×
Hotzehuus-Verein Illnau-Effretikon

Kochen, Heimwerken, Stricken, Reparieren

Das neue Jahrheft des Hotzehuus-Vereins zeigt anschaulich, was im hauswirtschaftlichen und handwerklichen Bereich alles möglich ist. Der Fokus liegt dabei auf dem Thema «sälber gmacht».

Luca
Da Rugna
Montag, 27. Dezember 2021, 17:30 Uhr Hotzehuus-Verein Illnau-Effretikon
Das Ehepaar Wyss aus Rikon mostet seit 30 Jahren und verarbeitete manchmal 1,5 Tonnen Äpfel pro Jahr.
Foto:PD

In früheren Zeiten mussten Menschen in vielen Bereichen selbst Hand anlegen, um zum Ziel zu gelangen. Dies in unzähligen Lebensbereichen. Seit der Corona-Pandemie scheint der Trend «selber machen» wieder populär geworden zu sein. Das neue Jahrheft des Hotzehuus-Vereins zeigt anschaulich, was im hauswirtschaftlichen und handwerklichen Bereich alles möglich ist.

Passende Themenwahl

Für das Jahrheft ist Lotti Isenring verantwortlich. Sie ist bereits seit 2015 mit dabei und war schon zum siebten Mal an der jährlichen Ausgabe beteiligt. Das erste Jahrheft des Vereins erschien bereits 1995. «Jeweils zwischen Beginn und Frühling des neuen Jahres setze ich mich mit meinen Mitredaktorinnen zusammen, damit wir ein Thema bestimmen können», sagt Isenring.

Aufgrund der pandemischen Lage, durch die Menschen in vielen Lebensbereichen zum Umdenken bewegt wurden, habe man sich für die Jahrheftausgabe 2022 explizit mit dem Thema «sälber gmacht» beschäftigt und die Region nach Menschen abgeklappert, die dazu mit eigenen Ideen und Kreationen überzeugen konnten.

«Auch habe ich in den Medien gelesen, dass seit Frühling 2020 die Nachfrage für Nähmaschinen und Nähzubehör immens angestiegen ist», so Isenring. So habe man sich dann für einen von elf Texten für das Jahrheft auf die Suche nach Personen gemacht, welche die Leidenschaft des Nähens pflegten.

«Das Thema Nachhaltigkeit wird zurzeit grossgeschrieben und scheinbar ist man vielerorts darauf bedacht, Dinge selbst herzustellen, die auch länger haltbar sind.»

Lotti Isenring, Redaktorin Hotzehuus-Verein 

«Das Thema Nachhaltigkeit wird zurzeit grossgeschrieben und scheinbar ist man vielerorts darauf bedacht, Dinge selbst herzustellen, die auch länger haltbar sind», sagt Isenring. So bringen die Texte des neuen Jahrhefts der Leserschaft auch Themen wie Kochen, Heimwerken, Stricken, Reparieren oder Renovieren näher.

Der Effretiker Biochemiker Arie Bruinink an seiner selbst konstruierten Brauanlage.

Eigenes Bier? Warum nicht

Der Biochemiker Arie Bruinink aus Effretikon übt sich seit längerem in der Kunst des Bierbrauens. Insgesamt bietet er unter der Marke «Guldibucker» sieben verschiedene Sorten Bier an, die er in seiner selbstgebauten 50 Liter-Anlage herstellt.

Im Jahrheft 2022 wird sein persönliches Schaffen umfangreich vorgestellt. Bruinink beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Brauen an sich, sondern hat hinzu seinen eigenen Keller umgebaut und unterhält ein kleines «Bierstübli». Seine Handfertigkeiten brachte sich der Brauer allesamt autodidaktisch bei. Neu stellt Bruinink sein Hausbier sogar mit dem Hopfen her, der seit diesem Jahr in seinem selbstangelegten Garten wächst.

Wiener Keramikkunst

«Diese ältere Dame schafft nicht nur einzigartige Kunst, sondern überzeugt auch in anderen Gebieten mit ihrem Lebenswillen», sagt Isenring. Die Rede ist von Martha Fumagalli, gebürtige Lerchl, die als damals 60-Jährige eine Lastwagenprüfung absolviert hat, um einen 17 Meter langen Campingwagen fahren zu dürfen.

«Diese ältere Dame schafft nicht nur einzigartige Kunst, sondern überzeugt auch in anderen Gebieten mit ihrem Lebenswillen.»

Lotti Isenring, Redaktorin Hotzehuus-Verein

Die Illnauerin erlebte als Kind die Wiener Hungerjahre nach dem Zweiten Weltkrieg, kam über Umwege zu einer Familie nach Grafstal und beschäftigt sich gerne mit der Porzellanmalerei. Die Passion dafür wurde einst am Effi-Märt 1978 in ihr geweckt und dauert bis heute an. Da diese Kunst durch feinste Pinselstriche entsteht, ist es Fumagalli möglich, auch im betagten Alter noch tatkräftig kreativ zu bleiben.

Porzellanmalerei von Martha Fumagalli aus Illnau.

Mosten und Renovieren

Der grösste Beitrag ist dem Ehepaar Wyss aus Rikon mit ganzen vier Seiten gewidmet. Die Beiden in vielen Gebieten handwerklich talentierten, haben mit einem Kleinkredit von 50'000 Franken ihr Bauernhaus mit eigenen Händen über Jahre hinweg renoviert, pflegen einen Weinberg und stellen mit einer antiken Räder-Joch-Presse aus dem Jahr 1931 ihren eigenen Most her. Gemostet wird seit 30 Jahren mit «Blauacher», «Boskop», «Schneider»-Äpfeln und «Sauergrauech».

Früher verarbeitete das Ehepaar anderthalb Tonnen pro Jahr. Nun reichen ihnen 500 Liter für den Eigenbedarf und die Nachbarschaft, die sich bei der Verarbeitung ebenfalls beteiligt. Auf Anfrage von Lotti Isenring übernahm Elisabeth Wyss sogar einen redaktionellen Beitrag für das Jahrheft. Darin dreht sich alles um indische Spezialitäten.

Elisabeth Wyss an der antiken Räder-Joch-Presse aus dem Jahr 1931.

Nach dem Motto «nötig, günstig, einzigartig, sälber gmacht» hat der Hotzehuus-Verein in Zusammenarbeit mit der Stadt Illnau-Effretikon das neue Jahrheft 2022 veröffentlicht. In elf Beiträgen wird im neuen Jahrheft, das in der letzten Woche bereits in 1400 Haushalte versandt wurde, die Leidenschaft der Eigenproduktion in Themenfeldern wie Bierbrauen, Renovieren, Stricken, Mosten oder der Porzellanmalerei, dargestellt. Eine Chronik ruft zudem Ereignisse des vergangenen Jahres in Erinnerung. Insgesamt wurden 2000 Exemplare gedruckt, von denen weitere im Stadthaus Effretikon oder in den Bibliotheken Effretikon und Illnau oder unter www.hotzehuus.ch zu beziehen sind. Der Preis für ein Heft beträgt 10 Franken.

Kommentar schreiben