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«#4_Wände»-Beilage

So bringen Sie Ihre Pflanzen richtig durch den Winter

Damit sie die kalte Jahreszeit gut überstehen, müssen Pflanzen entsprechend geschützt werden. Claudia Egli, Geschäftsführerin der Gärtnerei Egli in Egg, weiss, was die verschiedenen grünen Lieblinge brauchen und wann sich eine professionelle Betreuung lohnt.

Tanja
Frei
Donnerstag, 15. September 2022, 12:35 Uhr «#4_Wände»-Beilage
Claudia Egli ist die Geschäftsführerin der Gärtnerei Egli  in Egg und Expertin, wenn es um Fragen rund um  Pflanzen geht.
Claudia Egli ist die Geschäftsführerin der Gärtnerei Egli in Egg und Expertin, wenn es um Fragen rund um Pflanzen geht.
Foto: Tanja Frei

Dieser Beitrag wurde in der Verlagsbeilage «#4_Wände» veröffentlicht, die am 14. September mit dem «Zürcher Oberländer» und dem «Anzeiger von Uster» erschienen ist.

Frau Egli, wann ist der Zeitpunkt da, die eigenen Pflanzen für die Überwinterung vorzubereiten?
Claudia Egli: Ab Oktober kann es frostig werden. Da sollte man die Pflanzen für die Überwinterung bereit machen. Wird es nur einmal kurz kälter, gehen 90 Prozent der Pflanzen noch nicht kaputt. Schlimm wird es, wenn im Januar Minustemperaturen herrschen und die Wurzeln einfrieren. Gefrorene Erde oder gefrorene Wurzeln können kein Wasser aufnehmen. Dann vertrocknet die Pflanze.

Umtopfen, reinholen, einpacken, zurückschneiden. Welche Pflanzen haben welche Bedürfnisse?
Rosen sollte man nicht zu früh einpacken. Wenn diese zu früh zu warm haben, treiben sie auch wieder früher, also wenn es noch kalt ist. Zum Zudecken kann man da gut das übrig gebliebene Tannenkries vom Weihnachtsbaum benutzen. Vieles überlebt draussen eher, wenn es im Boden eingepflanzt ist – Palmen zum Beispiel. Da eignet sich der Gartenboden im Winter besser als ein Topf. Stauden wie Rittersporn, Sonnenhut, Herbstanemonen und auch Pfefferminze ziehen sich im Winter zurück und verschwinden. Im Frühling kommen sie wieder. Aber auch hier unter Dach darf man das Giessen nicht vergessen. Oleander ertragen bis zu 5 Grad Celsius, die anderen Südländer sollte man besser reinholen oder einem Profi zum Überwintern übergeben.

Hat eine Pflanze zu warm oder zu kalt, können sich  Schädlinge bilden.
Hat eine Pflanze zu warm oder zu kalt, können sich Schädlinge bilden. (Foto: Pixabay)

Wie bereitet man die Pflanzen für die Überwinterung vor?
Südländische Pflanzen wie Palmen, Oliven oder Zitronen sind am heikelsten. Die muss man reinnehmen. Stauden sollte man im Herbst zurückschneiden. Das Umtopfen findet im Herbst oder Frühling statt. Bitte nur im Notfall blühende Pflanzen umtopfen. Wenn sie blühen, geht es ihnen gut, und man stört sie nur.

Wo überwintern frostempfindliche Pflanzen am besten?
Im Haus ist es temperaturtechnisch immer schwierig. Im Wohnzimmer ist es sicher zu warm. Deshalb lieber im Treppenhaus oder im Keller. Jedoch sind in den neueren Häusern sogar viele Keller mittlerweile zu warm. Früher haben unsere Grosseltern Geranien im Keller überwintern lassen. Damals war die Temperatur im Untergeschoss noch angemessen. Egal, wo die Pflanze schliesslich überwintert, es ist wichtig, sie zu beobachten, um allfällige Leiden frühzeitig zu erkennen.

Pflanzen, die draussen im Boden eingepflanzt sind,  brauchen im Winter kein zusätzliches Wasser.
Pflanzen, die draussen im Boden eingepflanzt sind, brauchen im Winter kein zusätzliches Wasser. (Foto: Pixabay)

Wie kühl/warm darf es denn sein?
Das ist von der Pflanze abhängig, aber bei einer Temperatur von ungefähr 10 Grad Celsius kann man nicht viel falsch machen.

Wie oft giesst oder düngt man die Pflanzen über den Winter?
Pflanzen, die draussen im Boden eingepflanzt sind, brauchen kein zusätzliches Wasser. Alle anderen sollte man wöchentlich giessen. Wenn es im Haus eher warm ist, brauchen die Pflanzen etwas mehr, wenn es kühler ist, etwas weniger Wasser. Übrigens mögen Pflanzen Bodenheizungen gar nicht. Diese trocknen die Luft aus und so auch die Erde. Ich empfehle, Styroporplatten oder Holz zur Wärmeabsonderung unter die Töpfe zu legen.

Wann dürfen die Pflanzen wieder nach draussen oder ausgepackt werden?
Da sollte in erster Linie der Wetterbericht beachtet werden. Ganz grob ab Ostern. Sollte es danach nochmals kühler werden, muss man die Pflanzen erneut zudecken. Sie sollten auch nicht direkt an einen sonnigen Ort gebracht werden, sonst holen sie sich einen Sonnenbrand. Pflanzen brauchen Zeit, um sich zu akklimatisieren. Das ist wie bei den Menschen. Die Haut ist zum Frühlingsbeginn noch empfindlicher.

Ab Oktober kann es frostig werden. Da sollte man die  Pflanzen für die Überwinterung bereit machen.
Ab Oktober kann es frostig werden. Da sollte man die Pflanzen für die Überwinterung bereit machen. (Foto: Unsplash)

Ich bringe meine Palme zur Überwinterung in die Gärtnerei. Wie sieht diese externe Überwinterung aus?
Wir holen die Pflanze ab, oder Sie bringen sie selbst zu uns. Dann schauen wir, ob wir sie umtopfen, zurückschneiden oder aufgrund von Schädlingen behandeln müssen. Wir beschriften die Pflanze und bringen sie in das entsprechende Gewächshaus. Über den Winter versorgen wir sie mit Langzeitdünger und bewässern sie. Wir beobachten sie stetig. Für die Bewässerung nehmen wir übrigens unser Umlaufwasser. Das ist wie ein guter Dünger, denn es enthält viele wertvolle Nährstoffe. Bevor die Winterferien für die Pflanze vorbei sind, schauen wir nochmals, ob wir sie zurückschneiden oder umtopfen müssen. Und dann darf sie zurück nach Hause.

Wann sollte man eine Pflanze sowieso zur professionellen Überwinterung abgeben?
Das ist eine Kreuzrechnung. Wie heikel ist die Pflanze? Und vor allem: Wie fest liegt sie einem am Herzen? Man darf auch nicht vergessen, dass Pflanzen wie Lebewesen sind. Wenn sie nicht mehr wollen, dann gehen sie ein. Da kann man sie noch so professionell pflegen lassen.

Welche sind die häufigsten Fehler, die beim Überwintern von Pflanzen passieren?
Wenn der Ort der Überwinterung zu warm oder zu dunkel ist, können sich Schädlinge bilden. Und wenn man vergisst, die Pflanzen zu giessen, vertrocknen sie. Überwintert die Pflanze an einem Ort, der für sie zu kalt ist, kann sie ebenfalls eingehen.

Interview: Tanja Frei