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Fachgespräch mit einer Expertin

Was sind die aktuellen Trends bei Hochzeitsanzügen?

Mode verändert sich stetig. So auch die Hochzeitsanzüge. Gina Müller, Geschäftsführerin von Gina's Sposa Braut- und Festmode in Rapperswil, verrät die wichtigsten Trends für das Jahr 2022.

Tanja
Frei
Sonntag, 20. Februar 2022, 18:30 Uhr Fachgespräch mit einer Expertin

Dieser Beitrag wurde in der Verlagsbeilage «Wir heiraten und feiern» veröffentlicht, die am 16. Februar 2022 mit dem «Zürcher Oberländer» und dem «Anzeiger von Uster» erschienen ist.

Frau Müller, welche Anzugsvarianten kommen 2022 infrage?
Gina Müller: Da gibt es drei Varianten. Das beginnt mit dem klassischen Herrenanzug, der in dunkleren Farben sehr elegant wirkt, und geht bis zum sehr angesagten Vintage-Stil, der mittlerweile in vielen Pastelltönen daherkommt. Der Vintage-Stil eignet sich für Männer, die sich in der Freizeit gerne sportlich und leger kleiden. Dann gibt es den Smoking. Er ist immer eine gute Variante. Mittlerweile tragen ihn die Männer nicht mehr nur in klassischem Schwarz, sondern auch in Blau, Rot oder mit Karomuster. Dazu passt eine Fliege sehr gut. Die dritte Variante ist der Frack. Der passt gut, wenn die Hochzeit als grosses gesellschaftliches Ereignis an einem prunkvollen Ort stattfindet. Perfekt abgerundet wird der Frack mit Lackschuhen und einem Zylinder.

Wie sieht der Vintage-Stil genau aus?
Der Vintage-Stil stammt aus den 1930er bis 1970er Jahren. Diese Hochzeitsmode entwickelte sich vor einigen Jahren in England. Der Stil des Anzugs ist gut kombinierbar mit modernen Accessoires, denn er wirkt sehr lässig. Die Anzüge können kariert oder in Leinenoptik sein. Oftmals haben sie helle Farben. Dazu werden gerne Hosenträger und Bérets getragen.

Wie finden Sie heraus, welcher Anzug zum Mann, der in Ihren Laden kommt, passt?
Zuerst frage ich nach der Art der Hochzeit. Findet sie standesamtlich statt oder als Zeremonie in einem Zelt oder im grossen Stil im Schloss? Ausserdem versuche ich, etwas über das Brautkleid herauszufinden. Die Männer sehen das Brautkleid vorher zwar selten, erhalten von ihrer Zukünftigen aber vielleicht ein Farbmuster – mit Absicht. Anzug und Kleid sollten farblich und stilistisch aufeinander abgestimmt sein.

Welche Schnitte sind aktuell besonders gefragt?
Es gibt drei Komfortschnitte: klassisch breit, regulär oder slim-fit. Viele Anzugsmarken haben diese drei Schnittformen im Sortiment. Letzterer ist sehr schmal geschnitten und tailliert. Den empfehle ich sehr schlanken, hochgewachsenen, aber auch kleineren Männern.

Welche Farben sind 2022 angesagt?
Blau ist schon lange angesagt und bleibt es weiterhin. Das reicht von Hell- über Royal- bis Dunkelblau. Blau ist einfach die Lieblingsfarbe der meisten Menschen, und man macht nichts falsch damit. Auch Grüntöne, Bordeaux und alle Beigevarianten sind gefragt. Ich persönlich finde es aber schöner, wenn der Anzug einen Kontrast zum Brautkleid bietet. Ich achte sehr darauf, wie gut dem Mann die Farbe steht und wie er sich darin fühlt. Manche Männer kommen zu mir und wollen Grau oder Schwarz. Bei einigen sieht das aber sehr hart aus.

Krawatte, Fliege, Einstecktuch: Welches Accessoire kommt in diesem Jahr besonders zum Zug und wieso?
Der Plastron. Das ist die breitere Krawatte. Man kann ihn in verschiedenen Varianten tragen: normal oder kunstvoll gebunden, als feinen Schal und mit Brosche verziert. Der Plastron ist das gewisse Etwas für den Bräutigam, so wie die Fliege und das Einstecktuch. In hellen Farben, wie Apricot, Creme und Silber, sind diese Details beliebt. Wichtig ist, dass das Einstecktuch die gleiche Farbe wie die Krawatte oder die Fliege hat. Der Gürtel und die Schuhe sind ebenfalls wichtig. Auch sie müssen den gleichen Farbton haben.

Einrichtung, Dekoration, Location und das Brautkleid: Auf welche Punkte achtet der Bräutigam bei der Anzugswahl?
In erster Linie ist die Art des Kleides sehr wichtig. Wenn sie ein Vintage-Kleid tragen wird, sollte er sich auch in diesem Stil kleiden und nicht im Frack erscheinen.

Wie kann man aus einem Anzug noch mehr rausholen und ihn noch spezieller machen?
Natürlich darf man ein schönes Hemd nicht vergessen. Es sollte im Farbton des Kleides sein. Da gibt es viele verschiedene Ausführungen: ganz klassisch, mit Fliegenkragen, mit verdeckter Knopfleiste oder mit Manschette. Es kann seiden, glänzend oder matt sein. Mit einer schönen Weste kann man den Anzug auch aufpeppen. Sehr schön ist auch die Boutonnière, das Blümchen, das man ins Knopfloch des Jackett-Revers steckt – das natürlich im gleichen Stil wie der Brautstrauss.

Wie unterscheidet sich der Moment, wenn ein Mann seinen Anzug findet, von demjenigen, wenn die Frau ihr Kleid findet?
Männer sind nicht ganz so emotional, doch ich beobachte je länger, je mehr, dass sie diesen Moment auch geniessen. Sobald das Outfit mit Schuhen komplett ist und ich die Länge gesteckt habe, ist das vor allem für die Männer, die nie so was tragen, speziell. Die einen sind dann sogar sprachlos und können nicht mehr aufhören zu staunen. Das sind herzige Momente. Letztes Jahr habe ich einem grossen Mann mit rötlichem Vollbart einen Vintage-Anzug mit Béret verkauft. Er sah so gut darin aus – wie aus einem englischen Film aus den 1930er Jahren entsprungen.

Welche Accessoires kann der Bräutigam zum Anzug kombinieren?
Neben dem Béret, den Hosenträgern oder der Brosche sehen zum Frack ein Zylinder und ein Stock sehr gut aus. Das gibt es aber nicht mehr so oft. Ein tolles Accessoire ist eine Taschenuhr mit einer Kette, die aus der Hosentasche hängt. Ansteck- und Krawattennadeln sind auch schön. Diese gibt es sehr pompös mit Strasssteinen oder auch dezent. Da sind viele Männer zuerst skeptisch, doch sobald sie so was am kompletten Outfit tragen, gefällt es ihnen. Mit Manschettenknöpfen kann man ebenfalls viel machen.

Wie steht es um die Schuhwahl?
Je festlicher die Hochzeit ist, desto schicker sollten die Schuhe sein. Zum Smoking passen Lackschuhe. Fallen Hochzeit und Anzug ungezwungener, legerer aus, passen lederne Sneakers sehr gut.

Wie haben sich die Hochzeitsanzüge in den letzten Jahren verändert?
Heute ist erlaubt, was gefällt. Das Sortiment wurde riesig, die Anzüge wurden verspielter, phantasievoller und vor allem praktischer. Die Stoffe wurden leichter und luftiger und die Anzüge komfortabler. Sie zerknittern weniger schnell und sehen den ganzen Tag super aus. Zum einen wird viel mit Glanzstoffen mit leichtem Schimmer gearbeitet. Zum anderen kam der Vintage-Stil wieder auf. Heute gibt es die Anzüge vielfach auch in Kinderausführungen. Viele Paare haben bereits Kinder oder leben in einer Patchworkfamilie. So können sich Vater und Sohn gleich kleiden.

Interview: Tanja Frei