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Fussgängerzone in Oberuster

Gefährlicher Schulweg für Kinder

Durch die Sanierung zweier vielbefahrener Kantonsstrassen ist Oberuster seit Ende 2020 übersäht mit Umleitungen und Strassensperrungen. Ein Ampelsystem kurz vor dem Schulhaus Oberuster hat sich dabei als Gefahrenquelle entpuppt, die manch Anwohnerinnen und Anwohner aufschreien lässt.

Nina
Stangier
Mittwoch, 08. September 2021, 11:44 Uhr Fussgängerzone in Oberuster

Mit der kompletten Sperrung der Sulzbachstrasse im Januar 2021 wurde in Oberuster ein Ampelsystem an der Abzweigung von der Athalstrasse zur Steigstrasse aufgestellt. Die vom Zentrum Uster kommenden Autos werden durch die provisorischen Lichtsignale nach rechts in die Steigstrasse weitergeleitet, während die aus Aathal kommenden Autos rotes Licht haben.

Das einzige Problem: Während die Autos freie Fahrt haben und nach rechts um die Kurve in die Steigstrasse abbiegen, zeigt die Ampel für den Fussgängerstreifen um die Kurve ebenfalls grünes Licht. Als eine Anwohnerin der Steigstrasse, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, dies bereits Anfang Mai bemerkte, seien ihr die Haare zu Berge gestanden: «Diese Situation kann für Menschen, die gleichzeitig mit den Autos die Strasse überqueren, enorm gefährlich werden.»

Dürftige Rückmeldung der Bauleitung

Die Ustermerin machte eine weitere Beobachtung: «Bei der Ampel vor der Kurve ist zudem kein Warnlicht angebracht, das die Autofahrenden auf die Fussgänger aufmerksam machen könnte», sagt sie. Das Warnlicht sei erst nach der Kurve auf der gegenüberliegenden Strassenseite angebracht. «Dieses Licht ist jedoch meiner Meinung nach nutzlos, da die Autofahrer beim Abbiegen nicht auf die gegenüberliegende Strassenseite schauen», so die Anwohnerin.

Während die Autos freie Fahrt haben, zeigt die Ampel für den Fussgängerstreifen ebenfalls grünes Licht. (Grafik: Dominik Gut)

Um ihre Sorgen kundzutun, meldete die Anwohnerin im Mai ihre Beobachtungen direkt beim zuständigen Bauleiter der Buchmann Partner AG. Die Antwort, die die Ustermerin erhielt, fiel ernüchternd aus. «Mir wurde gesagt, dass die Angelegenheit in einer Sitzung mit dem Verkehrsplaner, dem Kanton und der Stadt nochmals angeschaut werden müsse.» Seither habe sich jedoch nichts an der Situation geändert.

Riskanter Schulweg

Beim Überqueren der Steigstrasse habe die Ustermerin auch schon selber einen Schreckensmoment erlebt. «Ich wollte gerade mit meiner Tochter an der Hand über den Fussgängerstreifen laufen, als ein Auto um die Ecke kam und nur noch knapp einen Meter vor uns bremsen konnte.» Zum Glück sei niemandem etwas zugestossen, die Situation hätte ihr aber gezeigt, dass die Abzweigung grosse Risiken in sich berge.

Dabei sei sie nicht die einzige, die die jetzige Baustellensituation bemängle. «Ich habe von vielen Nachbarn gehört, die sich ebenfalls über das Ampelsystem an der Abzweigung aufregen.» Besonders beunruhigend sei die Tatsache, dass die Kreuzung direkt beim Schulhaus Oberuster liege. Jeden Tag überquerten viele Kindergärtner und Schulkinder diese beiden Fussgängerstreifen an der Abzweigung. Die Anwohnerin zieht daraus Konsequenzen: «Das birgt sich ein unglaubliches Gefahrenpotential. Ich habe entschieden, meine Tochter nicht mehr alleine in den Kindergarten zu schicken», sagt die Anwohnerin.

«Keine Anpassungen notwendig»

Die Baudirektion des Kantons Zürich ist zuständig für die laufenden Sanierungen in Oberuster. Auf die Anfrage von Züriost heisst es, «die aktuellen Beobachtungen zeigen, dass keine Anpassungen notwendig sind.» Die letzten Justierungen an der Anlage seien Ende Januar 2021 vorgenommen worden. Damals sei nach einer Beobachtungsphase zusammen mit der Stadtpolizei Uster ein Vorstart für die Fussgänger von acht Sekunden eingerichtet worden. Für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden sei jedoch die Polizei und nicht die Baudirektion zuständig, heisst es weiter.

Das gelbe Warnlicht muss laut der Zürcher Baudirektion erst beim «Konfliktpunkt» angebracht werden. (Foto: PD)

Auf die Frage, warum kein Warnsignal bei der Ampel auf die Fussgänger aufmerksam machen würde, antwortet die Baudirektion wie folgt: «Bei einem Vollgrün ist ein Blinklicht beim sogenannten Konfliktpunkt anzubringen.» - Also in diesem Fall beim Fussgängerstreifen um die Kurve.

Auf «Herausforderungen im Strassenverkehr» geschult

Die Stadtpolizei Uster schätzt die Situation bei der Abzweigung wie folgt ein: «Die Sicherheit der Fussgängerinnen und Fussgänger ist aus polizeilicher Sicht gewährleistet.» Die potentielle Gefahr eines unaufmerksamen Fahrzeuglenkenden könne nur bedingt reduziert werden. Dieses Gefahrenpotential unterscheide sich jedoch nicht von ähnlichen Situationen bei anderen Fussgängerstreifen.

Was die Sicherheit der Kinder auf ihrem Weg in die Schule oder den Kindergarten anbelangt, habe die Stadtpolizei Uster während den Tagen des Schulbeginns die Kinder auf die Herausforderungen im Strassenverkehr vor Ort geschult. Die Stadtpolizei versichert zudem, dass «die involvierten Stellen die Situation laufend beobachten und – sofern notwendig – adäquate Massnahmen einleiteten.»

Bis auf weiteres müssen sich also die Anwohnerinnen und Anwohner mit der jetzigen Situation zufrieden geben. Jedoch nicht mehr allzu lange: Das Ampelsystem werde voraussichtlich bis Mitte November 2021 in Betrieb bleiben, schreibt die Baudirektion des Kantons Zürich.

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