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Tag der offenen Tür in Wetzikon

Schönau zeigt sich der Öffentlichkeit

Die Schönau Wetzikon veranstaltet am Samstag einen Tag der offenen Tür. Dabei soll die zukünftige Nutzung des Areals der breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Annette
Saloma
Montag, 06. September 2021, 11:06 Uhr Tag der offenen Tür in Wetzikon

Es schien lange wie eine unendliche Geschichte: Die Geschichte der Schönau in Wetzikon. Doch jetzt scheint sie sogar auf ein Happy End zuzusteuern (siehe Box).

Die Schönau ist eine ehemalige Spinnerei mit mehreren historischen Gebäuden, die heute von rund 60 Kulturschaffenden, Künstlern, Architekten und Gewerbetreibenden genutzt werden – auch ein Laden für Kinder-Outdoorbekleidung hat hier seine Räumlichkeiten.

Das Schönau-Areal ist genau 29'373 m² gross. (Grafik: Dominik Gut)

Die Hiag, Arealentwicklerin und Eigentümerin des Areals, übernahm die Schönau vor über 10 Jahren von der Streiff AG, um hier ein neues Quartier zu entwickeln. Sie hatte die Rechnung aber ohne die Nutzerinnen der Schönau und die Wetziker Bevölkerung gemacht.

Diese waren mit dem Projekt, das die Hiag damals der Öffentlichkeit vorstellte, alles andere als zufrieden. Der Widerstand führte letztendlich zum Entscheid der Stadt Wetzikon, einen öffentlichen Gestaltungsplan für die Schönau zu erarbeiten.

Schönautag am 11. September

Das während mehreren Jahren überarbeitete Richtprojekt und der heute vorliegende Gestaltungsplanentwurf scheinen scheint nun aber auch die grössten Kritiker zufrieden zu stellen.

So sagt Architekt Roland Leu, der sein Büro in der Schönau hat und das alte Bauvorhaben erfolgreich mit einer Einzelinitiative bekämpfte, heute: «Es wird nun Zeit, dass man endlich vorwärts macht.»

Damit auch die breite Öffentlichkeit von den Plänen erfährt, veranstaltet die Hiag zusammen mit den Nutzern der Schönau an diesem Samstag, 11. September, einen Tag der offenen Tür.

«Das Projekt war lange negativ behaftet», sagt Annette Hansen, Arealentwicklerin der Hiag. «Es geht uns darum, den Leuten, die das alte Projekt noch im Kopf haben, den aktuellen Projektstand zu präsentieren und unsere Vision für die Schönau zu vermitteln.»

Auf Plakaten wird das neue Projekt vorgestellt. (Foto: Christian Merz)

Auf Infotafeln wird den Besuchern die Zukunft der Schönau vorgestellt, ausserdem öffnen viele Ateliers auf dem Gelände ihre Türen. Auch die Sommerbar, die bereits Anfang Juli auf der Schönau Einzug gehalten hat und nun noch bis am 25. September verlängert wurde, hat am «Schönautag» geöffnet. Ausserdem gibt es ein Podiumsgespräch zum Thema «Schönau – gestern, heute, morgen.»

Der jahrelange Prozess hat sein Gutes, findet Hansen. «Auch wenn für einen Bauherren ein solch langer Planungsprozess natürlich nicht ideal ist, hat das Projekt deutlich an Qualität gewonnen.»

Zusammenhängende Grünflächen

Konkrete Aussagen zu den einzelnen Neubauprojekten zu machen, sei aktuell noch schwierig. Derzeit findet noch die letzte Überarbeitung des Gestaltungsplans statt, bevor er im Herbst in den Stadtrat kommt.

Auch das Parlament und der Kanton müssen den Gestaltungsplan noch bewilligen, bevor erste Bauprojekte geplant werden können.

Deshalb spricht Annette Hansen von «angedacht», wenn von Reihen- und Mehrfamilienhäusern, Gemeinschaftsgärten und Ateliers die Rede ist.

Klar ist: Die Schönau soll ein lebendiges durchmischtes Quartier mit möglichst vielen zusammenhängende Grünflächen werden – die geplanten Neubauten mit rund 100 Wohneinheiten sind am Rand des Grundstücks vorgesehen. In Volumen und Höhe sollen sie sich den bestehenden Bauten anpassen.

Sieglinde Wittwer ist eine der Kunstschaffenden, die ihr Atelier am Samstag der Öffentlichkeit zeigen. (Foto: Christian Merz)

Auch die Durchmischung von Wohnen und Arbeiten soll erhalten bleiben; so ist beispielweise eine Gewerbegasse mit vielfältigen Nutzungen «angedacht». Sie spiegelt den Werkcharakter des einstigen Fabrikareals wider.

«Damit wir weiter günstigen Atelierraum und attraktive öffentliche Nutzungen anbieten können, werden die Neubauwohnungen zu marktkonformen Preisen angeboten», sagt Hansen. Man wolle Leute anziehen, die in die Schönau passen und die ein naturnahes und gleichzeitig aufgeschlossenes urbanes Umfeld schätzen würden.

Um möglichst wenig motorisierten Verkehr auf dem Gelände zu haben, ist eine Tiefgarage mit rund 90 Parkplätzen vorgesehen. Geplant sind auch ein Car-Sharing-Angebot und Veloparkplätze.

Verlängerung der Verträge

Die bisherigen Mieter im Hauptgebäude konnten ihren Vertrag bis 2025 verlängern. «Das ist ein cooler Zeithorizont», sagt Erika Gedeon, die sich mit anderen Künstlern in der Schönau ein Atelier teilt. Wie es nach Ablauf dieser Frist weitergeht, ist noch nicht klar.

«Das Hauptgebäude wurde 1823 erbaut und muss irgendwann zwangsläufig renoviert werden», sagt sie. «Wir informieren die Mieterinnen und Mieter aber jeweils proaktiv über die Entwicklung.»

Der Schönautag ist am Samstag, 11. September, von 14 bis 22 Uhr. Das Podiumsgespräch «Schönau – gestern, heute, morgen» findet um 17 Uhr im Hauptgebäude statt.

Timeline Schönau

Frühling 2012: Die Hiag stellt erstmals öffentlich ein Bauprojekt zur zukünftigen Entwicklung der Schönau vor und erntet damit harte Kritik.
Mai 2012: Eine Petition für ein Kulturhaus in der Schönau wird eingereicht. Der Gemeinderat geht nur teilweise drauf ein.
Sommer 2012: Architekt Roland Leu, Mieter in der Schönaufabrik, reicht eine Initiative gegen den geplanten Neubau ein.
Oktober 2012: Der Gemeinderat erklärt die Initiative Leu für ungültig. Leu rekurriert.
April 2013: Vandalen zerstören das Baugespann auf der Schönau-Wiese.
Mai 2013: Der Bezirksrat erklärt die Initiative Leu für gültig. Sie kommt vor die Gemeindeversammlung.
Juni 2013: Runder Tisch mit Leu und Hiag zur Zukunft der Schönau scheitert.
22. Juni 2013: Demonstration gegen das Schönau-Projekt der Hiag in Wetzikon
24. September 2013: Die Wetziker Gemeindeversammlung heisst die Initiative Leu gut.
Oktober 2013: Die Hiag reicht Beschwerde gegen den Gemeindeversammlungsentscheid ein.
Juni 2014: Der Bezirksrat befindet den Gemeindeversammlungsentscheid für rechtens. Die Hiag zieht den Fall vor Baurekursgericht.
September 2014: Das Baurekursgericht entscheidet, dass die Hiag-Baubewilligung ungültig, der Volksentscheid aber gültig ist. Die Hiag zieht vor Verwaltungsgericht.
Juni 2015: Das Verwaltungsgericht stützt den Entscheid der Vorinstanz. Die Hiag geht vor Bundesgericht.
März 2016: Abschliessender Entscheid des Bundesgerichts: die bereits erteilte Baubewilligung wird für ungültig erklärt.
Dezember 2017: Die Stadt Wetzikon kündigt einen Gestaltungsplan fürs Areal Schönau an.
September 2018: Der Gestaltungsplan Schönau liegt öffentlich auf.
2019 bis 2020: Der Gestaltungsplan wird unter Beizug verschiedener Experten überarbeitet und es erfolgt eine zweite Vorprüfung durch den Kanton. Besonderer Fokus: Gestaltung und Schutz der Aussenräume, Zusammenspiel der Neubauten mit den Bestandesbauten.
Winter 2020: Start Mitwirkungsverfahren für das historische Baumwollmagazin – das Gebäude soll mit öffentlichen Nutzungen künftig das Herz der Schönau werden.
Frühling 2021: Einreichen des überarbeiteten Gestaltungsplans an den Kanton zur 3. Vorprüfung.
Sommer 2021: 3. Vorprüfung des Gestaltungsplans durch den Kanton abgeschlossen.
Herbst/Winter 2021/22: Festsetzung des öffentlichen Gestaltungsplans durch Stadtrat und Parlament geplant. Danach ist eine abschliessende Genehmigung durch den Kanton erforderlich.
2022/2023: Sobald der Gestaltungsplan rechtskräftig wird, werden erste Projekte konkretisiert, die wiederum ein Bewilligungsverfahren durchlaufen müssen. Mit der Realisierung der ersten Neubauten will die Hiag die Sanierung und Belebung des Baumwollmagazins in Angriff nehmen.

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