×
Beilage «Weihnachtszeit»

Nachhaltiges aus dem «Chelleland»

Nachhaltige Geschenke sind im Trend. Bei der Nef Holzwaren AG in Bauma zeigt sich, was die Faszination für Spiele, Küchenwerkzeug und Bastelartikel aus natürlichen Materialien ausmacht.

Lennart
Langer
Mittwoch, 24. November 2021, 08:00 Uhr Beilage «Weihnachtszeit»

Dieser Beitrag wurde in der Verlagsbeilage «Weihnachtszeit» veröffentlicht, die am 24. November im «Zürcher Oberländer» und dem «Anzeiger von Uster» erschienen ist.

Die Maschinen dröhnen, die Sägespäne fliegen: In der Vorweihnachtszeit herrscht in der Werkstatt der Nef Holzwaren AG in Bauma besonders viel Betrieb. Die neun Mitarbeitenden hobeln, schleifen, sägen – und verpacken. «Für Sonderanfertigungen sind wir ausgebucht», sagt Inhaber und Geschäftsführer Walter Nef. Schneidebrettchen oder Foodpicker mit individuellem Branddruck oder exklusiver Lasergravur sind eine Spezialität des Holzwarenproduzenten aus dem Tösstal. Unternehmen lassen sie als Kundengeschenke oder etwa als spezielle Accessoires für Weihnachtsfeiern herstellen.

Aber nicht nur bei Unternehmen erhält der Nachhaltigkeitsgedanke an Weihnachten eine immer grössere Bedeutung. Auch unter dem privaten Weihnachtsbaum landen immer weniger Billigprodukte aus Plastik. Dementsprechend gefragt sind Geschenke aus natürlichen und langlebigen Materialien. Auch Walter Nef, Inhaber der Nef Holzwaren AG, spürt diese Entwicklung. «Es gibt einen Trend zum Nützlichen und Nachhaltigen.» Das sei natürlich ein Vorteil, meint Nef, der seine Werkstatt schon seit 46 Jahren betreibt.

«Vieles ist noch Handarbeit»

Schon damals war die Faszination für Holz im Leben von Nef zentral. Er hatte eine Ausbildung als Wagner abgeschlossen, als er 1970 aus dem Tösstal in die weite Welt aufbrach. Zuerst nach Griechenland, wo er unter anderem mit einem Norweger zusammenarbeitete, der eine Holzspielwarenfabrik aufziehen wollte. Ein paar Jahre später zog es ihn nach England. Dort entdeckte er das Logikspiel Mastermind. Das Spiel fand Nef toll - das Material weniger: Es war Kunststoff. Also machte sich der Tösstaler zurück in der Schweiz an die Arbeit und stellte ein Mastermind aus Holz her. Es war der Anfang der Nef Holzwaren AG, die im Lauf der Jahre zu einem beachtlichen Unternehmen herangewachsen ist. Geplant war das eigentlich gar nicht. «Es hat sich so ergeben», sagt Nef und lacht.

Walter Nef und «sein» Mastermind: Das Logikspiel stand am Anfang der Nef Holzwaren AG. (Foto: Lennart Langer)

Viele der Mitarbeitenden sind schon seit über 20 Jahren dabei, und geschätzt werden sie sehr. «Unser Überleben hängt von der Qualität ab. Vieles ist bei uns noch Handarbeit», erzählt Nef bei einem Rundgang durch den Betrieb. «Früher habe ich alle Herzen und Rondellen noch von Hand ausgesägt. Heute übernehmen präzise Maschinen einige Arbeitsschritte.» Aber jede Kelle wandert für den Feinschliff nochmals durch die Hände eines Mitarbeiters, bevor sie irgendwo in der Schweiz in einer Küche landet. Für Nef ist es wichtig, dass die Mitarbeiter hinter dem Betrieb stehen und sich damit identifizieren.

Branddruck für Individualität

Holzverarbeitung hat im Tösstal Tradition – man nennt das Tal auch «Chelleland». Im Winter, wenn es auf dem Feld nichts zu tun gab, schnitzten die Bauern Kellen aus Holz, ihre Frauen verkauften sie auf dem Markt. Walter Nef hält die Kellentradition weiterhin am Leben. Vor zehn Jahren nahm er die traditionellen Küchengeräte in sein Sortiment auf, heute gehören die anfänglich wenig gefragten Kellen fix zum Angebot – der flache Griff eignet sich gut, um Werbebotschaften einzubrennen. Auch ein Schweizer Grossverteiler lässt bei Nef produzieren. Das Ahornholz stammt aus dem Zürcher Oberland.

Laser mit Präzision: Hier entstehen Foodpicker. (Foto: Lennart Langer)

Im hinteren Teil der Werkstatt steht eines der Herzstücke des Betriebs: Eine alte Oberfräse, die Walter Nef vor einigen Jahren zur Brennmaschine umfunktioniert hat. Auf dieses Spezialwerkzeug ist Nef besonders stolz, denn dadurch erhalten die Holzwaren ihre individuelle Note. Auf Kellen und Schneidebrettchen werden hier in einem aufwendigen Verfahren Botschaften und Symbole gebrannt. Für jeden Auftrag muss eigens ein sogenanntes Cliché, also eine Druckvorlage, vorbereitet werden. Für kleinere Stückzahlen besonders filigraner Arbeiten wie das Bedrucken der kleinen Foodpicker steht im Untergeschoss auch noch eine Lasermaschine für Gravuren bereit.

Brettspiele aus Holz sind gefragt

Bei der Nef Holzwaren AG zieht sich die nachhaltige Produktion durch alle Bereiche. Alte Kartonschachteln werden zu Stopfmaterial verarbeitet, die Sägespäne landen gepresst im Heizungsofen. Die Hauptrolle spielt aber die Herkunft des Holzes. Das Massivholz ist FSC-zertifiziert und stammt aus der Schweiz. Gewisse Kunden verlangen sogar ausdrücklich Holz aus dem Tösstal. «Die Leute wissen, dass der Wald in der Schweiz schonend genutzt wird», sagt Walter Nef. Das hat allerdings seinen Preis. «Doch den höheren Preis akzeptieren die Leute, wenn dafür die Qualität stimmt.» 

Das Mastermind-Spiel, das den Grundstein zum Unternehmen lieferte, gibt es heute noch bei Nef zu kaufen. Inzwischen vertreibt er es nicht mehr nur über ausgewählte Spielwarenhändler, sondern seit vergangenem Juni auch über einen eigenen Webshop. Auch Halma, Mühle, Solitaire oder Eile mit Weile gibt es da aus solidem Holz. «Holz ist unglaublich vielseitig. Es hat eine gute Handhabung und ist gut zu verarbeiten», erklärt der Fachmann seine Faszination für das natürliche Material.

Gerade zur Weihnachtszeit gehören Spiele nach wie vor zu den Verkaufsschlagern. Aber auch Bastel- oder Dekorationsmaterial ist gefragt. Walter Nef beginnt über das ganze Gesicht zu strahlen, wenn er darüber spricht. Denn fast noch mehr als das Material Holz begeistern ihn die Rückmeldungen der Bastler und Spieler, die er immer wieder für die mit Leidenschaft erstellten Holzwaren erhält. «Es stellt mich auf, dass die Leute die Produkte toll finden.» 

Weihnächtliche Verzierung: Die Kerzenhalter sind zum Ausmalen gedacht. (Foto: Lennart Langer)