×
Figuren und Objekte einer Grafstalerin

Kunst zwischen Lärm und Stille

Zurzeit sind einige ihrer Kunstobjekte in der Bibliothek Effretikon zu betrachten. Die Künstlerin Nadia Onorato aus Grafstal arbeitet mit Holz, Ton, Metall, Eisen, Blech, Pappmaschee und vielen anderen Materialien. Zwischen Lärm, Ruhe, Schmutz und Fingerspitzengefühl entstehen ihre Kunstwerke.

Luca
Da Rugna
Montag, 11. Oktober 2021, 15:27 Uhr Figuren und Objekte einer Grafstalerin

In einem Künstlerhaus bei der alten Herzogenmühle in Wallisellen hat sich Nadia Onorato ihren Traum vom eigenen Atelier erfüllt. Für die 52-jährige Sachbearbeiterin ist der Raum auch ein Fluchtort, um Ruhe zu finden und zugleich ein Platz, wo sie ihrer Leidenschaft ungestört nachgehen kann. «Ich mag es, wenn es bei der Arbeit laut und dreckig wird. Besonders beim Hämmern, Bohren, Schweissen oder Schleifen.»

Die gelernte Hochbauzeichnerin ist dreifache Mutter und seit ihrer Jugend kreativ. «Durch meinen einst erlernten Beruf habe ich wohl den Sinn für die Genauigkeit bei der Gestaltung sowie den technischen Hintergrund erlangt. Die meisten Grundfertigkeiten für meine Kunstarbeit habe ich mir jedoch nach und nach über viele Jahre selbst angeeignet.»

Mittlerweile arbeitet Onorato in einem Teilzeitpensum im Backoffice und hat so nebst ihrem Familienleben genügend Zeit, ihrer Kunst nachzugehen.  «Ich gebe auch Kreativkurse, wo wir in Gruppen meist nach einer Vorgabe oder Idee arbeiten und am Schluss doch die verschiedensten Resultate herauskommen.» Diese Vielseitigkeit begeistere sie in solchen Momenten, wobei seit der Corona-Pandemie die meisten Kurse ausgefallen sind.

Auch Kunst will erlernt sein

Seit ihrer Jugend belegte Nadia Onorato Kurse im Bereich der Kreativität. Trotz ihrem damaligen Beruf als Hochbauzeichnerin hat sie sich im Skizzieren weitergebildet. Bei ihren Kunstobjekten, die zurzeit in der Bibliothek in Effretikon ausgestellt sind, handelt es sich grösstenteils um Keramikobjekte und geschweisste Skulpturen.

«Vor gut zehn Jahren besuchte ich bei Verena Senn in Maur Schweisskurse, um mich in diesem anspruchsvollen Handwerk weiterzubilden», sagt Onorato. Den grössten Teil ihrer Technik habe sie sich jedoch autodidaktisch beigebracht. «Bei jedem Objekt das ich gestalte, lerne ich wieder etwas dazu.» Ohnehin sei ihre Kunst nicht geradlinig und variiere je nach Vorhaben, das ihr gerade im Kopf vorschwebt. «Im Grunde kann ich aus fast allen Materialien etwas entstehen lassen und in Form bringen.» An statische Vorgaben möchte sie sich nicht halten, da sonst ihre Kreativität darunter leiden würde.

Seit geraumer Zeit beschäftigt sich Onorato gerne mit Rost und untersucht verschiedene Techniken, diesen je nach Objekt passend einzusetzen. Um den Rostprozess zu beschleunigen, verwendet sie Essig, Putzmittel oder Salzwasser. Grundsätzlich begeistert sich Onorato für Altmetall, aus dem sie zu Beginn ihrer Schweissarbeiten vorwiegend Schnecken konstruierte. Später entstanden Vögel und Fische. «Hauptsache eine Figur wirkt lebhaft und drückt etwas aus.»

«Im Grunde kann ich aus fast allen Materialien etwas entstehen lassen und in Form bringen.»

Nadia Onorato, Künstlerin

Erst laut, dann leise

Nadia Onorato mag es, mit schweren Gerätschaften zu arbeiten. «Ich liebe es zum Beispiel, eine Motorsäge zu bedienen und mal richtig Krach zu machen. Natürlich stets mit der Absicht, dass dabei etwas Sinnvolles entsteht.» Auch die Schweissarbeit mit der Hitze und der Ausrüstung begeistert sie. «Oft ist es bei meiner Arbeit in der Schlosserwerkstatt laut und schmutzig. Als Ausgleich arbeite ich auch sehr gerne mit feinen Materialien wie Ton», so Onorato. Ein Keramikobjekt fertig zu stellen erfordere viel Feinarbeit. Das sei eher leise und fast schon meditativ.

«Durch meine Kunst komme ich mit unterschiedlichen Leuten in Kontakt. Erst kürzlich konnte ich bei einer Bekannten aus dem Nachbardorf alte Mistgabeln, Rächen, Sägen, Zangen und Metallspiralen abholen, die ich für weitere Projekte verwenden kann.»

Nadia Onorato, Künstlerin

Die meisten Arbeiten kann Onorato alleine in ihrem Atelier verrichten. Im Atelierhaus Herzogenmühle kann sie den Elektroofen für Keramikarbeiten benützen. Schweissarbeiten führt sie jedoch in der Werkstatt eines pensionierten Schlossers in Effretikon durch, der sie in gewissen Dingen praktisch unterstützt und ihr seine Ausrüstung zur Verfügung stellt. «Durch meine Kunst komme ich mit unterschiedlichen Leuten in Kontakt. Erst kürzlich konnte ich bei einer Bekannten aus dem Nachbardorf alte Mistgabeln, Rächen, Sägen, Zangen und Metallspiralen abholen, die ich für weitere Projekte verwenden kann.» Über die Jahre sind auf diese Weise zig Objekte aus Materialen entstanden, die sich Nadia Onorato von überall her besorgt.

Druck kann helfen

Wenn Nadia Onorato den Alltag hinter sich lassen will, hilft ihr ihre Kunst. «Ich gebe mich dann vertieft einem neuen Objekt hin. Oft brauche ich viel Zeit, bis ich die passende Form gefunden und meine Idee umgesetzt habe.» Wenn Onorato eine entstandene Kreation nicht gefällt, nimmt sie diese wieder auseinander. «In manchen Momenten entsteht etwas und in manchen eben nicht, so ist das mit der Kunst.»

Onorato mag es, unter Druck zu arbeiten und lässt sich vor einer bevorstehenden Ausstellung viel Zeit. «Dann überkommt es mich plötzlich und die Dinge kommen automatisch ins Rollen.» In der Vorbereitungszeit viel zu planen, liegt ihr nicht besonders. «Unter Druck entstehen oft die besten Objekte», so Onorato. Zu lange über einer Idee zu brüten, führe bei ihr meist nicht zum Ziel. «Die Kunst entsteht eben meist aus dem Moment.»

«Unter Druck entstehen oft die besten Objekte.»

Nadia Onorato, Künstlerin

Die Objekte von Nadia Onorato, die zurzeit in der Bibliothek Effretikon ausgestellt sind, sind keine Konstruktionen, auf die sie spezifisch für diese Ausstellung hingearbeitet hat. «Es sind Objekte, die über viele Jahre zu verschiedenen Zeiten entstanden sind und ich persönlich für diese Räumlichkeiten ausgewählt habe.»

Nicht gerne im Rampenlicht

Onorato gestaltet auch Objekte auf Wünsche von Kunden hin. Sie stellt zum Beispiel Grabkreuze aus Metall her, die man gerostet oder lackiert erwerben kann. Aber auch praktische Dinge wie Trennwände für Gärten stellt sie her. «Für einen passionierten Velofahrer habe ich einmal ein Objekt mit einem Kettenkranz kreiert.»

«Dieses ständige Akquirieren liegt mir einfach nicht, auch wenn ich dadurch vielleicht schon einen grösseren Namen hätte.»

Nadia Onorato, Künstlerin

Nadia Onorato kann dank ihrer Kunstarbeit und den Kursen ihr Atelier sowie die vielen Utensilien, die sie für ihre Arbeit braucht, finanzieren. Ab und an verkauft sie eines ihrer Objekte. «Wenn ich mich besser verkaufen könnte und gerne mehr im Mittelpunkt stünde, dann wäre ich vielleicht erfolgreicher.» Da sie sich nicht allzu gerne zu sehr auf Socialmedia-Kanälen oder bei den verschiedensten Events ins Rampenlicht drängt, tut sie mit ihrer Kunst das, was ihr entspricht. «Dieses ständige Akquirieren liegt mir einfach nicht, auch wenn ich dadurch vielleicht schon einen grösseren Namen hätte.»

Noch bis zum 27. November sind im Eingangsbereich und im Obergeschoss der Bibliothek Effretikon Skulpturen von Nadia Onorato ausgestellt. Am 30. Oktober ist die Künstlerin von 9 bis 11 Uhr vor Ort und steht für einen Austausch mit den Besuchern zur Verfügung. Weitere Informationen zur Künstlerin sind auf www.formundanders.ch zu finden.  

Kommentar schreiben