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Nicht schon wieder Blut an Europas Händen

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Nicht schon wieder Blut an Europas Händen

Einmal wöchentlich äussern sich züriost-Redaktoren zu einem Thema von politischer oder gesellschaftlicher Relevanz. Heute: Janko Skorup, Chef vom Dienst, über die Rückführung von Flüchtlingen nach Syrien.

Janko
Skorup
Mittwoch, 27. Dezember 2017, 08:46 Uhr Klartext
Der IS sei besiegt, sagt Moskau. Doch in Syrien herscht noch immer Krieg. (Bild: AP)

«Nie wieder Krieg!», heisst es am Ende des Gedichts «Drei Minuten Gehör» von Kurt Tucholsky – geschrieben 1922, wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Wohl jeder Politiker Europas ging mit ihm einig. Und doch geschah es wieder, 1939. Sieben Jahre später hielt Winston Churchill eine Rede. Er präsentierte Ideen, wie man Krieg in Europa verhindern könnte. Und doch geschah es wieder, 1992. «Nie wieder Krieg!», mahnte Papst Franziskus 23 Jahre später an einer Messe in Sarajevo.

Zur gleichen Zeit fielen in Syrien Bomben, Menschen wurden mit Giftgas ermordet. Das geschah zwar nicht in Europa selber, doch direkt vor unseren Toren. Die Auswirkungen waren dramatisch: Hunderttausende Flüchtlinge strömten nach Deutschland, Österreich, in die Schweiz.

Drei Mal versagt

Der Syrienkrieg dauert noch an, auch wenn der IS vermeintlich besiegt ist. Aufständische kämpfen gegen das Assad-Regime, Rebellengruppen bekriegen sich gegenseitig. Es herrscht Leid, Not und Elend. Davor sind die Meisten geflüchtet.

Trotzdem sind populistische Politiker, vor allem in Deutschland, kürzlich auf die absurde Idee gekommen, dass man ja jetzt, da sich die Lage entspannt habe, die Flüchtlinge zurückschicken könne. Das ist purer, absolut weltfremder Zynismus. Man würde die Geflüchteten wohl direkt an ihre Feinde ausliefern. Das ist, als würde man Bosniaken in die Hände von Ratko Mladic geben – Moment, das ist doch mal «passiert»?

Europa hat im letzten Jahrhundert drei Mal versagt. Drei Mal konnte es Kriege nicht abwenden, Millionen von Menschen kamen ums Leben. Ich hoffe sehr, dass es in diesem Jahrhundert nicht wieder dazu kommt – dass Europa nicht wieder Blut an den Händen kleben wird.

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