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«50Plus»-Beilage

Schwingen statt springen im Präventiv-Medizinischen Trampolintraining

Im Präventiv-Medizinischen Trampolintraining wird der ganze Körper aktiviert, ohne dass man dabei wirklich hüpft. Elvira Gautschi und Sabina Betschart sind zufällig auf das Training gestossen und bieten seither Lektionen in ihrem Studio in Hinwil an.

Melina
Aeschbach
Dienstag, 12. Oktober 2021, 08:44 Uhr «50Plus»-Beilage
Sabina Betschart und Elvira Gautschi unterrichten Soft-Gym-Trampolin PMT in ihrem Studio in Hinwil
Foto: Melina Aeschbach

Dieser Beitrag wurde in der Verlagsbeilage  «50 Plus» veröffentlicht, die am 6. Oktober mit dem «Zürcher Oberländer» und dem «Anzeiger von Uster» erschienen ist.

«Die Augen blicken in die Ferne, die Fersen drücken nach unten.» Sabina Betschart steht auf einem Gymnastiktrampolin und erklärt den Swing-Walking-Schritt. Im Takt der Musik wippt sie auf und ab, doch ihre Füsse bleiben stets auf der Sprungmatte des Trampolins. Nicht gerade, was man sich unter einem Trampolintraining vorstellen könnte.

Doch genau das zeichnet das Präventiv-medizinische Trampolintraining «PMT Swing-Walking» aus. Ganz nach dem Motto «Schwingen statt springen» wird altersbedingten Einschränkungen entgegengewirkt, beziehungsweise vorgebeugt. «PMT ist ein vollumfassendes Ganzkörpertraining», sagt Elvira Gautschi. Seit über 35 Jahren bietet sie in ihrem Studio Gym Dance Move in Hinwil die verschiedensten Tanz- und Gymnastikkurse für alle Altersgruppen an. Dazu gehört seit vergangenem Herbst auch das Soft-Gym-Trampolin PMT – unterrichtet von ihr selber und Sabina Betschart. In diesem Herbst bieten die beiden die nächsten Einführungstrainings an.

Die Füsse bleiben im Präventiv-Medizinischen Trampolintraining stets auf der Sprungmatte. (Foto: Ruth Müller)

Das Training ist vor allem auf den älter werdenden Körper abgestimmt. Wie zum Beispiel auf Menschen mit Gleichgewichtsproblemen, operierten Gelenken oder verspannungsbedingten Rückenschmerzen, die deshalb nicht in einer herkömmlichen Gymnastikstunde mitturnen können. Trotzdem beschränkt sich PMT nicht auf eine bestimmte Altersgruppe.  «Ich zum Beispiel bin noch nicht 50», sagt Sabina Betschart schmunzelnd. «Es kommt sehr auf die Person und den Effekt an, den sie für sich möchte.» Dennoch handelt es sich um ein Gesundheitstraining und kein Leistungstraining.

Beschwingt zu mehr Gesundheit

Das Gesundheitstraining spricht den ganzen Körper an, stimuliert und aktiviert ihn bis in die kleinste Zelle. Elvira Gautschi demonstriert dies an einem weichen, pinkfarbenen Ball mit einem Lachgesicht drauf, der eine Körperzelle darstellen soll. Elvira Gautschi zieht ihr überdimensionales Zellmodell auseinander und drückt es wieder zusammen. Diese Bewegung sei beim Swing Walking im ganzen Körper spürbar.

«Manche sagen, sie haben viel weniger Rückenbeschwerden.»

Sabina Betschart, PMT Swingwalking Trainerin

So werden auch unwillkürliche Muskeln aktiviert, die bewusst nicht trainiert werden können. Sie werden zum Ausgleichen und Stabilisieren auf der beweglichen Unterlage gebraucht. Trainiert wird jedoch nicht nur das Gleichgewicht. Eine der grössten Herausforderungen ist die Koordination der Bewegungen. Insgesamt gibt es zwischen 10 und 15 Grundschritte. Diese können beliebig aneinandergereiht und mit den verschiedensten Übungen und Armbewegungen kombiniert werden. Deshalb sieht das Training auch jedes Mal anders aus. «Das fordert die Leute sehr heraus», sagt Betschart. Doch genau diese erhöhte Konzentration ist es, die ein effizientes Training ausmacht.

Und dieses zeigt seine Wirkung. Die Fortschritte ihrer Teilnehmer zu sehen, ist für Sabina Betschart und Elvira Gautschi etwas vom Schönsten am Unterrichten. «Manche sagen, sie haben viel weniger Rückenbeschwerden, stolpern weniger oder können mit dem Velo wieder engere Kurven fahren», meint Sabina Betschart.

PMT statt Aquafit

Die Begeisterung der beiden Trainerinnen ist spürbar. Sie sind durch Zufall auf die neue Trainingsart gestossen. Lange unterrichtete Elvira Gautschi Aquafit. Um die 40 Frauen nahmen regelmässig daran teil. Einige von ihnen waren körperlich so stark eingeschränkt, dass sie nicht an einem herkömmlichen Gymnastiktraining hätten teilnehmen können oder wollen. Als das Schwimmbad in Hinwil jedoch vorübergehend zuging, musste sich Gautschi etwas Neues einfallen lassen. Und dabei stiess sie auf das etwas andere Trampolintraining.

Mittlerweile überzeugt sie dieses noch mehr als das Wasser. «Es ist effizienter und weniger aufwändig», so Gautschi. Das war auch die Grundidee des PMT. Die Leute zu animieren, auch zu Hause etwas für die Fitness zu machen.

Schwingen ist nicht springen

Zwar sind Trampolintrainings kein neues Phänomen. «Als ich jung war, kam gerade das Rebounding auf», sagt Elvira Gautschi. Doch das war, wie die Hinwilerin meint, ein richtiges «Gumpitraining». Für solche Powertrainings, die ebenfalls angeboten werden, brauchen die Teilnehmer die Stange am Trampolin, um sich abzustützen. Beim PMT wird diese grundsätzlich nicht gebraucht.

Die Stange am Trampolin wird für das PMT üblicherweise nicht gebraucht. (Foto Ruth Müller)

Solche klassische Sprungtrainings sind nicht jedermanns Sache. Viele schreckt der Begriff «Trampolin» darum gleich ab. Gerade Frauen, die bereits geboren haben, haben oft einen geschwächten Beckenboden. Springen ist dann so ziemlich das Letzte, was sie machen möchten. Auch deshalb ist Betschart und Gautschi die Klarstellung sehr wichtig, dass es sich beim Swing Walking eben genau darum handelt – um Gehen, beziehungsweise Schwingen und nicht Springen.