×
Konzept liegt vor

Tempo 30 in Wald wird konkret

Der Gemeinderat stellte am Donnerstagabend eine erste Vorlage zur Einführung eines flächendeckenden Tempolimits in Wald vor. Dafür erntete er Lob - aber auch Tadel. Bis Ende Oktober darf noch Einsprache erhoben werden.

Eduard
Gautschi
Freitag, 24. September 2021, 09:45 Uhr Konzept liegt vor

Mit dem Ja zur Initiative für eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 an der Gemeindeversammlung vom 22. September 2020 wurde der Gemeinderat beauftragt, eine Vorlage für Tempo 30 auf allen Quartierstrassen in Wald auszuarbeiten.

Ein Jahr später legt er nun ein umfassendes Konzept vor, welches er am Donnerstagabend an einer Informationsveranstaltung vorstellte. Die Veranstaltung in der reformierten wurde nur von knapp drei Dutzend Interessierten besucht. 

Sinnvolle Grösse für Zonen

Gemeindepräsident Ernst Kocher (SVP) warf einleitend einen Blick zurück auf die schon 2007 angeregte Einführung von Tempo 30 in Wald. Die Gemeinde habe dann eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 im Rahmen eines Vorgutachtens grob geprüft.

Das Vorgutachten wurde auch der Kantonspolizei zur Stellungnahme eingereicht. Ein Grossteil der vorgesehenen Zonen der ersten Priorität gemäss Vorgutachten aus dem Jahr 2009 wurde von der Kapo positiv beurteilt.

Wald, Grüne, Initiative, Tempo 30
Im Feburar 2020 konnten sechs Walder die Initiative beim Gemeinderat einreichen.
Foto: PD/Markus Gwerder

Sie hielt aber auch fest, dass bezüglich den Zoneneinteilungen eine Tempo-30-Zone in der Regel aus mehreren Strassen bestehen sollte, um eine Sinnvolle Grösse zu erhalten. Die im Vorgutachten gemachte Aufteilung in sehr kleine Gebiete widerspreche dem Grundgedanken einen Zonensignalisation.

Die Kapo bat darum, die Einteilung nochmals zu überprüfen. Nachdem der Gemeinderat das Thema Tempo 30 zurückgestellt hatte und es auf Anfragen der Bevölkerung punktuell wieder angehen wollte, ist er dem Rat der Kapo nun gefolgt und bündelte die ursprünglich 31 Zonen in 9 Zonen.

Berliner Kissen als Tempo-Bremse

Raumplanerin Anita Suter vom Büro Suter, von Känel, Wild erläuterte den Werdegang des Projekts und die Leitplanken, die es dabei zu beachten gab. Zum Beispiel, dass auf Privatstrassen Tempo 30 nur eingeführt werden darf, wenn alle Anteilhaber einverstanden sind.

Für diese Gruppe hat die Gemeinde am 9. September einen Informationsanlass veranstaltet. Abschliessende Verfügungsbehörde für Tempo 30 Zonen sei die Kantonspolizei, sagte Suter.

Bei der Bewertung der Strassen, bei den Tempo 30 eingeführt werden soll, sei die Strassencharakteristik und die Geschwindigkeit, die auf diesen Strassen gefahren werde, entscheidend.

Also wurden in den neun Zonen Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt.  Von den Resultaten hängt ab, ob bauliche Massnahmen ergriffen werden müssen oder ob einfache Signalisationsänderungen genügen.

Rollen 85 Prozent des Verkehrs schneller als 40 km/h, sind bauliche Massnahmen zwingend vorgeschrieben. Gebremst werden soll der Verkehr in diesen Fällen durch den Einbau von sogenannten Berliner Kissen. Also durch ein Erhöhung in der Fahrbahnmitte.

Einsprachen bis Ende Oktober möglich

Weitere Kriterien bei der Beurteilung der Strassen sind die Unfallstatistik, die Schutzbedürfnisse der schwächeren Verkehrsteilnehmer und die Übersichtlichkeit. Folgen der Einführung von Tempo 30 sind die Aufhebung der Fussgängerstreifen und der Stoppstrassen.

Generell gilt Rechtsvortritt. Zwingend ist auch ein sogenanntes Zonentor mit der entsprechenden 30er-Signalisation. Suter erläuterte anhand einiger Zonen, wie dort die Signalisation aussehen wird.

Bis Ende Oktober läuft nun die die öffentliche Auflage des Projekts. Um den Einwohnern zu verdeutlichen, wo welche Massnahmen geplant sind, wurden an den entsprechenden Stellen Markierungen angebracht.

Während der öffentlichen Auflage können betroffene Grundeigentümer oder sonst wie in ihren schutzwürdigen Interessen berührte Personen, Gemeinden sowie andere Körperschaften oder Anstalten des öffentlichen Rechts gegen die Projekte beim Gemeinderat Wald, schriftlich und mit Begründung Einsprache erheben. Kocher riet den Anwesenden diese Möglichkeit zu nutzen.

Schneeräumung als Problem

Ein Anwesender wollte wissen, wie hoch die Kosten für die flächendeckende Einführung von Tempo 30 veranschlagt würden. Kocher: «Genaue Zahlen haben wir noch nicht, aber wir rechnen mit Kosten von rund 400'000 Franken.» Verschiedene Votanten kritisierten den geplanten Einbau von Berliner Kissen. Sie machten geltend, dass die Schneeräumung erschwert, wenn nicht gar teilweise verunmöglicht werde.

Sind Sie Befürworter oder Gegner der Tempo-30-Vorlage in Wald?

Auswahlmöglichkeiten

Kocher wies darauf hin, dass Berliner Kissen nur dort geplant seien, wo auch die Geschwindigkeit der Fahrzeuge mit baulichen Massnahmen gesenkt werden müsse. Der Einsatz solcher Massnahmen sei in jedem einzelnen Fall gewissenhaft geprüft worden.

«Mass und Menschenverstand verloren»

Ein Votant fand, dass die Strassenreinigung durch die kleinen Inseln und Zonentore derart erschwert würden, dass diese Stellen nicht mehr maschinell, sondern von Hand gereinigt werden müssen. Ein Votant war der Meinung, dass man in Wald nicht nur «jegliches Mass, sondern auch den gesunden Menschenverstand» verloren habe. Feuerwehr und Ambulanzen würden durch die Berliner Kissen stark behindert.

Es gab aber nicht nur Kritik, sondern auch Lob, sowohl für das Projekt, als auch für den Gemeinderat, der das Anliegen der Initianten zeitgerecht in einem Jahr so detailliert umgesetzt habe.

Abgestimmt über das Projekt werden soll, nachdem die Einwendungen bearbeitet worden sind, an der Gemeindeversammlung von 22. März 2022. Bei der anschliessenden Ausschreibung der einzelnen Massnahmen kann die Bevölkerung dann erneut Einsprachen erheben.

Kommentar schreiben