekt N Albert Biermann, den ehemaligen Entwicklungschef der BMW M GmbH, angeheuert. Das hat sich mehr als gelohnt.

Das Erscheinungsbild des i30 N ist durch und durch sportlich. Tiefgelegte Karosserie, breite Lufteinlässe an der Front und in Rot gehaltene Zierelemente, Hochleistungsbremsen mit rot gefärbten Bremssätteln und ein eleganter Spoiler am Heck tragen zu diesem sportlichen Erscheinungsbild bei.

Im Rennwagen-Modus

Nimmt man im Cockpit Platz, umfasst einen der bequeme, elektrisch verstellbare Sportsitz. Das Lenkrad fühlt sich gut an. Zwei blaue Tasten am Lenkrad fallen ins Auge. Auf der Taste links steht «Drive Mode», auf der rechten ist eine Zielflagge, die für «N Mode» steht, abgebildet. Mit der Drive-Mode-Taste lassen sich die Modi Eco, Normal und Sport einstellen. Mit einem Druck auf die rechte Taste verwandelt sich der i30 N in einem Sekundenbruchteil in eine Hochleistungs-Rennmaschine.

Gegensätzlicher könnten die Fahrmodi Eco und N nicht sein. Im N Modus wird das Fahrwerk bretterhart gedämpft, die Motorensteuerung ist aggressiv. Und mit der sogenannten Rev-Matching-Funktion wird die Motorendrehzahl automatisch mit derjenigen der Antriebswelle des Getriebs synchronisiert. Das führt dazu, dass die Steuerung automatisch auch Zwischengas gibt, damit sportliche Gangwechsel garantiert sind. Weiter dröhnt im N Modus der Auspuff mit den typischen Nachverbrennungsdetonationen.

Die Sportabgasanlage mit einer variablen Klappensteuerung wird im Innenraum durch einen elektronischen Soundgenerator unterstützt. Das weckt Emotionen.

Lenkrad Hyundai i30 N

Knackiges Sportgetriebe

Zurzeit gibt es den i30 N nur mit handgeschaltetem Getriebe. Dieses ist hochpräzise und knackig, die Schaltwege kurz ohne jegliches Spiel. So muss es sein bei einem Sportwagen. Das Getriebe wurde für den i30 N neu entwickelt, und es verfügt über Synchronringe aus Kohlenstoff.

Sperrdifferenzial für mehr Grip

Dank einem elektronisch gesteuerten Sperrdifferenzial an der Vorderachse verliert der i30 N kaum an Grip, wenn der 275 PS starke Motor sein bis 378 Nm (im Overboost) starkes Drehmoment auf die Vorderachse überträgt. Mehrmals habe ich das getestet. Bei rasanter ­Anfahrt und Beschleunigung ausgangs einer Kurve wird der Wagen nicht, wie sonst bei Frontantrieben, untersteuert und die Räder drehen auch nicht durch. So geschehen auf der Fahrt zur Hulftegg-Passhöhe.

Phänomenales Fahrwerk

Das Sportfahrwerk mit verstellbaren Stossdämpfern hat das Seinige dazu beigetragen: kein Nicken, kein Wanken. Und mit dem erwähnten elektronisch gesteuerten Sperrdifferenzial kein Unter- oder Übersteuern in den Kurven, auch kein Gripverlust. Das muss man erlebt haben.

Über dem Kombiinstrument hinter dem Lenkrad ist eine Reihe farbiger LED-Leuchten integriert, welche den optimalen Schaltzeitpunkt anzeigen. Die 19-Zoll-Leichtmetallfelgen und die dazugehörigen Reifen wurden übrigens extra für den i30 N entwickelt.

Launch Control ready

Die eingebaute Launch-Con­trol-Funktion verstärkt das Rennstrecken-Feeling. Den ersten Gang einlegen, Gaspedal voll durchdrücken, warten bis die Meldung «Launch Control ready» aufleuchtet und die Kupplung kommen lassen. Der Start soll dem eines professionellen Rennwagens gleichkommen, verspricht Hyundai. Ich habe, um die Reifen zu schonen, auf dieses Erlebnis verzichtet.

Es geht auch ruhiger

Doch es geht auch ruhiger. Im Eco-Modus fährt sich der i30 N ruhig, mit einem nach meinen Ansprüchen optimal gedämpften Fahrwerk. Motor und Getriebe sind auch in diesem Modus gut aufeinander abgestimmt. Gestaunt habe ich, dass ich auch ein steiles Strassenstück problemlos im fünften Gang fahren konnte.

Fazit: Mit dem i30 N hat Hyundai einen Quantensprung vollzogen. Der i30 N könnte gegensätzlicher nicht sein, vereint er doch die rohe Kraft eines Rennwagens mit der Alltagstauglichkeit eines Kompaktwagens. ­Hyundai versucht mit dem i30 N Fahrspass und Vernunft unter einen Hut zu bringen. Das ist dem Hersteller aus meiner Sicht mehr als gelungen.

Auch wenn es im Fahrbericht teilweise martialisch daherkommt, Sicherheit steht an erster Stelle. Mit Hyundai Smart Sense sind ein automa­tisches Notbremssystem mit Fuss­gängererkennung, ein aktiver Spurhalteassistent, ein Fernlichtassistent sowie ein Aufmerksamkeitsassistent mit an Bord. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hervorragend. 36’990 Franken kostet der i30 N. Wer möchte, kann das N-Exklusiv Pack für 4910 Franken dazukaufen, für die Metallic-Lackierung legt man nochmals 800 Franken drauf.

Wäre ich 30 Jahre jünger, der i30 N stände unter den Fahrzeugen meiner Wahl ganz oben.

Technische Daten Hyundai i30 N 2.0 T-GDi mit Sonderausstattung

Treibstoff: Benzin
Hubraum: 1998 cm3
Leistung: 202 kW/275 PS
Drehmoment max.: 378 Nm
Getriebe: manuell 6-Gang
Gewicht: 1584 kg
Normverbrauch: 7,1 l/100 km
CO2-Emissionen: 163 g/km
Energieeffizienzkategorie: G
Abgasnorm: Euro 6
Ladevolumen: 381–1287 l
Grundpreis: 36’990 Fr.
Testwagen: 42’700 Fr.
Garantieleistungen: 5 Jahre ohne Kilometerbegrenzung

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