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«Wir heiraten und feiern»-Beilage

«Der Fotograf ist der Schatten des Brautpaars»

Wenn sich das Brautpaar tief im Rausch der Gefühle befindet, hält der Hochzeitsfotograf all die Emotionen um es herum ungefiltert fest. Mischi Bodmer und Dave Honegger von Wedding Photography in Wetzikon erzählen, worauf es beim perfekten Hochzeitsfoto ankommt.

Tanja
Frei
Mittwoch, 16. Februar 2022, 08:00 Uhr «Wir heiraten und feiern»-Beilage

Dieser Beitrag wurde in der Verlagsbeilage «Wir heiraten und feiern» veröffentlicht, die am 16. Februar 2022 mit dem «Zürcher Oberländer» und dem «Anzeiger von Uster» erschienen ist.

Frau Bodmer und Herr Honegger, was ist für Sie das perfekte Hochzeitsbild?
Dave Honegger: Das perfekte Foto entsteht an einem warmen Sommerabend, bei schönem Wetter im Gegenlicht – am liebsten mit einem unserer Fotobusse im Hintergrund. Ein perfektes Foto hält den Moment ungestellt fest, so wie er gerade passiert. Somit wirkt es authentisch und natürlich.

Welches sind die schönsten Momente, die man als Hochzeitsfotograf erlebt?
Honegger: Der schönste Moment ist der, wenn alle anstossen und die Braut auch endlich mitmacht. Ab diesem Zeitpunkt nimmt der Stress ab, Gelassenheit kommt auf, die Gruppenfotos sind im Kasten und es muss nichts mehr gestellt werden. Das ist auch der Moment, wenn der Fotograf das erste Stück Torte essen darf. (lacht)

Wie bereiten Sie sich auf eine Hochzeit vor? Woher holen Sie sich immer wieder neue Inspiration?
Mischi Bodmer: Wir führen immer ein Vorgespräch mit dem Brautpaar. Da sprechen wir über die Location und fragen nach, ob wir bei Planungen, wie dem Zeitmanagement, helfen können. Wir besprechen, wie lange ein Shooting dauert und welche Aktivitäten wann stattfinden. Hochzeitspaare sind Laien – die meisten heiraten zum ersten Mal. Und wir bringen schon eine Menge Hochzeitserfahrung mit. Kurz vor der Hochzeit telefonieren wir nochmals und klären ab, ob sich allenfalls etwas geändert hat und wie es wettertechnisch aussieht. Inspiration holen wir uns dann auf der Hochzeit selbst.

Worauf freuen Sie sich jeweils am meisten?
Honegger: Auf das Brautpaar-Shooting. Die Paare sind dann übermotiviert und freuen sich, wenn sie einen ersten Blick auf die schönen Fotos werfen dürfen. Sie erkennen, dass sie mit diesen besonderen Fotos etwas zuhause haben werden, das sie vorher nicht hatten. Als Fotograf kommt man in diesem wichtigen Moment so richtig in Fahrt.

Wie lange bleibt ein Hochzeitfotograf auf einer Hochzeit?
Bodmer: Das kommt auf das Ausmass der Hochzeit und den Wunsch des Brautpaars an. Manchmal ist man von Anfang an dabei, wenn sich Braut und Bräutigam bereit machen, sich anziehen, frisiert und geschminkt werden. Wenn das Mami den Reisverschluss des Kleides zumacht und der Bräutigam die Knöpfe des Sakkos schliesst. Auf der Offerte endet unser Auftrag meistens um Mitternacht. Dies kann gerne spontan verlängert werden. Als Fotograf feiert man manchmal bis 2 Uhr mit.

Wie arbeiten Sie auf einer Hochzeit? Alleine oder gehen mehrere Fotografen mit?
Honegger: Meistens geht ein Fotograf alleine hin. Ausser wenn die Hochzeit an verschiedenen Orten stattfindet und die Location gewechselt werden muss. Dann gehen wir zu zweit los, damit sicher immer jemand am richtigen Ort ist. Da in der Schweiz auch die Hochzeitsvideos wichtiger werden, braucht es, wenn dies gewünscht wird, auch zwei Personen - den Fotografen und den Kameramann.

Wie gehen Sie mit dem Zeitdruck um, immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein zu müssen?
Honegger: Es gibt ein paar Punkte, die man nicht verpassen darf: der Kuss und der Ringtausch. Während der Trauung hat man viel Zeit und kann sich auf diese Momente gut vorbereiten. Ein guter Fotograf kann solche Momente nicht verpassen, er ist der Schatten des Brautpaars.

Wie handhaben Sie das, wenn bei den wichtigsten Momenten, wie dem Kuss, etwas schief geht?
Honegger: Es ist uns noch nie passiert, dass wir den Kuss verpasst hätten. Sollte das passieren, würden wir nachher einen Moment suchen, indem wir das Bild nochmals nachstellen können. Doch das ist für uns unvorstellbar. Die Wichtigkeit dieser Bilder ist so gross, da ist man einfach bei der Sache.

Wie kann sich das Paar auf den Fotografen vorbereiten?
Bodmer: Der Fotograf schwirrt immer und überall herum – das Paar sollte ihn nicht gross beachten. Das ist der wichtigste Tipp. Wir haben schon oft nach Hochzeiten gehört, dass das Paar gar nicht gemerkt hat, dass wir da waren. Und das ist perfekt, denn so erwischen wir die authentischsten Momente. Während des Vorbereitungsgesprächs nehmen wir dem Paar die meisten Sorgen. Wir erklären, wie Gruppenshootings funktionieren und wie man dabei Zeit spart.

Was passiert, wenn das Hochzeitspaar mit den Fotos nicht einverstanden ist?
Bodmer: Das passiert vielleicht in einem von hunderten Fällen. Mit der Bildbearbeitung kann viel gerettet werden. Fotos können nachträglich zugeschnitten oder in Schwarz-Weiss bearbeitet werden. Da wir den Paaren vorab unsere Fotobücher zeigen, wissen sie, welcher Stil sie erwartet. Sie suchen uns ja genau deshalb aus.

Hand aufs Herz. Wie fest werden Fotos wirklich bearbeitet?
Bodmer: Uns ist es wichtig, Fotos nicht zu retuschieren – wir machen keine Schönheitskorrekturen, denn wir wollen, dass die Leute sich darauf wiedererkennen. Wir legen einen frischen Look über die Bilder und geben ihnen damit das, was man wirklich auf der Hochzeit erlebt hat. Das Auge sieht Dinge anders, als die Kamera sie festhält. Ein Sonnenuntergang ist beispielsweise so intensiv, das kann die Kamera allein nicht festhalten.

Sie arbeiten nach einem interessanten Konzept: Der Fotograf bearbeitet seine Bilder nicht selbst - wieso? Kommen Fotograf und Bearbeiter nicht in einen Konflikt?
Bodmer: Lori macht bei uns die Bildbearbeitung. Er weiss genau, wie die Fotos aussehen müssen. Die Fotografen, die hier arbeiten, fotografieren alle so ähnlich, dass wir oftmals nicht mehr unterscheiden können, wer was fotografiert hat. Ob jemand für uns arbeiten kann, ist eine Stil- und Qualitätsfrage. Unser Stil ist frisch und warm. Am Schluss sieht man immer - egal wer am Werk war –, dass es Wedding Photography war.

Auf welches Foto sind Sie besonders stolz?
Honegger: Eine Braut wollte einmal ganz spontan im Hochzeitskleid in einen Pool springen. Das gab einzigartig schöne Fotos. Ein anderes Paar hat sich auf der Hochzeit die Ringe tätowieren lassen – ein einmaliger Moment, den wir festhalten durften.

Welche Hochzeit werden Sie nie mehr vergessen?
Honegger: Natürlich meine erste Hochzeit für Wedding Photography sowie eine tibetische. Das war ein unglaublich farbiger Tag. Die Braut trug einen Sari und der Geruch von Räucherstäbchen füllte den Raum während der Trauung. Der Bräutigam trug ein pompöses Gewand und einen riesigen Hut. Allgemein sind internationale Hochzeiten speziell für uns, weil es interessant ist, einen Einblick in die Traditionen zu erhalten. Albanische Hochzeiten gefallen uns auch sehr gut. Das sind immer grosse Feste und es wird viel getanzt – die wissen einfach, wie man feiert.

Welche ist die schönste und fotogenste Hochzeitslocation im Zürcher Oberland?
Bodmer: Ganz klar die Juckerfarm. Aber auch Schlösser, wie jenes in Grüningen, geben viel her. Nicht direkt im Oberland, aber auch sehr zu empfehlen sind die Moschti in Stäfa, der Park des Enea-Tree-Museums in Rapperswil oder die Sagibeiz in Murg am Walensee. Auch der Traumgarten in Thalwil und der Giardina Verde in Uitikon erwiesen sich als unglaublich fotogen.

Interview: Tanja Frei