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Trailrunning im Kanton Zürich

Über Stock und Stein hinauf zum Oberländer Aussichtsberg

Die besten Zürcher Trailläuferinnen und -läufer verraten sechs besonders lohnenswerte Routen im Kanton. Mehrere davon führen durchs Oberland.

Redaktion
Züriost
Montag, 26. Juli 2021, 16:15 Uhr Trailrunning im Kanton Zürich
Besonders im Sommer angenehm: Laufstrecken durch den Wald.
Foto: Urs Jaudas

Manchmal ist Laufen nur ein Krampf, selbst für Lauffans. Etwa an heissen Sommertagen, wenn selbst die beliebten Joggingstrecken entlang von Fliessgewässern ihre Attraktivität verlieren. Ein Lauf entlang der Limmat zur Mittagszeit? Hallo Hitzekollaps! Von Teerstrassen wollen wir gar nicht erst sprechen.

Angenehmer läuft es sich da auf Trails abseits der Zivilisation, auf Wander- und Waldwegen. Sie denken, das geht nur in den Bergen? Im Gegenteil: Wir haben mit der Unterstützung der besten Trailläuferinnen und -läufer des Kantons Zürich sechs Routen zusammengestellt, für die es sich lohnt, in den Zug zu steigen.

Entsprechend wurden als Start- und Zielorte stets ÖV-Haltestellen gewählt. Für die Navigation steht am Ende jedes Routenbeschriebs ein GPX-File zum Download bereit. Dieses kann entweder auf die GPS-Uhr geladen oder in Kombination mit der App Swisstopo benutzt werden.

Unsere vorgestellten Routen sind – vielleicht mit Ausnahme der beiden ganz langen Läufe – ohne grosse Trailausrüstung (Trailschuhe, Trinkweste) machbar, es reicht also, wenn Sie mitnehmen, was Sie auch für einen normalen Longrun einpacken würden: ein paar Snacks und etwas Bargeld. Unterwegs finden sich zudem auf allen Routen Brunnen oder Restaurants. Happy Trails!

Trail 1: Hinauf zum Pfannenstiel

Die Route startet mit einigen flachen Kilometern zum Zürichhorn, ehe der Weg Richtung Trichterhauser Mühle am Bach entlang zu steigen beginnt. Wir folgen dem Wanderweg, der die Höhendifferenz so sanft überwindet, dass der Laufschritt immer möglich ist. Zwischen den Zumiker Golfbahnen hindurch geht es zum Forchdenkmal und in Forch weiter in Richtung Pfannenstiel. Fast immer im Schatten der Bäume – und darum auch bei sehr warmen Temperaturen gut machbar.

Vom höchsten Punkt des rechten Seeufers halten wir uns an den Meilener Dorfbach, der uns auf direktem Weg und einem flowigen Trail dem Ziel näher bringt. Der Wasserfall auf halbem Weg wäre eine einladende Abkühlung. Unkomplizierter ist es jedoch, unten im See die Beine zu erfrischen.

23 km, 600 Höhenmeter - Link zum GPX-File der Route.

Trail 2: Auf den Bachtel

Der prägnante Oberländer Gipfel liegt in Stephan Wenks Trainingsgebiet. Der 38-Jährige ist als Gewinner von zahlreichen Bergmarathons – und dem Zürcher Berglaufcup – einer der stärksten Trailläufer der Schweiz. Als solcher sei ihm der Bachtel «fast zu wenig steil», sagt er. Trotzdem ist er begeistert von seiner Runde. Weniger wegen deren höchsten Punktes, des Bachtels mit seinem Aussichtsturm, sondern wegen des danach folgenden Bachtelspalts.

Wenk schlägt auf dem Weg dorthin Trails vor, die nicht oft begangen werden – und erst noch laufbar sind. Von Hinwil geht es via Wildbachtobel–Girenbad–Allmen zum Bachtel, ehe ein Kilometer später der erwähnte Bachtelspalt folgt: eine eindrückliche, 50 Meter lange Erdspalte aus Nagelfluh – Bauch einziehen! Von dort führt der Weg über den Hasenstrick hinunter nach Wald.

15 km, 600 Höhenmeter - Link zum GPX-File der Route.

Trail 3: Zürcher Oberländer Gipfel

Am anderen Ende der Skala ist die grosse Runde von Stephan Wenk angesiedelt. 44 Trailkilometer sind nichts für Traildebütanten. Mit ein paar Läufen in den Beinen und einer guten Grundkondition ist das jedoch ein toller Tagesausflug – zumal unterwegs mehrere Alpwirtschaften locken. Oder man hält nach der Höchhand links statt rechts und verkürzt so die Runde um 15 Kilometer.

Der Lauf führt nach den Aufwärmkilometern im Sagenraintobel – Wenk: «Weil es so schön ist, habe ich es bei Hin- und Rückweg eingebaut» – bald über die Kantonsgrenze hinaus. Im Zürcher Oberland ist das kein Wunder: Zwischen den vielen Gipfeln ist es kaum abschätzbar, wo Zürich aufhört und St. Gallen beginnt.

Unterwegs wird mit dem Schnebelhorn (1292 m) auch der höchste Punkt des Kantons Zürich passiert. Statt zurück zum Startort kann man von da auch Richtung Steg oder Fischenthal abbiegen. «Auf Trails im Wallis oder in Graubünden hat man immer die noch viel höheren Berge um sich herum. Im Oberland hingegen läuft man zuoberst, auf den Bergrücken. Dieses Gefühl gefällt mir hier besonders», sagt Wenk.

44/29 km, 2300/1500 Höhenmeter - Link zum GPX-File der langen Route. Und der abgekürzten Variante.

Trail 4: Lägern und Altberg

Alpiner als im Westen Zürichs geht es selten zu und her: Der Lägerngrat hat schon manchen Wanderer das Fürchten gelehrt, weil gewisse Abschnitte doch recht ausgesetzt sind. Auch aus diesem Grund gilt, was Trailläufer Raphael Sprenger bereits zum Aufstieg kurz nach dem Start von Baden rät: «Besser läuft man die Strecke nicht am Wochenende – ausser man liebt den Kolonnenlauf mit Wanderern.»

Sprenger, der kürzlich den Ultraks-Wettkampf in Pontresina für sich entscheiden konnte, verbindet auf seiner Route, die im Kanton Aargau startet, die beiden Hügelrücken im Westen Zürichs. Vom Lägern geht es runter nach Otelfingen. Hier endet die Route nach 13 Kilometern am Bahnhof für jene, die sich nicht die ganzen 37 Kilometer zutrauen. Für alle anderen geht es gleich wieder hoch auf den Altberg. Hier verläuft nach einer kleinen Startschlaufe ein Trail auf dem Rücken, der auch von Bikern befahren wird – Rücksichtnahme ist Ehrensache.

Nach zwei Dritteln der Distanz rückt langsam die Stadt ins Sichtfeld. In Höngg folgt ein letzter Singletrailabschnitt nach Affoltern hinunter und gleich wieder hoch, ehe der Lauf am Bucheggplatz zu Ende geht.

37 km, 1000 Höhenmeter - Link zum GPX-File der Route

Trail 5: Sihlwaldtrails

Der Lauf startet ebenfalls in Langnau und führt auch zum Albishorn. Allerdings kommen die Höhenmeter nicht ganz so gebündelt wie auf Emma Pooleys Route. Vom Albishorn geht es den Grat entlang und mit Aussicht auf Rigi und Pilatus südwärts bis hinunter nach Sihlbrugg. Wer die Sonne meiden will, nimmt einen parallelen Trail ein paar Höhenmeter weiter unten im Wald.

Ab Sihlbrugg folgt der Weg schattig-kühl dem Fluss, klettert dann hoch nach Hirzel, am exklusiven Golfclub Schönenberg vorbei und von dort hinunter zum Zürichsee, wo der Trail wie auf der anderen Seeseite an einem Wasserfall vorbeiführt – und ebenfalls zum Abschluss die obligate Chance auf ein Bad im See bietet.

29 km, 800 Höhenmeter - Link zum GPX-File der Route.

Trail 6: Den Albisgrat entlang

Mit Emma Pooley wohnt eine der talentiertesten Ausdauersportlerinnen der Schweiz im Raum Zürich. Die gebürtige Britin erhielt 2020 den Schweizer Pass – diesen Frühling wurde sie sogleich Schweizer Meisterin im Traillauf.

Pooley wohnt unweit des Albishorns, entsprechend oft ist sie auf dem Albisgrat unterwegs. Die viel beschäftigte Sportlerin schlägt eine Route vor, die ein schönes Stück des Grats beschreitet. Allerdings nicht immer auf der Hauptwanderroute, sondern bevorzugt auf den kleineren, lauftechnisch abwechslungsreicheren Nebenwegen.

Von Langnau am Albis muss man sich hinauf zum Albishorn die dortige Rundsicht erst verdienen. Von da läuft es sich dann aber auf der Höhe ziemlich unbeschwert in Richtung Zürich, wo die Route bei der Saalsporthalle endet. Das Ziel ist nicht zufällig gewählt: Pooley hatte die Route einst für einen Lauf mit dem Verein Trail-Maniacs geplant, deren Mitglieder sich jeweils dort zu ihren Läufen treffen. (Text und Grafiken: Emil Bischofsberger)

28 km, 800 Höhenmeter - Link zum GPX-File der Route.

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