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Open Air auf dem Zeughausareal

Bombenstimmung am H2U-Festival in Uster

Patent Ochsner, Anna Rossinelli und Loco Escrito - sie alle zogen am Wochenende Hunderte von Menschen auf das Zeughausareal in Uster. Für viele war es der erste grosse Event seit Beginn der Pandemie und im Backstage-Bereich zeigten sich auch gestandene Stars vor dem Auftritt nervös.

Annette
Saloma
Samstag, 21. August 2021, 08:56 Uhr Open Air auf dem Zeughausareal

«Wunderschöne guete Abig Uschter» begrüsst Loco Escrito das Publikum und Hände schnellen in die Höhe, während Hunderte von Menschen dem Musiker auf der Bühne zujubeln.

Das H2U-Festival auf dem Zeughausareal hat an diesem Freitagabend kurz nach 22 Uhr stimmungsmässig das erste Mal seinen Höhepunkt erreicht. Das Publikum tanzt zu den Latino-Hits des Zürcher Oberländer Musikers, singt, kreischt.

Politikerinnen am Tanzen

Für viele ist es der erste grosse Anlass seit Beginn der Pandemie. So auch für Stadträtin Karin Fehr (Grüne), die jedes Jahr da ist und das H2U als «Hammerfestival» bezeichnet. «Ich freue mich auf die Musik und das Tanzen», sagt sie. «Es ist Zeit, dass in Uster kulturell wieder etwas los ist.»

Auch Mathias «Betschi» Betschart vom Ustermer Internetradio Radio15.ch strahlt über das ganze Gesicht. «Endlich kann man wieder Hände schütteln, eins trinken, sich frei bewegen. Das hat schon gefehlt.»

Das H2U Festival zog die Menschen in Scharen an. (Foto: Christian Merz)

Aufs Gelände darf nur, wer ein Covid-Zertifikat zeigen kann und entweder geimpft, genesen oder getestet ist. Drei Frauen kommen gerade aus dem Testcenter, das gleich neben dem Eingang stationiert ist.

«Lieber lasse ich mich hundert Mal testen, als mich impfen zu lassen», sagt Nathalie Hess, die mit ihrer Tochter und deren Freundin extra aus Bern angereist ist. Wegen Loco Escrito und wegen Patent Ochsner, die am Samstag auftreten.

Stars ohne Allüren

Starallüren kennt an diesem Festival niemand. Alle Bands stehen pünktlich auf der Bühne, Nachwuchstalent Pat Burgener sogar fünf Minuten zu früh. Sichtlich gut gelaunt gibt der Musiker und Profi-Snowboarder aus Lausanne als erster Act des Festivals auf der Nebenbühne seine Songs zum Besten.

Im Publikum ist auch Andrea Haas aus Uster, die mit Mann, Kind und Freundinnen gekommen ist. «Ich war schon hier, als das noch ein kleines Festival war und 30 Leute Max Giesinger zuklatschten.»

Seit einem Jahr habe sie das Ticket und sie freue sich schon seit Wochen auf das Open Air. «Das H2U ist einfach bombastisch.» Es sei anfangs seltsam gewesen, wieder einmal so viele Leute ohne Maske auf einem Haufen zu sehen. «Jetzt finde ich es mega. Trotz der Menschenmasse hat man eine gewisse Sicherheit, weil jeder ein Zertifikat hat.»

Die 18-jährige Joya Marleen zog das Publikum in ihren Bann. (Foto: Christian Merz)

Rund 2200 Besucherinnen und Besucher sind an diesem Freitagabend vor Ort. Auf der Hauptbühne hat Joya Marleen Stellung bezogen. Die 18-Jährige aus St.Gallen vermag mit ihrer Stimme, ihrer Gitarre und der Unterstützung durch einen Musiker am Keyboard das Publikum in ihren Bann zu ziehen. An der Bar ist das Chaos ausgebrochen. Für ein Getränk muss man ziemlich lange anstehen.

Loco Escrito, mit bürgerlichem Namen Nicolas Herzig, sitzt derweil im riesigen Backstage-Bereich auf einem Ecksofa, vor sich Getränke und eine kalte Platte. Er hat ein «Meet and Greet» mit vier «Züriost»-Lesern, später steht er als Hauptact auf der Bühne.

Familie im Publikum

«Ich freue mich mega, mega fest», sagt er. «Aber ich bin auch etwas nervöser als sonst, weil Freunde und Familie von mir hier sind.» Diese würden ausnützen, dass er wieder mal im Oberland auftrete. «Die Locations hier sind für mich zu klein geworden.»

Er geniesse es, endlich wieder einmal vor Publikum zu spielen. Schon am nächsten Tag hat er einen Auftritt am Open Air Gampel, während in Uster Patent Ochsner auf der Bühne stehen.

Später grüsst Loco Escrito in Uster auf der Bühne seine Mutter, seinen Bruder und seine Tochter, die alle gekommen sind, um den Star zu sehen, der seine ersten Auftritte mit 15 in der Kulturfabrik Wetzikon hatte.

Büne Huber sorgt für Gänsehautmomente am H2U-Festival. (Foto: Simon Grässle)

Auch Pat Burgener verfolgte das Konzert und zeigt sich danach begeistert. «Das ist zwar überhaupt nicht mein Musikstil, aber er hat einfach geile Vibes», sagt er. «Auch ich selbst hatte noch fast nie so ein geiles Konzert wie hier. Die Leute gingen voll ab, das war wirklich ein Traum.»

Für Rolf Heckendorn ging an diesem Festival ebenfalls ein Traum in Erfüllung. «Ein ausverkauftes H2U mit Patent Ochsner, darauf arbeiten wir seit sechs Jahren hin», sagt der Gründer des Festivals am Samstagabend vor dem Auftritt der Berner auf der Bühne.

«Das haben wir noch nie erlebt»

Büne Huber, Patent Ochsner

Die Urgesteine der Schweizer Mundartmusik bescheren dem Festival denn auch mit «W.Nuss von Bümpliz», «Scharlachrot» und «Fischer» ganz besondere Momente. 2400 Menschen sind auf dem eingezäunten Gelände – auf dem Parkplatz ausserhalb des Zaunes verfolgen ein paar Dutzende ebenfalls das Konzert.

So überwältigt wie das Publikum war auch Leadsänger Büne Huber nach dem Auftritt im Backstage. «Es war grossartig. Das Publikum hat nicht nur Textpassagen mitgesungen, sondern eine Bläser-Passage. Das haben wir noch nie erlebt. Wir sind alle hingerissen. Das war eines unserer besseren Konzerte.»

Begeistert ist auch Heckendorn nach drei Tagen Festival: «Wir haben damit gerechnet, dass es gut wird, aber unsere Erwartungen wurden übertroffen.» Es habe einfach alles gepasst. «Das Wetter, das Publikum, die Musik.»

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