×
«Corona und wir»

«Ich stehe irgendwo in der Mitte»

In einer Serie erzählen Menschen aus der Region, wie sich ihr Leben durch die Corona-Pandemie verändert hat. Heute mit Adrian Weyermann, Rockmusiker mit Wetziker Wurzeln.

Redaktion
Züriost
Samstag, 11. September 2021, 18:00 Uhr «Corona und wir»
Adrian Weyermann: Sänger, Gitarrist und Songwriter mit Wetziker Wurzeln.
Foto: PD

Sie beschäftigt uns schon seit eineinhalb Jahren und wird dies wohl auch noch eine Weile tun – die Corona-Pandemie. Während in den Sommermonaten Lockerungen für einen lang ersehnten Lichtblick sorgen, steigen die Fallzahlen wieder an.

Bevor wir uns mit einer möglichen vierten Welle konfrontiert sehen, möchte die Redaktion von Züriost jedoch einen Moment innehalten und einen Rück- und Ausblick wagen.

Wie erleben Oberländerinnen und Oberländer die andauernde Ausnahmesituation? Wie bewältigen sie die Herausforderungen der Pandemie – beruflich und persönlich? Inspiriert von Max Frischs Fragebogen hat die Redaktion 10 Fragen zusammengestellt und Persönlichkeiten aus der Region damit konfrontiert.

Heute mit Adrian Weyermann. Der Musiker ist in Wetzikon aufgewachsen und lebt heute in Zürich.

Wo hätten Sie, wenn Sie die Wahl gehabt hätten, die Pandemie am liebsten ausgesessen?
Adrian Weyermann: Nirgends anders als zuhause. Hier erlebten wir einige magische Momente der Stille, wie sie das Zürcher Niederdorf wohl seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte: Samstagabend acht Uhr und wir sehen mitten in Zürich während einem halbstündigen Spaziergang ganze zwei Menschen.

Wenn Sie ehrlich mit sich selbst sind, nach Homeoffice-Pflicht und Quarantäne: Wie sehr mögen Sie Ihre Wohnung noch?
Mehr denn je... Ich war in den Jahren vor der Pandemie sehr oft musikalisch unterwegs, kreuz und quer durch Europa. Jetzt so lange am Stück zuhause zu sein war ein grosser Genuss. 

Gibt es eine Person in Ihrem Umfeld, bei der Arbeit oder in der Familie, die Sie während der Pandemie mit neuen Augen gesehen haben?
Ich war schwer beeindruckt von meiner Frau. Sie ist Pflegefachfrau und arbeitete während drei Monaten auf der Covid-Station.

Was haben Sie in der Coronazeit über sich gelernt?
Dass ich einmal mehr irgendwo in der Mitte stehe. Eine Menge Leute haben auf die Situation sehr heftig reagiert. Mit Panik, mit grosser Gelassenheit, mit Arroganz oder Hass, oder mit grossem Mitgefühl. Das alles war und ist ja nur menschlich. Wichtig ist, dass wir das nicht vergessen.

Welches Laster, das Sie sich in den letzten Monaten angeeignet haben, würden Sie nun am liebsten wieder loswerden?
Ich musste mich zwingen, wieder weniger News zu konsumieren. Und weniger in den Kühlschrank zu sehen.

Hat sich ihr Verhältnis zum Tod geändert? Wenn ja, wie?
Ich durfte letztes Jahr den Tod als sehr natürlichen Prozess erleben. Dies unabhängig von Covid, wegen eines Todesfalls in unserer Familie.

Wofür sind Sie besonders dankbar?
Für Gesundheit und dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Und für schwarze Schokolade mit gerösteten Haselnüssen.

Welches Buch, das Sie während der Corona-Pandemie gelesen haben, würden Sie besonders weiter empfehlen und warum?
«Verbundensein» (Englisch: «On Connection») von Kate Tempest.  Ein Buch, das auf wunderbar persönliche Weise den Prozess des Schaffens und die Arbeit als Künstler*in  auf der Bühne beleuchtet und erklärt. Ich war so hingerissen, dass ich mir für meine Töchter auch gerade noch die deutsche Übersetzung besorgte.

Hand aufs Herz: Wie viele Einladungen haben Sie unter dem Vorwand der Selbstisolation sausen lassen?
Eineinhalb, würd ich sagen. Namen will ich keine nennen.

Die Welt ist buchstäblich still gestanden. Geht nun alles weiter wie zuvor? Wird die Entschleunigung, das Rückbesinnen auf Wichtiges, Bestand haben?
Schwer zu sagen. Meist verschüttet der ganz alltägliche Wahnsinn die Ruhe ja schnell wieder. Vornehmen tu ich es mir aber. Immer wieder neu.

Kommentar schreiben