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«Mir Oberländer»

«Ich habe mich wie in einer Schachtel ohne Luft gefühlt»

Cristian Bolliger aus Uster lebt seit zehn Jahren in einer eingetragenen Partnerschaft mit einem Mann. Heute führt er ein, unbeschwertes Leben. Dies war nicht immer so.

Nino
Vinzens
Donnerstag, 16. September 2021, 10:00 Uhr «Mir Oberländer»
Der Ustermer Cristian Bolliger hat lange gebraucht, bis er sich getraut hat, sich zu outen.
Foto: Elias Wirth

Schon ganz früh merkte Cristian Bolliger, dass ihn Männer mehr anziehen als Frauen. Er konnte es lange Zeit niemandem erzählen, da er in einer, wie er es nennt, «Macho-Familie» aufwuchs. Erst als er 30 Jahre alt war, fasste er den Mut sich zu outen. Für sein Umfeld sei das Coming-out keine Überraschung gewesen. Seine Freunde und Familienmitglieder reagierten alle sehr positiv darauf und er merkte dass er sich selber über all die Jahre hinweg diese Hürde geschaffen hat. «Ich habe mich wie in einer Schachtel ohne Luft gefühlt», sagt Bolliger. Diese Zeit sei für ihn schrecklich gewesen, da er nicht sich selber sein konnte. Es habe viel Kraft gebraucht, um da rauszukommen und sich selber zu akzeptieren. Seit er geoutet ist, lebe er viel freier als vorher. «Zu mir selber zu stehen, hat mir geholfen wieder happy im Leben zu sein».

Der Ustermer möchte seinem Lebenspartner das Ja-Wort geben. Er könne kaum mehr warten auf diesen Moment. Auf die Frage warum es möglich sein sollte, jeden zu heiraten den man will, antwortet Bolliger: «Mensch ist Mensch. Das Recht sollte für alle gleich sein, egal welcher Herkunft man ist oder welche Sexualität man hat.» Er glaubt, wenn die Abstimmung zur Ehe für alle angenommen wird, werde die Schweiz auf internationaler Ebene auf eine grosse positive Resonanz stossen. Die Schweiz liege mit der Gesetzeslage in diesem Punkt noch sehr weit zurück. Ein negativer Ausgang dieser Abstimmung würde in sehr enttäuschen. Unterkriegen lassen, werde er sich aber niemals. «Wir würden weiterkämpfen, dass irgendwann doch noch ein Ja da steht in der Schweiz».

Der nächste Schritt nach dieser Abstimmung sei die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Für die LGBTQ-Community wünscht sich Christian Bolliger, dass sie weiterhin so gut zusammenhält, wie bis anhin. Sie hätten miteinander viel erlebt, seien immer wieder auf die Strasse gegangen, hätten zusammen für mehr Akzeptanz und Rechte gekämpft und an jeder Pride teilgenommen. Erst kürzlich ist das Regenbogenhaus in Zürich eröffnet worden. Es sei eine grosse Stütze der LGBTQ-Community, betont Bolliger. Er selber unterstützt die Gemeinschaft vor allem auf Social Media mit dem Teilen von Beträgen. Zu dem suche er immer wieder das Gespräch mit Leuten, die seine Ansichten nicht teilen und Hass verbreiten.   

Video: Elias Wirth

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