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Kaum Interesse fürs Ustermer Prestige-Objekt

«Ich hätte mir mehr Bewerbungen gewünscht»

Wer dereinst im vorgesehenen Gasthof der «Unteren Farb» wirten wird, wollte die Stadt mittels Ausschreibung entscheiden. Doch das Interesse für das Prestige-Objekt ist kümmerlich.

David
Marti
Montag, 11. Oktober 2021, 13:39 Uhr Kaum Interesse fürs Ustermer Prestige-Objekt

Wohl kein altehrwürdiges Gebäude in Uster hat die politischen Gemüter mehr bewegt als die «Untere Farb» (siehe Box). In der Scheune ist vorgesehen, Stadtarchiv und Kläui-Bibliothek einzubauen. Für den Wohnteil mit «Wohnhaus und Bauerngarten» suchte die Stadt bis Anfang Oktober einen Mieter. Das Erdgeschoss ist für die Gastronomie vorgesehen. Wie die Stadt Uster damals bekannt gab, seien Organisationen mit Ideen gesucht, die einen Mehrwert für das Quartier und den Stadtpark schaffen, Haus und Garten einbeziehen und mit dem Denkmalschutz vereinbar seien.

Jetzt zeigt sich, dass die Nachfrage überschaubar ist. Wie Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) auf Anfrage sagt, seien drei Vorschläge eingegangen. Eine leise Enttäuschung für Thalmann: «Ich hätte mir mehr Bewerbungen für die ‹Untere Farb› gewünscht.» Doch eine konkrete Vorstellung wie viele Interessenten sich für das denkmalgeschützte Gebäude bewerben werden, habe die Stadt nicht gehabt.

Zu weit in der Zukunft

Weshalb das für Uster prestigeträchtige Objekt bei potentiellen Mietern nur wenig Anklang findet, hat laut Thalmann wohl mit der «Langfristigkeit» des Projekts zu tun. Denn gemäss den Plänen der Stadt dürfte die Eröffnung kaum vor 2025 erfolgen.  «Ich kann mir vorstellen, dass dieser Zeitraum für manche Leute noch in zu weiter Ferne liegt.»

«Das Beurteilungsgremium hat aber entschieden, keine Neuausschreibung zu lancieren.»

Barbara Thalmann (SP), Stadtpräsidentin Uster

Damit ist auch schon klar, dass die Jury keine Vorauswahl treffen muss. Denn diese sollte aus den Eingaben drei Bewerber auswählen und einladen, wie die Stadt im August mitteilte. Ob es sich bei den drei Kandidaturen um solche handelt, die alle für die Untere Farb in Frage kämen, kann Thalmann noch nicht verraten. «Das wäre verfrüht, da eine weitere Beurteilung der Jury noch erfolgen muss.»

Erneute Ausschreibung?

Dass die Stadt aufgrund der wenigen Bewerbungen nochmal eine Ausschreibung ins Leben ruft, sei diskutiert worden. «Das Beurteilungsgremium hat aber entschieden, keine Neuausschreibung zu lancieren. Der Prozess soll erstmal zu Ende zu geführt werden», sagt Thalmann. In einem nächsten Schritt will die Stadt nun die detaillierten Dossiers der Bewerber prüfen, die bis Anfang Oktober erst eine Kurzbeschreibung einreichen mussten. Der definitive Entscheid, wer der künftige Mieter der «Unteren Farb» sein wird, soll dann die Jury Mitte Dezember fällen.

Sollte keine der eingereichten Bewerbungen den Ansprüchen genügen, werde die Stadt entscheiden, was als nächstes zu tun ist, sagt Thalmann. «Wir werden den Weg erstmal gehen und dann sehen, welche weiteren Schritte sinnvoll sind.»

 

Vergangene und künftige Urnenentscheide  zur «Unteren Farb»

Das Wohnhaus mit Scheune «Untere Farb» an der Seestrasse 4 in Uster wurde 1675 als Färberei errichtet und wird heute als Wohn- und Lagerhaus genutzt. Die Liegenschaft steht unter Denkmalschutz und muss renoviert werden. 2014 wurde ein Wettbewerb für die Gesamtsanierung durchgeführt, auf dessen Basis ein Gestaltungsplan ausgearbeitet wurde. Gleich zweimal musste die Ustermer Bevölkerung über diesen Plan abstimmen. Dies weil  der erste Urnengang 2017 nach einer Stimmrechtsbeschwerde wiederholt werden musste. Die Stadt Uster habe die Tragweite der Genehmigung des Gestaltungsplanes «Untere Farb» vor der Abstimmung nicht genügend dargestellt und damit «ein wichtiges Element für die Meinungsbildung unterdrückt» und sie habe die Stimmberechtigten in der Abstimmungsweisung «falsch und unvollständig» informiert, lautete damals das Verdikt des Bezirksrats. Seit über zwei Jahren ist aber klar, dass die Bevölkerung hinter den Plänen des Stadtrates steht, 72 Prozent haben sich in der Abstimmung im Mai 2019 für dessen Pläne ausgesprochen. Es wird nicht der letzte Volksentscheid zu dem Projekt sein. Bevor das von der Stadt erarbeitete Konzept umgesetzt werden kann, muss als nächster Schritt das Sanierungsprojekt mit einem Baukredit ausgearbeitet werden, zu dem wiederum das Volk an der Urne Stellung nehmen wird.

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