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Wetziker Schneiderin

Sie hegt und pflegt die Kostüme der Zirkusartisten

Flurina Schnyder ist Kostümpflegerin des Circus Monti. Das abwechslungsreiche Leben im Zirkusbetrieb gefällt der 23-Jährigen.

Bettina
Schnider
Donnerstag, 07. Oktober 2021, 06:02 Uhr Wetziker Schneiderin

Am Sonntagabend ist die Arbeitswoche für die meisten Mitarbeiter und Artisten im Circus Monti vorbei. Zwei Tage Pause ohne Aufführungen stehen auf dem Programm. Doch dann beginnt für Flurina Schnyder die anstrengendsten Tage der Woche.

Seit dieser Saison ist die 23-Jährige für die Kostümpflege im Zirkus zuständig. «Das heisst, ich wasche einmal pro Woche alle Gewänder, bügle sie und flicke sie wenn nötig», erklärt die gelernte Schneiderin.

Seit Juli ist die Wetzikerin mit dem Circus Monti unterwegs. Das Leben im Wohnwagen gefällt ihr. «Wir haben ein tolles Team, wir verstehen uns sehr gut und ich fühle mich sehr wohl hier.»

Das Sorgenkind

Die Kostüme der Artistinnen und Artisten hat Schnyder nicht selber genäht. «Dafür war eine Kostümbildnerin zuständig», erläutert sie. Doch nun sind die delikaten Stoffe in ihrer ihre Verantwortung.

«Ich habe da so mein Sorgenkind», meint sie. Bei der Luftnummer mit einem Ring reisse das Kostüm einer Artistin immer wieder auf der Höhe des Bauches. «Da musste ich schon so oft drüberflicken, irgendwann hält es dann.»

«Etwas war immer klar für mich: Ich möchte danach nicht in einem Änderungsatelier arbeiten.»

Flurina Schnyder, Kostümpflegerin des Circus Monti

Als gelernte Schneiderin meistert sie diese Aufgaben ohne Probleme. Nähen ist schon seit ihrer Kindheit eine ihrer grössten Leidenschaften. «Ich habe viel zusammen mit meiner Grossmuter genäht und habe dann dieses Hobby zum Beruf gemacht.»

So hat Schnyder im inzwischen geschlossenen kantonalen Lehrlingsatellier in Winterthur ihre Ausbildung zur Schneiderin gemacht. «Doch etwas war immer klar für mich: Ich möchte danach nicht in einem Änderungsatelier arbeiten.»

Kanada statt Zirkus

Das war einer der Gründe, wieso sie sich für eine Zusatzausbildung zur Theaterschneiderin entschied. «Fürs Theater oder auch für den Zirkus muss man mit anderen Stoffen umgehen können.»

Noch bevor sie den Abschluss in der Tasche hatte, stiess Schnyder im Frühjahr 2020 auf ein Stelleninserat des Circus Monti, der auf der Suche nach einer Kostümpflegerin war. «Ich war begeistert, habe mich beworben und die Stelle auch erhalten.»

Doch dann kam alles anders: «Die Saison wurde leider wegen Corona abgesagt.» Doch Schnyder hatte die Zusage, ein Jahr später trotzdem im Zirkus arbeiten zu können. «Und so habe ich mir diese Zeit mit einem freiwilligen sozialen Jahr überbrückt.»

Im Zirkusbetrieb übernimmt Flurina Schnyder diverse Aufgaben. (Foto: Bettina Schnider)

Trotz Pandemie ging sie nach Kanada und arbeitete dort ein Jahr in einer Institution für betreutes Wohnen. Schnyder hat bereits die ersten acht Jahre ihres Leben in diesem Land verbracht, bevor sie mit ihrer Familie ins Oberland zog. Als Doppelbürgerin durfte sie trotz den strengen Einreisebestimmungen ihre Arbeitsstelle antreten.

Offen für Neues

Die Zeit in Nordamerika sei eine gute Vorbereitung für den Zirkus gewesen, meint Schnyder lachend. «Ich lebte in einem Haus mit zwölf anderen Personen zusammen, es war also eine Gemeinschaft wie hier im Zirkus.»

«Sie dachten wohl, eine Schneiderin lerne das schnell.»

Flurina Schnyder

Die typisch nordamerikanische Bauweise mit dünnen Wänden sei ebenfalls gutes Training gewesen: «Denn auch unsere Wagen hier im Zirkus sind nicht schalldicht. Man hört eigentlich alles.»

In der Institution in Kanada wurde sie in der Weberei eingeteilt: «Ich hatte noch nie in meinem Leben gewoben, aber sie dachten wohl, eine Schneiderin lerne das schnell.» Und so sei es dann auch gewesen. «Ich bin immer offen für Neues, auch jetzt im Zirkus.»

Das Zimmer immer dabei

Denn wenn Schnyder nicht in einem kleinen Zirkuswagen wäscht, bügelt oder näht, ist sie auch für andere Arbeiten im Zirkus eingeteilt: «So ist das hier bei uns, alle machen alles», erklärt sie. So weist sie den Zuschauern die Plätze oder betreut die Feriengäste im Zirkus. «Die Vielseitigkeit des Zirkuslebens gefällt mir.»

Das Herumreisen sei zwar eine Herausforderung, doch eine, die ihr Freude bereitet. «Es ist, also würde man fast jede Woche zügeln, aber man hat sein eigenes Zimmer immer dabei.»

Die Saison des Circus Monti dauert noch bis Ende November. Schnyder wird voraussichtlich auch ab nächsten Sommer wieder für das Unternehmen arbeiten: «Auch viele andere aktuelle Teammitglieder kommen wieder und ich arbeite sehr gerne mit ihnen zusammen.»

Vom 3. bis am 28. November gastiert der Circus Monti auf dem Kasernenareal in Zürich.

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