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Ohrenschmaus statt Grillabend

Ohrenschmaus statt Grillabend

Der italienische Starpianist Ludovico Einaudi führte gestern im Hallenstadion Zürich durch seine Welt der leisen wie auch lauten Töne.

Reto
Rüegg
Montag, 07. Mai 2018, 08:48 Uhr
(Foto: YouTube)

Ausverkaufte Tour

Wie bei praktisch all seinen Konzerten, welcher der Konzertpianist in den letzten Jahren gab, war auch das Gestrige am Sonntagabend, in dem auf Theatergrösse reduzierte Hallenstadion, restlos ausverkauft. 6500 Zuschauer fanden auf den Konzertbeginn um 19 Uhr den Weg in die Konzerthalle. Der 62-jährige Komponist und Pianist trat zusammen mit fünf Mitmusikern, bestehend aus Rhythmusfraktion wie Schlagzeug/Xylophon, Bass/Violine sowie E-Gitarre und Keyboard auf.

Laut und leise

Ludovico Einaudi mit Band spielten ein Set aus teils brachialpompösen Klangkollagen, welche visuell mit Licht- und Leinwandeffekten untermalt wurden sowie einem ruhigerem, halbstündigem Mittelteil, in welchem der Maestro ohne seine Mitstreiter, nur am Flügel, das Publikum in seinen Bann zog. Auf Grossleindwand konnte das flinke Fingerspiel von Einaudi mitverfolgt werden. Auch seine wohl bekanntesten Stücke «Una mattina» und «Fly»  aus dem französischen Erfolgsfilm «Intouchable» oder mit dem deutschen Titel «Ziemlich beste Freunde» durften in diesem Part natürlich nicht fehlen. Mit diesen reduzierten und einfühlsam gespielten Stücken schloss er den reinen Pianopart ab. Das stets aufmerksam zuhörende Publikum dankte ihm diese halbstündige, fast schon traumwandlerisch anmutende Sequenz, prompt mit Standing Ovations.

Lucovico Einaudi «Una mattina» aus dem Film «Intouchable/Ziemlich beste Freunde»

Impulsiver Konzertabschluss

Nach der «laid back»-artigen Klavierpassage ging es dann nochmals richtig zur Sache mit eher impulsiveren Tönen. Exotisch- orientalische Instrumente sowie ein aquariumartiges «Wasserinstrument» kamen zusätzlich zum Einsatz. Die Musik von Einaudi zu umschreiben, wäre mit dem Begriff Klassik oder Filmmusik falsch abgehandelt. Der Künstler äusserte sich zur Musikdefinition in den Medien unlängst wie folgt: «Im Allgemeinen mag ich keine Definitionen, aber Minimalist ist ein Ausdruck, der Eleganz und Offenheit bezeichnet, so dass ich lieber als Minimalist genannt werden möchte als etwas anderes.» Gar nicht minimalistisch war dann auch die Spielzeit, welche sich über zwei Stunden erstreckte. Das vom Alter her durchmischte Publikum bereute es wohl kaum, diesen warmen, sommerlichen Abend nicht im Freien bei einer allfälligen Grillparty verbracht zu haben, um anstelle dessen diesen Ohrenschmaus mitzuerleben.

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