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Abgeschlossener Test in Uster

Velofahrer sind für neuen Radweg – Automobilisten verunsichert

Auf der Brandstrasse in Uster wird den Velofahrern seit letztem Jahr mehr Platz eingeräumt – auf Kosten der Automobilisten. Die Stadt Uster zeigt sich mit dem Testversuch zufrieden, Autofahrer sind mit der Situation aber noch überfordert.

David
Marti
Samstag, 15. Januar 2022, 18:25 Uhr Abgeschlossener Test in Uster

Seit April sind auf der Brandstrasse in Uster trotz schmaler Strasse zwei 1,5 Meter breite Radstreifen eingezeichnet. Wie die Stadt in einer aktuellen Medienmitteilung schreibt, soll damit der Veloverkehr sichtbarer und sicherer werden.

Das Ganze war als Versuch geplant. Die Abteilung Bau wollte unter anderem prüfen, ob Velofahrerinnen und -fahrer aufgrund der Markierung weniger auf das Trottoir ausweichen. Über die Brandstrasse fahren laut Angaben der Stadt durchschnittlich 2200 Fahrzeuge pro Tag, rund 400 davon sind Velos. 

Velos im Vorteil

Nach knapp zehn Monaten zieht die Stadt nun ihr Fazit aus dem Test. Dieses zeigt, dass die Velofahrer besser mit dem neuen Verkehrsregime zurechtgekommen sind, als die Automobilisten.

Bauvorstand Stefan Feldmann (SP) lässt sich in der Mitteilung zitieren: «Insgesamt hat die Markierung der Radstreifen in der Brandstrasse während des Versuchs eine sehr positive Veränderung zu Gunsten der Velofahrenden bewirkt.»

Diese würden sich auf der Strasse sicherer fühlen. Ein Indiz dafür sei, dass sich der Anteil der Velos auf dem Trottoir mehr als halbiert habe. Trotz der engeren Fahrspuren für die Autofahrer seien keine Unfälle registriert worden.

Verunsicherte Autofahrer

Für ihre Analyse hat die Stadt im Herbst auch eine Umfrage durchgeführt. Laut dieser sprachen sich 84 Prozent der Velofahrer dafür aus, das Konzept auf der Brandstrasse beizubehalten.

72 Prozent würden sich zudem wünschen, dass es auf ähnliche Strassen in der Stadt ausgeweitet werde.

Auf der Strasse fährt ein Mann, es ist der Ustermer Stadtrat Stefan Feldmann, mit seinem Fahrrad.
Stadtrat Feldmann demonstrierte das Fahren auf dem breiteren Radweg im vergangenen April gleich selber. (Foto: Christian Merz)

Anders sieht es dagegen beim motorisierten Verkehr aus: «Autofahrende sind eher kritisch eingestellt», heisst es. Auf Anfrage präzisiert Stefan Feldmann: «62 Prozent der Autofahrer waren verunsichert, weil sie nicht wussten, ob sie den Radstreifen benützen dürfen oder nicht.»

Für einige sei das Befahren der Brandstrasse deshalb etwas ungewohnt gewesen. Gut 250 Personen haben gemäss Feldmann an der Umfrage teilgenommen.

«Man muss das Strassenverkehrsgesetz schon kennen.»

Markus Ehrensperger (SVP), Fraktionspräsident 

Die Stadt Uster will die Radstreifen an der Brandstrasse nach Absprache mit Stadt- und Kantonspolizei nun beibehalten und geht gar noch weiter. Aus ihrer Sicht eignen sich weitere Strassenabschnitte für eine analoge Gestaltung mit Velostreifen. In Frage kämen etwa die Bankstrasse zwischen Winterthurer- und Dammstrasse, die Haberweidstrasse, die Industriestrasse und die Gschwaderstrasse zwischen Zürichstrasse und Loren-Allee.

Ob sich diese vergleichsweise schmalen Strassen für die Markierung von Velostreifen eignen, soll nun in Rücksprache mit der Kantonspolizei im Detail untersucht werden.

SVP befürwortet breiteren Veloweg

Auch die Ustermer SVP, die sich in der Regel für die Automobilisten stark macht, wie derzeit mit der Unterschriftensammlung für die Volksinitiative «In Uster konsumieren – lokal parkieren», formiert keinen Widerstand gegen die Pläne des Stadtrates. Fraktionspräsident Markus Ehrensperger (SVP) sagt: «Damit wurde eine Möglichkeit geschaffen, um die Strasse für den Velofahrer attraktiver zu machen, ohne den Autofahrer zu plagen.»

Dass die Automobilisten unsicher sind, ob sie den Radweg befahren können, kann Ehrensperger nicht nachvollziehen. «Man muss das Strassenverkehrsgesetz schon kennen.»

Zudem würden verunsicherte Autofahrer langsamer und damit auch vorsichtiger durch die Strassen fahren, was eine gute Sache sei. Auch gegen die Ausweitung solcher Strassenabschnitte wie es die Stadt plant, hat Ehrensperger nichts einzuwenden. «Solange es ein Miteinander auf den Strassen ist und der motorisierte Verkehr nicht eingeschränkt wird, ist das in Ordnung.»

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