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«#4_Wände»-Beilage

Er erschafft nachhaltige Palettenmöbel für die Ewigkeit

Auf den ersten Blick wirken sie unscheinbar. Doch mit etwas Kreativität lassen sich mit alten Holzpaletten ganze Wohnungen einrichten. Roland Herbener, Zimmermann und Inhaber von Humbelwood in Pfäffikon, weiss, woher der Palettentrend kommt, und hat wertvolle Tipps für Hobbyhandwerker.

Tanja
Frei
Mittwoch, 14. September 2022, 07:00 Uhr «#4_Wände»-Beilage
Roland Herbener, Inhaber von Humbelwood, vor seinem Showroom im Humbel in Pfäffikon.
Roland Herbener, Inhaber von Humbelwood, vor seinem Showroom im Humbel in Pfäffikon.
Foto: Tanja Frei

Dieser Beitrag wurde in der Verlagsbeilage «#4_Wände» veröffentlicht, die am 14. September mit dem «Zürcher Oberländer» und dem «Anzeiger von Uster» erschienen ist.

Schrauben, feilen, schleifen. Der Trend, Möbel aus Paletten selbst herzustellen, besteht seit einigen Jahren. Die Leute bauen sich selbst Betten, Gartenlounges oder Tische daraus. «Aus dem Drang, etwas für sich selbst zu machen, das absolut individuell und kostengünstig ist, haben viele Personen ihre Liebe für alte Paletten entdeckt», erklärt Roland Herbener, Inhaber von Humbelwood in Pfäffikon. Er selbst gestaltet mit Leidenschaft verschiedene Möbelstücke aus Paletten, zerlegt diese und baut sie zu einem Wunschstück wieder zusammen. Und das schon seit geraumer Zeit.

«Paletten sind eine tolle Lösung für alle, die sich etwas Eigenes bauen wollen. Bereits mit wenig Aufwand kann man sehr schöne Sachen kreieren», meint der gelernte Zimmermann. Viele Leute fänden sich heute im Möbelhaus nämlich einfach nicht mehr wieder. Über Masse, Stil, Grösse und Farbwahl selbst zu entscheiden und das Möbelstück schliesslich im eigenen Zuhause zu sehen, sei etwas sehr Erfüllendes – und Nachhaltiges. «Wenn ich in ein Wohnzimmer von Bekannten gehe, sieht doch oft alles gleich aus. Wenn man selbst etwas macht, kann man das nicht nur stolz präsentieren, man hat auch eine Geschichte zu erzählen und hängt viel mehr an dem Teil.» Die Wahrscheinlichkeit, dass man das Möbel schon bald wieder ersetze, sinke enorm.

Von WC-Papier-Haltern, über Regale, Kommoden, Tablette bis hin zu Uhren stellt Roland Herbener vieles aus.
Von WC-Papier-Haltern, über Regale, Kommoden, Tablette bis hin zu Uhren stellt Roland Herbener vieles aus. (Tanja Frei)

Und aus den beliebten, eher schäbig aussehenden Holzpaletten lässt sich so ziemlich alles zusammenschreinern. «Man muss nur etwas kreativ werden», schmunzelt Roland Herbener und blickt sich in seiner Ausstellung um. Denn kreativ ist der Pfäffiker allemal. Dies erkennt man, sobald man die Räumlichkeiten betritt, in denen er sein Handwerk vollbringt. Von WC-Papier-Haltern über Beistelltische, Regale, Hochbeete, Getränkehalter, Stühle, Kommoden, Tablette bis hin zu Uhren ist im Gebäude Humbelwood vieles zu sehen. Alles aus Palettenholz hergestellt.

Ökologie bei Bearbeitung und Materialien

«Den Boden in meinem Showroom habe ich ebenfalls mit Palettenholz verlegt. Das war ein Aufwand», lacht Herbener. Nur schon für das Zerlegen von acht Paletten habe er damals vier bis fünf Stunden gebraucht. «Da besass ich das richtige Werkzeug noch nicht», erklärt er. Heute zerlege er die Holzteile mit der Tigersäge. Diese könne auch Nägel durchschneiden. «Von Hand bekommt man die fast nicht raus.»

Was Roland Herbener besonders am Herzen liegt, ist das ökologische Vorgehen bei der Bearbeitung des Holzes. Es ist ihm wichtig, mit nachhaltigen Materialien zu arbeiten. Für Hochbeete beispielsweise kämen bei ihm nur ökologische Öle zum Einsatz. Er arbeitet auch nur mit Acrylfarben auf Wasserbasis und verzichtet auf Kunstharzfarben.

Hier entstehen Herbeners Werke: in seiner Werkstatt im  Untergeschoss.
Hier entstehen Herbeners Werke: in seiner Werkstatt im Untergeschoss. (Foto: Humbelwood)

Das speziellste Möbelstück, das Roland Herbener bisher hergestellt hat, ist ein Regal mit neun Etagen und 36 Schubladen. «Das Regal durfte ich für ein Nähatelier schreinern – ein schweres Möbel.» Auch eine Hollywood-Schaukel hat er schon zusammengebaut.

So aufwendig die Aufträge sind, die er für seine Kundschaft ausführt, so einfach sieht es jedoch bei ihm zu Hause aus. Das einzige Möbelstück aus Paletten, das in seinem Haus steht, ist das Sofa. «Darauf haben bis zu 16 Personen Platz. Das Sofa war damals der erste Einrichtungsgegenstand in unserem Haus – und erweist sich bis heute als sehr praktisch», freut er sich. Ein weiteres Holzunikat steht in seinem Garten: ein Swimmingpool, den er ebenfalls aus Paletten selbst zusammengebaut hat. «Daran erfreuen sich vor allem die Kinder im Sommer sehr.»

Kreativ werden und loslegen

Doch was braucht man nun alles, um selbst so ein Möbelstück herzustellen? Und woher bekommt man eigentlich die ganzen Paletten dafür?

Das Gebäude Humbelwood ist nicht nur von innen, sondern  auch von aussen ein Augenschein.
Das Gebäude Humbelwood ist nicht nur von innen, sondern auch von aussen ein Augenschein. (Foto: Humbelwood)

«Im Baumarkt wird man immer fündig. Wer Geld sparen will, sollte sich auch bei Internet-Auktionshäusern umsehen. Dort werden auch oft Secondhand-Paletten verkauft.» Herbener selbst erhält sein Holz vielfach nach Umbauten von seinen regionalen Kontakten, die er sich über die Jahre aufgebaut hat. Bevor er also im Internet etwas bestellt, verschafft er sich in seinem Umkreis einen Überblick über verfügbare Holzteile.

Wenn man dann das nötige Material gefunden habe, einen die Lust und die Motivation packten, könne man gut mit einem Lounge-Möbel oder einem kleinen Tisch loslegen. Werkzeug braucht man nicht viel. «Für den Anfang reichen eine Fuchsschwanz- oder eine Japansäge, ein Hammer und Nägel», sagt der passionierte Handwerker. «Ich bin überzeugt, viele Leute merken dann schnell, dass sie mehr möchten.»

Ein gutes Projekt, um selbst zu starten: ein trendiger Beistelltisch.
Ein gutes Projekt, um selbst zu starten: ein trendiger Beistelltisch. (Foto: Tanja Frei)

Heutzutage finde man im Internet auf diversen Websites ganz einfach Videos mit Inspirationen oder Tipps. Auch Herbener selbst steht für Fragen immer gerne zur Verfügung. Er freut sich stets über neue Kontakte und hilft, wo er kann. Einen Tipp hat er bereits jetzt: «Ich würde nicht im Wohnzimmer schreinern. Der Balkon oder der Garten bietet sich dafür besser an. Bei der Arbeit mit Holz entstehen immer ganz viel Dreck und Staub, und das muss auch wieder weggeputzt werden.»

Autorin: Tanja Frei