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Züge, Depot, Doppelspur

Forchbahn will hunderte Millionen investieren

Rund 25 kleinere und grössere Massnahmen will die Forchbahn bis 2030 zur Modernisierung ihrer Anlagen umsetzen. Ein Überblick über die grössten Projekte.

Redaktion
Tamedia
Dienstag, 12. Oktober 2021, 20:45 Uhr Züge, Depot, Doppelspur
Bis 2030 plant die Forchbahn AG eine Rundumerneuerung.
Foto: Manuela Matt

Die Forchbahn ist seit 1912, als beinahe 110 Jahre, in Betrieb. Nur rund die Hälfte, nämlich 60 Jahre, beträgt die durchschnittliche Lebensdauer einer Eisenbahninfrastruktur. Just so lange ist der letzte grosse Investitionsschub bei der Forchbahn nun her, wie Geschäftsführer Hanspeter Friedli erklärt. «Die Zeit für neue, grosse Investitionen ist gekommen.»

Unter dem Titel «Investitionsprogramm ‹Frieda 2030›» hat die Forchbahn rund 25 kleinere und grössere Projekte für die Sanierung und Modernisierung ihrer Anlagen zusammengefasst und am Dienstag im Rahmen einer Medienkonferenz erstmals öffentlich präsentiert.

Der 1976 eröffnete Tunnel zwischen Neuer Forch und Waltikon ist in die Jahre gekommen. (Foto: Sabine Rock)

Sanierung Tunnel Zumikon

Der 1976 eröffnete Tunnel zwischen Neuer Forch und Waltikon ist in die Jahre gekommen. Die Fahrleitung hat ihre Nutzungsdauer erreicht, die Holzschwellen sind morsch, und die Weichen spüren die Belastungen der täglichen Fahrten. Dementsprechend bedarf das Bauwerk einer umfassenden Sanierung.

Bereits Anfang 2022 sollen die Arbeiten starten. Hierzu wird auf der Neuen Forch direkt neben dem Tunnelportal eine 3500 Quadratmeter grosse Installationsfläche in Betrieb genommen. Ab April erfolgt dann die effektive Sanierung. Zwei Jahre wird der Komplettersatz von Fahrbahnen und Weichen voraussichtlich dauern. Die Arbeiten werden während des laufenden Bahnbetriebs durchgeführt. In der ersten Etappe wird die seeseitige Tunnelhälfte saniert, danach die andere. 25 Millionen Franken sind dafür bei der Forchbahn veranschlagt.

Der Bahnübergang Trichtenhauserstrasse soll eine Barriere erhalten. (Foto: Tamedia)

Sicherung Bahnübergänge Zollikerberg und Egg

Ebenfalls im Jahr 2022 plant die Forchbahn die drei Bahnübergänge Binzstrasse und Trichtenhauserstrasse in Zollikerberg sowie Rällikerstrasse in Egg für 2,5 Millionen Franken mit Barrieren auszurüsten. Dies, weil es regelmässig zu Kollisionen kommt. Ausserdem schreibt das Eisenbahngesetz und die entsprechende Verordnung seit 2003 vor, dass Bahnübergänge gesichert werden müssen.

Bereits 2014 hatte die Forchbahn AG deswegen ein Projekt für Bahnschranken an den drei Kreuzungen beim Bundesamt für Verkehr (BAV) eingereicht. Einsprachen - etwa auch vom Gemeinderat von Zollikon - haben die Umsetzung aber bisher verhindert. Als Grund für den Kampf gegen die Bahnschranken wurde stets die Angst vor einem Rückstau auf der sowieso schon stark befahrenen Forchstrasse genannt. Anfang 2021 hat das BAV die Einsprachen – darunter jene des Zolliker Gemeinderats sowie eine des Quartiervereins – abgewiesen. Die Rekurrenten sind daraufhin ans Bundesverwaltungsgericht gelangt. Ein Entscheid ist noch hängig.

Die 8 Züge des Typs Be 4/4 sind nicht behindertengerecht und sollen durch Niederflurzüge ersetzt werden. (Foto: Sabine Rock)

Anschaffung neuer Kursfahrzeuge

Die älteste Fahrzeuggeneration der Forchbahnflotte entspricht nicht mehr den heutigen Bedürfnissen – so sind sie etwa nicht behindertengerecht. Ausserdem sind Komponenten und Systeme für einen Teil der Fahrzeuge auch nicht mehr lieferbar. Die Forchbahn plant aus diesem Grund die Beschaffung von 8 neuen Niederflurzügen mit einer Länge von 75 Metern. Die Ausschreibung soll im kommenden Jahr erfolgen. Die Beschaffungskosten werden auf rund 95 Millionen Franken geschätzt.

Die Forchbahn verfolgt eine sogenannte Zweiflottenstrategie. Die 13 Fahrzeuge des Typs Be 4/6, welche 2003 angeschafft wurden, bleiben daher zusätzlich zu den 8 neuen Zügen in Betrieb.

Die Forchbahn fährt heute schon mit 75 Meter langen Kompositionen und erreicht dabei vor allem in den Stosszeiten wiederholt die Kapazitätsgrenzen. Weshalb also sind die neuen Züge nicht länger? Die Fahrzeuge der Forchbahnen verkehrten ab Rehalp auf Stadtgebiet im sogenannten Strassenbahnsystem, erläutert Hanspeter Friedli. Viele dieser Haltestellen seien zwecks kurzer Umsteigwege für die Kunden in Kreuzungsgebieten gebaut. «Längere Züge würden daher den Verkehr blockieren.»

Die Haltestelle Waldburg soll behindertengerecht ausgebaut werden. (Foto: Manuela Matt)

Ausbau Haltestellen Waldburg und Scheuren

Im April 2020 wurde die Haltestelle Spital Zollikerberg nach neusten Vorschriften ausgebaut. Gleiches plant die Forchbahn auch für die Station Waldburg. Losgehen soll es im Sommer 2023. Vorgesehen ist, das Mittelperron zu verlängern und zu erhöhen und durch eine neue Personenunterführung mit neuen Rampen-, Lift- und Treppenzugängen zu erschliessen. Das Perron wird über die ganze Fläche überdacht. 19,5 Millionen Franken sind dafür veranschlagt.

Für rund 10 Millionen wird im Sommer 2023 auch der Bahnhof Scheuren behindertengerecht ausgebaut. Zwischen der Haltestelle und dem Tunnelportal in Richtung Forch soll ausserdem die Kreuzungsstelle respektive die Doppelspur verlängert werden.

Doppelspurausbau zwischen Forch und Neuer Forch

900 Meter lang ist die Forchbahnstrecke zwischen den Stationen Forch und Neue Forch auf dem Gemeindegebiet von Küsnacht. Es ist der einzige Abschnitt zwischen Stadelhofen und der Station Forch, der nur einspurig befahrbar ist. Das soll sich bis 2026 ändern. 30 Millionen Franken veranschlagt die Forchbahn für den Doppelspurausbau. Für die Umsetzung ist die Forchbahn AG darauf angewiesen, von den Anwohnern der Alten Forchstrasse Land zu erwerben. Von ihrer Seite hat sich allerdings schon Widerstand gegen das Projekt geregt.

Die Forchbahn AG (im Bild der Bereichsleiter Infrastruktur) plant ein neues Instandhaltungszentrum. (Foto: Sabine Rock)

Neues Instandhaltungszentrum Forch

Die Forchbahn will nicht nur neue Züge anschaffen, sie plant auch ein neues Instandhaltungszentrum auf der Forch. Denn: Das heutige Depot ist für den Fahrzeugunterhalt von 50-Meter-Zügen ausgerichtet. Das neue Depot soll vier Gleise für den Fahrzeugunterhalt, ein Verladegleis sowie Lager-, Logistik-, Büro- und Sozialräume umfassen. Gut 50 Millionen Franken dürfte dies kosten.

Vorgesehen ist das neue Instandhaltungszentrum auf der Parzelle Unterboden zwischen Kaltensteinstrasse und Forchstrasse. Die öffentliche Bauausschreibung soll 2023 erfolgen, der Baustart 2025. Doch bereits regt sich Widerstand gegen die Überbauung des Grüngebiets. Eine Interessengruppe rund um die SVP-Kantonsrat Hans-Peter Amrein hat kürzlich einen alternativen Standort vorgeschlagen. Die Forchbahn will nun das Gespräch mit der IG suchen. (Fabienne Sennhauser)

Erneuerungsprojekte im Zürcher Oberland

Im Rahmen der Rundum-Erneuerung stehen einige Projekte im Zürcher Oberland an. Neben dem Doppelspurausbau zwischen den Haltestellen Forch und Neue Forch werden mehrere Haltestellen behindertengerecht ausgebaut. So beispielsweise die Haltestelle Neue Forch und Neuhaus.

Dazu gehört die Erhöhung der gesamten Perronfläche um 15 Zentimeter, um einen ebnen Einstieg ohne Absatz garantieren zu können. Ebenfalls Teil der Erneuerungen ist die Sicherung des Bahnüberganges in Egg, welche dazu beitragen sollte, Unfälle zu vermeiden.

Direkt zu Beginn des Riesen-Bauprojekts steht die Inbetriebnahme des neuen Stellwerks Zollikerberg an, welche Zugausfälle zur Folge hat. Vom 21. Bis 24. Oktober fahren folglich zwischen Forch und Stadelhofen keine Forchbahn-Züge, jedoch Ersatzbusse zwischen Forch und Rehalp. Das elektronische Stellwerk Zollikerberg ersetzt das bisherige Relaisstellwerk und soll in Zukunft für eine zeitgemässe Fahrgastinformation sorgen.

Langfristig ist unter anderem für den 6.6 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Waltikon und Hinteregg bis 2025 ein neues elektronisches Stellwerk geplant. Dieses stellt die letzte von drei Etappen in der Modernisierung der Stellwerke der Forchbahn dar. Im Sommer 2023 wird ebenfalls der Bahnhof Scheuren behindertengerecht ausgebaut.

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