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Pilotprojekt in der Flughafenregion

In der Pause geht der Bus an die Ladestation

Ein neuer E-Bus verkehrt auf der VBG-Linie 759, die auch durch Dübendorf und Wangen führt. Zum Aufladen reicht ein zwölfminütiger Halt.

Redaktion
Tamedia
Freitag, 03. September 2021, 11:05 Uhr Pilotprojekt in der Flughafenregion
Der neue E-Bus der VBG wird am Flughafen Zürich vollautomatisch aufgeladen.
Leo Wyden

Diese Woche starteten die Verkehrsbetriebe Glattal (VBG) ein Pilotprojekt. Ein Jahr lang wird ein elektrischer Bus auf der Linie 759 vom Flughafen Zürich über Wallisellen und Dübendorf bis nach Wangen fahren.

Der Bus, der in Zusammenarbeit mit Mercedes und Siemens entstand, soll als Vorbild für die weiteren Pläne der VBG im Bereich der Elektromobilität dienen: Erweist sich der Versuch als erfolgreich, will die VBG die restlichen Busse der Linie 759 ersetzen. Es wäre die erste rein elektrisch betriebene Strecke der VBG, danach soll die Technologie auf die restlichen Buslinien ausgeweitet werden.

15 neue E-Busse

Der Hintergrund: Seitens Bundesrat ist geplant, den öffentlichen Verkehr bis 2050 komplett emissionsfrei zu betreiben. In mehreren Kantonen wird deshalb eifrig in Elektromobilität investiert. Erst im Sommer kündigten beispielsweise die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) an, dass sie im Herbst 2022 15 neue elektrische Busse in Betrieb nehmen werden. Das wird 14 Millionen Franken kosten. Auch Postauto plant, ihre 2400 Fahrzeuge in den nächsten 30 Jahren durch elektrische Modelle zu ersetzen.

Elektrobusse sind also eigentlich nichts Neues. Das würde auch VBG-Chef Matthias Keller so unterschreiben. «Elektrisch betriebene Busse kennt man mittlerweile.» Hinter dem Pilotprojekt stecke aber mehr: «Innovativ an unserem Projekt ist das Ladesystem, welches am Flughafen Zürich installiert ist.»

Innovative Ladestation

Anders als bei Elektrobussen, die im Depot aufgeladen werden müssen, wird das neue Modell der VBG nämlich am Busbahnhof des Flughafens mit Strom gespeist. Bei der Haltekante J wurde dazu ein Lademast aufgestellt, welcher mittels mechanischen Hebearms, eines sogenannten Pantografen, die Kontaktpunkte auf dem Busdach aufsucht und das Fahrzeug auflädt. Die Verbindung wird mittels WLAN und Näherungssensoren ermöglicht und erfolgt vollautomatisch, sodass keine Stecker benötigt werden. Das Ladezentrum und die dazugehörige Steuerung wurden im Parkhaus des Flughafens untergebracht.

«Der Vorteil eines solchen Systems ist, dass wir keine Änderungen am Streckenplan vornehmen müssen.»

Matthias Keller, Direktor der Verkehrsbetriebe Glattal (VBG)

«Die Busse der Linie 759 kommen beim Flughafen für etwa zwölf Minuten zu stehen», erklärt Keller. In dieser Zeit werden sie genügend stark geladen, damit sie die Gesamtstrecke von 13,7 Kilometern fahren können. Die Batterien haben aber deutlich Luft nach oben: Bei voller Ladung soll ein Bus ohne Zwischenladung etwa acht Runden fahren können.

«Der Vorteil eines solchen Systems ist, dass wir keine Änderungen am Streckenplan vornehmen müssen und die Busse ihre bisherige Betriebszeit von 4.45 Uhr bis 0.30 Uhr einhalten können.» Ähnliche Schnellladestationen wurden auch von den VBZ, Bernmobil und Transport Public Fribourg bestellt.

25 Prozent weniger Emissionen

Für die Realisierung solcher Projekte hat die VBG die Innovationslinie 759 ins Leben gerufen. So heisst die Versuchsanlage, in der seit zwei Jahren neue Forschungserkenntnisse im Bereich der Infrastruktur oder Fahrzeugtechnologie unter realen Bedingungen getestet werden können. «Ziel ist es, Projekte zu realisieren, die signifikante Einsparungen beim Treibstoffverbrauch oder den Emissionen ermöglichen», sagt der VBG-Chef. «Mit signifikant meinen wir aber nicht Reduktionen von wenigen Prozenten, sondern mindestens 25 Prozent – wenn nicht sogar mehr.»

Strom vom Dach

Der Strom für den E-Bus stammt deshalb auch vollständig aus erneuerbaren Energiequellen aus der Region. Danach will die VBG Fotovoltaikanlagen auf dem Dach ihres Busdepots installieren. Hier musste sie allerdings einen Kompromiss eingehen: Der eigene Solarstrom wird nicht direkt in den künftigen Elektrobussen genutzt, sondern ins Stromnetz gespeist. «Wir haben uns aber vorgenommen, so viel Solarstrom zu erzeugen, wie wir für den Betrieb der Busse nutzen.»

Keller ist zuversichtlich, dass das Pilotprojekt erfolgreich sein wird. In der einjährigen Testphase sollen nun noch die letzten Macken ausgebessert werden, worauf die restlichen Busse der Linie 759 ersetzt werden können. Heute legen diese sieben Fahrzeuge jährlich über 600’000 Kilometer zurück und verbrauchen rund 235’000 Liter Diesel. Langfristig plant die VBG, dann sämtliche Buslinien rein elektrisch zu betreiben.

(Astrit Abazi)

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