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Zweitgutachten erstellt

Was passiert mit der Kastanie am Bahnhof Wetzikon?

Mitte Dezember musste die kränkelnde Rosskastanie am Bahnhof Wetzikon aus Sicherheitsgründen zurückgeschnitten werden. Eine mögliche Fällung sorgte für Aufruhr – jetzt informiert der Stadtrat über das weitere Vorgehen.

Redaktion
Züriost
Freitag, 21. Januar 2022, 07:30 Uhr Zweitgutachten erstellt

Alle, die ab und zu am Wetziker Bahnhof vorbeikommen, kennen die grosse Rosskastanie neben dem Bushof. Die Verbindung zum 120 Jahre alten Baum ist für viele Wetzikerinnen und Wetziker sehr emotional. Dem ist sich auch der Stadtrat bewusst, wie er in einer Medienmitteilung vom 20. Januar schreibt.

Mitte Dezember wurde die Kastanie in Absprache mit der SBB, der Grundeigentümerin, zurückgeschnitten
wegen des Sicherheitsrisikos für ÖV-Passagiere. Auch eine Fällung wurde diskutiert. Das rief den Naturschutzverein Wetzikon-Seegräben auf den Plan. Mit einer Petition wollte er unter anderem eine Aufschiebung der Massnahme bewirken.

Das Bild zeigt die Rosskastanie am Bahnhof Wetzikon mit einem Schild des Naturschutzvereins zum Erhalt des Baumes.
Alte und grosse Bäume sind im Wetziker Stadtbild selten und schützenswert, schrieb der Naturschutzverein in der Petition.
Foto: Severin Kolb

Pascal Bassu (SP), Stadtrat für Tiefbau und Energie, sagte damals gegenüber «Züriost»: «Es täte auch mir im Herzen weh, würden wir so ein imposantes Stadtbild verlieren. Doch der Baum ist krank.» Letzteres habe ein Gutachten vom vergangenen September gezeigt.

Regelmässiges Zurückschneiden

Nach dem Rückschnitt liess der Stadtrat ein Zweitgutachten zum Baum erstellen. Dieses bestätigt, dass sein Gesundheitszustand nach wie vor kritisch ist, wie die Stadt schreibt. Nichtsdestotrotz «wird ein vorläufiger Erhalt des Baumes angestrebt», was regelmässige Kontrollen und Pflegemassnahmen erfordert. «Mit grosser Wahrscheinlichkeit» muss er auf diese Weise bis zur Sanierung des Bushofs nicht gefällt werden.

Aus Sicht des Gutachters sei ein längerfristiger Erhalt aber nicht sinnvoll. Es sei jedenfalls nicht sicher, ob sich die Vitalität der Kastanie verbessern könnte. Zudem wäre die Verkehrssicherheit wegen der bestehenden Schäden am Baum weiterhin beeinträchtigt. Immer wieder werde man ihn zurückschneiden müssen. Das sei «ästhetisch unbefriedigend».  

Platz für Nachfolger

Ist der Aufwand also nicht mehr verhältnismässig oder die Sicherheit der Menschen gefährdet, könnte das das Ende der Rosskastanie bedeuten. Sie bekäme mindestens zwei «grosskronige und standortgerechte» Nachfolger. Das hat der Stadtrat in der Sitzung vom 12. Januar beschlossen.

Ob die Bäume in unmittelbarer Nähe des aktuellen Standorts gepflanzt werden können, wird nun im Rahmen der behindertengerechten Aufrüstung des Bushofs Wetzikon überprüft. Die Baumart ist indes noch unklar, der Stammumfang soll aber etwa 25 Zentimeter betragen.

Dass man einen Ersatzbaum verlangt, hat Stadtrat Bassu schon im Dezember angekündigt. Aber: «Natürlich wird es 20 bis 30 Jahre dauern, bis die Bevölkerung ein ähnliches Bild wie heute sehen wird.» (npl)

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